Der Richter Thomas Penfield Jackson
Man traute ihm nicht viel zu, bevor er in seiner "Finding of Facts" auf 207 Seiten die Aktivitäten des damals - am Aktienwert gemessen - größten Unternehmens der Welt zerlegte. Viel Gutes kam dabei aus Sicht von Microsoft nicht heraus: Ja, , Microsoft habe seine Machtstellung im Markt mißbraucht. Ein Schock für Microsoft, den die Börse schon damals mit einem kräftigen Abwärtstrend quitierte.
Bis zu diesem Zeitpunkt war Jackson alles andere als ein Star unter den Richtern: 1995 hatte ihn ein Gerichtsreporter als "langsam, faul und bequem" bezeichnet, im folgenden Jahr wählte ihn ein Washingtoner Magazin zu einem der "schlechtesten" Juristen. Tyrannisch sei er, meinte das Blatt, und kenne die Gesetze nicht. Andere Quellen bezeichnen ihn als höflich und ruhig, Angestellten gilt er als "warmherzig", als "Mentor" - widersprüchlicher geht es kaum.
Einen Ruf genoss Jackson jedoch zurecht, der sich auch den Akten seiner zahlreichen Prozesse entnehmen lässt: In Zivilprozessen entschied er meist für den Angeklagten, in Strafprozessen gegen ihn. 1987 entschied er in einem Prozess für den Autohersteller General Motors, dem vorgeworfen worden war, mehr als eine Million Autos mit schadhaften Bremsen ausgeliefert zu haben. Die von Verbrauchern vorgebrachten Beweise hätten nur "annekdotischen Charakter", befand Jackson - und zog sich den Zorn der Verbraucherschützer zu.
Die schrien anfänglich Zeter und Mordio, als Jackson den Vorsitz über den Prozess gegen Microsoft übernahm. Der Mann verstehe nichts von Hightech, hieß es. Anfänglich wohl zurecht: Jackson fiel durch viele als "naiv" bezeichnete Zwischenfragen auf, wirkte nach Ansicht von Prozessbeobachtern oft "zerstreut", gar "gelangweilt". Mehrere Male soll er sich während der Verhandlungen ein Nickerchen geleistet haben. Wie man sich täuschen kann: Der bis dahin vor allem mit Prozessen im Bereich Pharma- und Medienunternehmen betraute Richer hat sich im Laufe des Prozesses eine veritable Sachkenntnis angelesen.
Thomas Penfield Jackson stammt aus einer Washingtoner Anwaltsfamilie, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Nach dem Besuch der renomierten St. Albans' School schrieb er sich am Dartmouth College ein. Kurz vor dem Abschluss ging er zur Navy, diente drei Jahre auf einem Zerstörer. Nach dem Ende seiner Militärzeit besuchte er die Harvard Law School, wo er 1964 schließlich seinen Abschluss machte. Berufserfahrung als Anwalt sammelte er in der Kanzlei seines Vaters Thomas Searing Jackson. Seit 1982 ist Penfield Jackson Bundesrichter.
So widersprüchlich sein Ruf bis zur "Finding of Facts" gegen Microsoft gewesen sein mag, dokumentierte er im Laufe seiner Laufbahn doch mehrere Male, dass er nicht davor zurückschreckt, sich mit den "Mächtigen" anzulegen. Aufsehen erregte der Harvard-Absolvent erstmals 1991, als er Washingtons Bürgermeister Marion Barry wegen Drogenmissbrauchs hinter Gitter brachte. 1994 führte sein Urteil in einem Sex-Prozess zum Rücktritt des republikanischen Senators Bob Packwood.
Im Fall Barry war Jackson nach Ende des Prozesses negativ aufgefallen, weil er im Rahmen eines Symposiums öffentlich bedauerte, dass er den Angeklagten nicht in allen Anklagepunkten habe schuldig sprechen können.
Ein Vorwurf ist Jackson jedenfalls noch nicht gemacht worden: Dass er davor zurückschrecke, harte Urteile zu sprechen.
Frank Patalong