Cyber-Angriffe Spähangriff auf Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Forschungsstelle für maritime Sicherheit am DLR-Standpunkt in Neustrelitz: Opfer von Wissenschaftsspionage?
Foto: Bernd Wüstneck/ dpaHamburg - Ob die Erforschung der Erde und des Sonnensystems, die Entwicklung von Technologien für Rüstung, Kommunikation, Luftsicherheit oder die Umwelt: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hortet unzählige wissenschaftliche Datenschätze. Daten, die teils von höchster Brisanz und Wichtigkeit sind - und in die so mancher gerne einen genaueren Einblick hätte.
Wie jetzt bekannt wurde, wehrt sich das DLR seit Monaten gegen den mutmaßlichen Angriff eines ausländischen Geheimdienstes: Nach Recherchen des SPIEGEL schaltete das DLR das Nationale Cyber-Abwehrzentrum in Bonn ein, nachdem mehrere Computer von Forschern und Systemadministratoren mit Spionageprogrammen infiltriert worden waren.
Neu an der aktuellen Spionagewelle sind die offenbar langfristige Planung der Operation und die Perfektion der eingesetzten Trojaner. In einigen Rechnern entdeckten IT-Spezialisten in den Log-Einträgen nur noch ihre flüchtige Spur: Sie waren so programmiert, dass sie sich selbst zerstören, sobald sie entdeckt wurden. Zudem erfolgten die Angriffe koordiniert und systematisch.
Alle Betriebssysteme, die beim DLR im Einsatz sind, sind von den Attacken betroffen. Doch bisher ist unklar, wer das Raumfahrtzentrum ausspioniert. Die Ermittler haben bisher lediglich Indizien, die in Richtung China deuten. IT-Forensiker des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entdeckten im Code einiger Trojaner chinesische Schriftzeichen und wiederkehrende Tippfehler, die auf Angreifer aus Fernost hindeuten.
"Es könnte sich aber auch um eine simple Tarnung handeln", sagt ein Insider, der einen Angriff aus dem Westen, etwa durch den US-Geheimdienst NSA, nicht völlig ausschließen mag. Die Bundesregierung stuft den Fall als äußerst ernst ein, weil er unter anderem auf Rüstung und Raketentechnologien zielt.