Digitalmedien Bertelsmann baut eigenen Netz-Kiosk
Angefasst: iPad im SPIEGEL-ONLINE-Schnell-Check
Das kommt etwas spät, dafür sind die Pläne umso größer: Bis Weihnachten dieses Jahres will Medienriese Bertelsmann (hält über Gruner + Jahr Anteile am SPIEGEL-Verlag) einen neuen Vertriebskanal für digitale Magazine, Zeitungen und Bücher einrichten. Über den sollen Verlage ihre Inhalte direkt an Leser verkaufen können, ohne sich mit Zwischenhändlern wie Apple und Amazon über Inhalte und Provisionen streiten zu müssen.
Das Fachmagazin " Horizont " berichtet, dass die Firma mit gut 20 Verlagshäusern verhandelt hat. Laut dem verantwortlichen Geschäftsführer Olaf Conrad habe man "keine einzige Absage erhalten". Das mag auch daran liegen, dass man nicht allzu viel riskiert bei diesem Testballon: Verlage, die den Kiosk einfach nur als Verkaufskanal nutzen wollen (und dafür Provisionen bezahlen), müssen ihre Inhalte nicht exklusiv darüber vertreiben. Sie können also zum Beispiel weiterhin auch Apps für das iPhone und Digitalausgaben für Amazons Kindle vertreiben. Verlage, die sich an der Betreiberfirma des Digitalkiosks beteiligen, müssen hingegen Digitales exklusiv über diesen verkaufen.
Laut "Horizont" soll der Bertelsmann-Kiosk digitale Magazine, Zeitungen und Bücher über mehrere Kanäle anbieten:
- Für Geräte wie iPhone und iPad will die Firma eine "Kiosk"-Anwendung anbieten, über die man seine Digitalabos abrufen kann. So ähnlich macht das Amazon schon bei Digitalbüchern: Was man für den Kindle kauft, kann man mit einer speziellen App auch auf dem iPhone lesen.
- Für Mobilgeräte ohne Bindung an einen bestimmten App Store des Herstellers will der Bertelsmann-Kiosk Inhalte über Kooperationen mit Mobilfunkanbietern bereitstellen. Details, wie das konkret aussehen soll, fehlen bislang.
- Im Web soll der Digitalkiosk eine eigene Präsenz haben, aber auch auf den Seiten der Partnerverlage eingebunden werden - bezahlt wird per Kreditkarte, Lastschrift oder Paypal.
Antworten auf die für Kunden wirklich spannenden Fragen, gibt der Kiosk-Geschäftsführer noch nicht:
- In welchen Formaten werden die Magazine, Zeitungen und Bücher ausgeliefert? PDF? ePub?
- Sind die Inhalte auf Texte und Fotos beschränkt, oder sind auch interaktive Grafiken, Videos, Audio-Slideshows und andere neue Erzählformen umsetzbar?
- Gibt es einen Kopierschutz?
- Wird es eine attraktive Flatrate für alle Kioskinhalte geben, zahlt man pro Text, pro Ausgabe oder schließt man Abos ab?
Von den Antworten auf diese Fragen hängt der Erfolg des Projekts ab - das Buchhandelsportal Libreka zum Beispiel ist trotz enormem Aufwand wegen der merkwürdigen Preise, des unübersichtlichen Angebots und des extrem nervigen Kopierschutzes bislang praktisch unbenutzbar.