Die zweite Partie Kasparow gegen Deep Junior
Klare Sache, die Wetten stehen für Kasparow. Wer im zweiten Spiel den virtuellen Gang zum Buchmacher nicht scheute, wird heute Nacht kaum reich, sollte der Großmeister gewinnen: Auf 10 Euro Einsatz gibt es höchstens 15 zurück. Anders sieht das bei Junior aus, bei dem die Wetter inzwischen Nomen als Omen interpretieren: 5 zu 1 stehen da die Chancen.
Nicht viel anders sehen das die Leser von SPIEGEL ONLINE. 56 Prozent erwarten einen Sieg von Kasparow, gerade 13,5 Prozent trauen das Junior zu.
Nach der fulminanten ersten Partie ist das kein Wunder. In nur 27 Zügen zeigte Kasparow, was das Wort "Großmeister" bedeutet. Junior hingegen machte keine gute Figur.
Doch das war nicht viel anders im Match zwischen Kramnik und Deep Fritz. Der amtierende Weltmeister dominierte das erste Drittel des Matches, erst dann "kam" Deep Fritz - und erzwang bis zur achten Partie ein Unentschieden. Schwer ist das Spiel gegen den Rechner ja nicht zuletzt deshalb, weil der nie ermüdet. Der Druck auf die menschlichen Spieler hingegen ist enorm.
Auch das Team um Deep Junior dürfte während des Ruhetages Arbeit satt gehabt haben. Junior konnte die Vorteile eines rechners vor allem deshalb nicht ausspielen, weil er bereits ab dem neunten Zug frei berechnen musste: Normalerweise greifen Schachprogramme bis ins Mittelspiel hinein auf ihre Umfangreichen Eröffnungsbibliotheken zurück. Salopp gesagt ging Junior da zu schnell die Puste aus - was sich äußerst nachteilig in seinem schnell schwindenen Zeitkonto zeigte.
Heute soll das besser werden, zudem ist Junior am Zug: Mit Weiß hat Junior die Initiative, Kasparow steht zunächst einmal in der Verteidigung. Man darf gespannt sein, ob der als "aggressiv" geltende Junior das für sich zu nutzen weiß. Kasparow ist weder ein leichter, noch ein zahmer Gegner: Er steht im Ruf, schnell zurück zu beißen.