Digitale Publikation: Rupert Murdoch plant Tablet-Zeitung - DER SPIEGEL
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Digitale Publikation Rupert Murdoch plant Tablet-Zeitung

Rupert Murdoch will den Glauben an digitale Bezahlinhalte nicht aufgeben. Die britische "Times" beraubte er im Netz durch eine Bezahlschranke des Großteils ihrer Leser, nun plant Murdoch eine Zeitung fürs iPad und andere Tablets. Das Projekt soll im ersten Jahr 30 Millionen Dollar kosten.
Rupert Murdoch: Hoffnung auf Tablet-Rechner
Rupert Murdoch: Hoffnung auf Tablet-Rechner

Rupert Murdoch: Hoffnung auf Tablet-Rechner

Foto: KEVIN LAMARQUE/ REUTERS
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"The Daily" soll es dem Vernehmen nach heißen, und eine Art Tageszeitung soll es wohl auch tatsächlich werden - eine Ausgabe jeden Morgen, dazu, immerhin, eine bislang unbekannte Anzahl von Updates über den Tag verteilt. Rupert Murdochs News Corp. hat zahlreichen Medienberichten zufolge eine Applikation fürs iPad und andere Tablet-Rechner entwickelt, die demnach mit einer Menge Geld und einer stattlichen Redaktion produziert werden soll. "Forbes" will erfahren haben, dass 150 Menschen an dem Projekt arbeiten, für das erste Jahr sind angeblich 30 Millionen Dollar Budget eingeplant.

Auch über die Besetzung der Redaktion wird schon eifrig spekuliert. Das Kulturressort soll der "New York Times" zufolge Sasha Frere-Jones leiten, bislang Musikkritiker beim "New Yorker". Chefredakteur der iPad-Zeitung soll Gerüchten zufolge der derzeitige Chef des Boulevardblatts "New York Post" werden, das ebenfalls zu Murdochs News Corp. gehört, ein weiterer Boulevardmann, Pete Picton von der Online-Ausgabe der britischen "Sun", soll dem "Guardian" zufolge  ebenfalls eine leitende Funktion übernehmen. Ob all das stimmt, ist noch nicht klar - dass es "The Daily" jedoch geben wird, hat Murdoch selbst in einem Interview mit einem seiner eigenen TV-Sender bestätigt. Mit Journalisten, deren Gehalt sein Imperium bezahlt, spricht der Zar am liebsten.

Mutiger Schritt oder "Totgeburt"?

Murdoch setzt große Hoffnungen ins iPad und andere Tablet-Rechner. So wie vielen Vertretern der alten Medien-Garde erscheint ihm diese Art von Plattform der guten alten Zeitung näher verwandt zu sein als der PC mit Tastatur und Maus. Mit Apples Bezahlmodell könne man, so die Hoffnung, endlich auch wieder Geld nehmen für journalistische Inhalte in digitaler Form. Murdoch ist einer der größten Verfechter von Bezahlinhalten auch im WWW: Auch die zu seinem Imperium gehörende "Times" ist vor Monaten hinter einer Bezahlschranke verschwunden. Nun hat die "Times" eigenen Angaben zufolge noch 100.000 zahlende Online-Leser - bevor die Bezahlschranke fiel, hatten "Times" und "Times on Sunday" im Netz gemeinsam drei Millionen Besucher im Monat. "The Daily" soll angeblich 99 Cent pro Ausgabe kosten - auch das aber ist bislang nicht mehr als ein Gerücht.

Obwohl noch kaum gesichertes Wissen über die iPad-Zeitung existiert, wird das Projekt schon fleißig bewertet und kommentiert. Ben Parr vom Tech-Blog "Mashable" lobt Murdoch : Er habe die Zeichen der Zeit erkannt und investiere in die Zukunft. Scott Rosenberg dagegen, Veteran des Web-Journalismus und "Salon"-Mitgründer, betrachtet "The Daily"  schon vor dem Start als "Totgeburt": Weil es, wie Apps nun mal häufig sind, keine Verbindung zum Web haben werde und man die Inhalte daraus somit weder twittern noch bei Facebook einstellen noch durch einen Link darauf verweisen könne. Das sei ein "Rückfall in die Isolation von Publikationen vor den Zeiten des Web".

cis