Dienstleistung statt Verkauf: Amazon wird Datenspediteur - DER SPIEGEL
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Dienstleistung statt Verkauf Amazon wird Datenspediteur

Die Verteilung großer Datenpakete über das Internet verlangt kräftige Infrastrukturen. Die hat nicht jeder, der Videos, Musik oder Software verteilen oder verkaufen will. Jetzt plant Amazon-Chef Jeff Bezos den Aufbau eines Verteilnetzes, in das man sich einmieten kann.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer Videos, Musik oder Software im Internet verbreiten will, braucht reichlich dicke Leitungen und einen kräftigen Serverpark: Das kostet mehr Geld, als es unter Umständen für lange Zeit einbringt - und genau hier wittert der Online-Händler Amazon das nächste lukrative Geschäft.

Denn Kapazitäten hat Amazon genug. Das Unternehmen verfügt über Serverparks in den USA, Europa und Asien. Schon seit einiger Zeit gehört das Parken umfangreicher Daten zum Dienstleistungspaket des Händlers ("Simple Storage Service"). Jetzt soll ein sogenanntes Content Delivery Network (CDN) dazukommen: Hier kann der Kunde Kapazitäten für die Verteilung bestimmter Inhalte anmieten, wenn er sie gerade braucht. Einfach gesagt wird Amazon damit zum Spediteur für große Datenpakete.

Die Idee ist nicht neu, CDN-Dienste werden von zahlreichen spezialisierten Infrastrukturunternehmen angeboten. Die Nummer eins weltweit ist hier das US-Unternehmen Akamai, das sich darauf spezialisiert hat, die Daten großer Web-Dienste auf weltweit verteilten Caches vorzuhalten. Auf diese Weise werden die Server des anbietenden Unternehmens entlastet. Akamai soll 10 bis 20 Prozent des weltweiten Netzverkehrs abwickeln, die Kundenliste (hier eine Liste der US-Kunden ) umfasst von Apple über die Nasa bis zu Yahoo alles, was im Web Größe hat.

Verwandt sind auch Distributionsdienste wie Rapidshare, die ihren Kunden Serverkapazitäten anbieten, große Technologieunternehmen wie beispielsweise Sun arbeiten derzeit an eigenen Diensten. Es ist also nicht so, dass Amazon hier gerade das Rad erfindet - der Markt ist bereits hart umkämpft. Er wächst allerdings auch rapide mit der zunehmenden Nachfrage nach multimedialen Daten. Amazon hat die nötige Größe und Infrastruktur, hier durchaus mitboxen zu können.

Auf Seiten des Nutzers muss so ein Service noch nicht einmal auffallen. Dynamisch generierte Web-Seiten machen es möglich, beispielsweise eingebundene Videos einzuspiegeln: Text und Bewegtbild oder Musik kommen von unterschiedlichen Servern, ohne dass der Nutzer dies bemerkt.

Amazon, einst als das prototypische Online-Versandhaus groß geworden, forciert seit Jahren den Ausbau seiner B2B-Dienste für Geschäftskunden. Vor kurzer Zeit hatte das Unternehmen so unter anderem angekündigt, künftig auch als On-demand-Druckerei für Verlage aktiv zu werden.

pat

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