Deutsche-Bank-Experte Kein E-Commerce ohne staatliche Starthilfe
Die Deutsche Bank sieht für hochmoderne Chipkarten, mit denen Verbraucher im Internet einkaufen, Verträge online abschließen oder Behördengänge erledigen können, kaum Chancen ohne Unterstützung des Staates.
"Ohne Kooperation zwischen Wirtschaft und der öffentlichen Hand wird es keine flächendeckende Nutzung solcher Chipkarten, sondern weiter nur einzelne Gehversuche geben", meint dazu der Technologie-Vorstand der Deutschen Bank, Hermann-Josef Lamberti. Unter anderem müsse für die Karten mit so genannter digitaler Signatur ein einheitlicher Standard geschaffen werden.
"Zu Anfang glaubte die Bankenwelt noch, sie könne eigene Standards setzen, aber mittlerweile zeichnet sich ab, dass ihr das alleine nicht möglich ist", so Lamberti. Das sei nicht mehr das Ziel der Geldhäuser. Ihnen schwebe nun ein gemeinsames Vorgehen der öffentlichen Hand, der Banken und der Industrie vor. "Sonst werden die Möglichkeiten des E-Commerce noch lange auf sich warten lassen."
Die digitale Signatur ist ein verschlüsselter Zahlencode für elektronische Dokumente, der eine Person eindeutig identifiziert.
Die Masse macht's: Geld gilt erst dann, wenn man damit bezahlen kann
"Ein Personalausweis mit Chip könnte der digitalen Signatur zum Durchbruch verhelfen", schlägt Lamberti vor. Die kritische Masse sieht er bei 15 bis 20 Millionen Nutzern erreicht. "Um für so viele Verbraucher ein attraktives Angebot zu machen, braucht es mehr als Home-Banking."
Denn das Interesse der Nutzer an digitalen Zahlmethoden ist bislang gering. Kein Wunder: Mit der digitalen Sigantur lässt sich kaum irgendwo bezahlen. Als "Geld" wird sie aber erst dann Akzeptanz finden, wenn sie sich auch möglichst flächendeckend einsetzen lässt. Bis dahin sähen die Aussichten eher düster aus:. Lamberti: "Daran wird erst ein einheitlicher Standard etwas ändern."
Alternativen zum alles vereinheitlichenden staatlichen Engagement sieht Lamberti nicht. "Alles andere ist zu teuer und für die Verbraucher zu unbequem."
Zumal diese für die notwendigen Kartenlesegeräte erst einmal rund 20 Euro berappen müssten. Einheitliche Standards für Chips und die Autorisierungszentren, die die elektronischen Unterschriften überprüfen, könnten vielen Anbietern aus verschiedenen Branchen zur Verfügung stehen. Dann würden auch Industrie und Mittelstand mehr Angebote entwickeln.
Bislang arbeiten aber noch viele Anbieter an eigenen Infrastrukturen - und müssen wegen der hohen Kosten zum Teil die Waffen strecken. Ende Mai zog sich die Deutsche-Post-Tochter Signtrust aus dem Markt für digitale Signaturen zurück. Auch die Geldkarte, ein erster Versuch der Banken, moderne Chipkarten - allerdings ohne digitale Signatur - zu testen, erfüllte bislang die Erwartungen nicht. Die Dresdner Bank gibt keine neuen Geldkarten mehr aus.