Dokumentation Das Urteil gegen Microsoft
5.11.1999: "Finding of Facts"
Als Richter Thomas Penfield Jackson seine "Finding of Facts" abschloss und Microsoft bescheinigte, nicht nur über ein Monopol zu verfügen, sondern dieses auch missbraucht zu haben, waren die Karten im Microsoft-Prozess neu gemischt. Bis zu diesem Zeitpunkt war Microsoft-Chef Bill Gates davon ausgegangen, schadlos aus dem Kartellprozess heraus zu kommen. Für seine eigene Aussage bequemte er sich noch nicht einmal ins Gerichtsgebäude, ließ Penfield Jackson vielmehr einen Stapel Videobänder übermitteln. Etliche Male ermahnte Jackson Microsoft-Anwälte und Zeugen. Er zeigte sich zunehmend irritiert.
Am 5. November 1999 fasste er die Beweislage auf 207 Seiten zusammen. Ein Desaster für Microsoft, dass den Konzern endgültig in die Defensive drängte. Nach fünf Monaten fieberhafter Verhandlungen um eine außergerichtliche Einigung, nach der Ablösung von Bill Gates durch den neuen Microsoft-Chef Steven Ballmer steht Microsoft nun vor dem Scherbenhaufen seiner Verteidigungsstrategie. An der "Finding of Facts" war nicht zu rütteln.
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3.04.2000: Das Urteil
Am Samstag, dem 1. April 2000, scheiterten die Verhandlungen um eine außergerichtliche Einigung zwischen Microsoft und den Klägern. Dass wenig später ein Urteil gegen Microsoft erging, war nicht mehr wirklich überraschend - nur, wie schnell dies geschah. Richter Thomas Penfield Jackson hatte es nach monatelangen Verhandlungen und der von ihm in der Vorwoche gewährten Fristverlängerung offensichtlich eilig. Er wählte den frühestmöglichen Termin sein Urteil zu verkünden und wartete nur den Handelstag an der Börse ab - wohl erahnend, was dort geschehen würde.
Den Kollaps der Hightech-Werte konnte das nicht verhindern. Schon die Erwartung des Urteils ließ die Hightech-Werte des Nasdaq um über 7 Prozent fallen, kostete die Anleger 500 Milliarden Dollar. Jacksons Urteil wurde so indirekt zum teuersten Urteil der amerikanischen Justizgeschichte.
Jackson befand,
- dass Microsoft durch die Verbindung von Browser und Betriebssystem versucht habe, sein Monopol bei den Betriebssystemen nutzend die Konkurrenten aus dem Browser-Markt zu drängen und diesen Markt für sich zu monopolisieren;
- dass Microsoft sein Monopol genutzt habe, andere Unternehmen an einer Expansion zu hindern;
- dass Microsoft tatsächlich über ein Monopol auf dem Betriebssystem-Markt besitzt und dieses dazu genutzt habe, höhere Lizenzgebühren von anderen Softwareunternehmen einzufordern, als dies unter wettbewerblichen Umständen möglich gewesen wäre.
Frank Patalong