Cybercrime: Mafia@work.org - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Cybercrime Mafia@work.org

E-Mail und ICQ, Hack-Tools und Kryptografie - kein Instrument der digitalen Medienwelt, das das organisierte Verbrechen mittlerweile nicht professionell nutzte. Die Schimäre Cybercrime nimmt zusends konkretere Formen an.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Elektronische Kommunikationsmedien verändern die Welt, auch und gerade die des Verbrechens. Vor der wachsenden Gefahr der so genannten Cyber-Kriminalität warnen seit Jahren schon Kriminalitätsexperten und Politiker. Die so oft beschworene Gefahr, meinen nun britische Experten, hat längst konkrete Züge.

Das jedenfalls berichteten Delegierte der "Nation Hi-Tech Crime Unit" NHTCU auf einem ersten Kongress zum Thema in London. Demnach wendeten Drogendealer, Waffenschieber und Kinderpornografen mit wachsender Professionalität das ganze Instrumentarium digitaler und sonstiger elektronischer Kommunikationsmittel an - vom Prepaid-Handy, das steten Nummernwechsel ermöglicht und somit die Überwachung erschwert, über Kryptografie bis hin zu ICQ-Chats.

In den letzten Monaten sei zudem vermehrt zu beobachten, das kriminelle Organisationen ganz gezielt Experten aus der gebeutelten IT-Industrie anwerben. Len Hynds von der NHTCU: "Wir beobachten auch, dass diese Gruppen Hacker-Knowhow anwenden, um Zugang zu IT-Systemen zu erhalten und über diese ihre illegalen Inhalte zu verbreiten". Das bezieht sich vor allem auf den Kreis der organisierten Kinderpornografen, die mitunter legitime Firmenserver regelrecht kidnappten und dort kinderpornografisches Material hinterlegten.

Für eine konkrete Gefährung durch Cyberterrorismus gäbe es dagegen keine konkreten Hinweise. "Dass Terroristen fortgeschrittene technologische Mittel nutzen, ist bisher nicht zu belegen", sagte dazu Bob Aisnworth, Unterstaatssekretär im britischen Innenministerium gegenüber dem Online-Nachrichtendienst Vnunet. "Was nicht bedeutet, das dies nicht noch geschehen könnte".

Im Gegensatz zu ihren amerikanischen Kollegen leiten die britischen Experten aus diesen Befunden jedoch keinen erhöhten rechtlichen Handlungsbedarf ab. Im Großen und Ganzen, so NHTCU-Fahnder Hynds, seien die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinreichend, um adäquat gegen Cybercrime vorgehen zu können.

Großbritannien gilt innerhalb Europas als das Land mit den weitreichendsten Polizeibefugnissen in Sachen Überwachung elektronischer Kommunikationsmedien.