Diskussion www.wäre-es-wirklich-wünschenswert.de?
Jürgen Möllemann hat keine eigene Homepage, jedenfalls keine, die seinen Namen führte. Das liegt zum einen daran, dass sich der so zukunftsorientierte FDP-Politiker die Domain "juergen-moellemann.de" von einem Menschen aus Hagen unter der Nase hat wegschnappen lassen, zum anderen daran, dass "moellemann.de" ebenfalls vergeben ist - und nicht zuletzt daran, dass man "Ü" und "Ö" in Domainnamen noch immer nicht benutzen darf. Also muss sich Möllemann noch mit dem Ungetüm "www.nrwbrauchttempo.de" bescheiden.
Das könnte sich bald ändern. Seit Jahren schon diskutiert die Internet Engineering Task Force darüber, ob und ab wann und vor allem wie man "Sonderzeichen" in Domainadressen zulassen sollte. Die Diskussion lebte in den letzten Monaten wieder auf, nicht zuletzt im Kielwasser der Diskussionen um Icann. Themen, die die (Internet-) Rechte von Regionen in aller Welt betreffen, werden derzeit heiß gehandelt. Sinn macht das durchaus nicht immer.
Zwar würden sich die Möllemänner, Müllers und Geißdörfer im deutschsprachigen Sprachraum sicherlich über die Möglichkeit freuen, den eigenen Namen auf Anhieb auch in der eigenen Domainadresse erkennen zu können - aber es gibt auch echte Gegenargumente gegen eine solche "Regionalisierung" des Webs.
"Wo fängt man an", fragt etwa Klaus Herzig von der DENIC, "und wo hört man auf?"
Denn "Sonderzeichen" gibt es wie Sand am Meer. Neben der deutschen Vorliebe, Vokale mit Pünktchen zu versehen, darf auch die skandinavische Manie, Vokale durchzustreichen oder die spanische Eigenart, Fragezeichen umzukippen als vergleichsweise harmlos gelten. Denkt man hingegen an völlig "fremde" Zeichensätze wie im Kyrillischen, im Arabischen, Koreanischen, Japanischen, Chinesischen, dann wird die Größe des Problems offensichtlich.
Denn das Problem ist kein primär technisches. Es beginnt bei der Tastatur, genauer gesagt, bei der Einstellung des jeweiligen Zeichensatzes im PC des jeweiligen Users. Ein Amerikaner, der sich "www.jürgen-möllemann.de" zu Gemüte führen wollte, müsste sich auf eine Art "SMS"-Tipperei einlassen: Für jedes "Sonderzeichen" müsste er eine Folge von Zeichen eingeben.
Das macht das Leben nicht unbedingt einfacher. Ein "Ä" entspricht etwa der Tastenkombination "Alt, 0-1-9-6", das "Ö" erzeugt man mit "Alt, 0-2-1-4" und wer schon immer einmal "Öresund" so richtig dänisch schreiben wollte, der tastet sich per "Alt, 0-2-1-6" an das "durchstrichene O" heran.
Die Konsequenz ist klar: Zwar würden Erinnern und Eingeben von Webadressen im jeweils betroffenen Sprachraum bequemer, zugleich aber käme es zu einer "Regionalisierung" des Webs. Eigentlich, sinniert Herzig, gäbe es mehr Argumente dagegen als Argumente dafür. "Wenn es kommt, dann setzen wir es natürlich auch um", sagt er, "aber wir treiben es nicht voran".
Frank Patalong