Domainnamen-Konkurrenz: Internet ohne .de und .com? - DER SPIEGEL
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Domainnamen-Konkurrenz Internet ohne .de und .com?

Ein Unternehmen aus den Niederlanden will ein Internet ohne Suffixe wie .de schaffen. In Konkurrenz zur Domainverwaltung Icann soll die weltweite Namensverteilung im Netz revolutioniert werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Schon am ersten Tag im Geschäft habe man "Tausende von Registrierungen" verzeichnen können, sagte Erik Seeboldt, der Geschäftsführer der Unternehmens UnifiedRoot nach der offiziellen Eröffnung. 100 Mitarbeiter und 12 Domain Name System (DNS) Root Server auf vier Kontinenten sollen das Quasi-Monopol der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann) brechen. Das "UnifiedRoot"-System soll es erlauben, Webadressen einzurichten, die aus einzelnen Wörtern bestehen - seien es Länder-, Firmen- oder Produktnamen.

Einer der ersten Kunden ist der Amsterdamer Flughafen Schiphol. Der Name kostet 1000 Dollar für die Registrierung und danach 240 Dollar im Jahr. Der Besitzer einer solchen Domain kann dann weitere Adressen wie departures.schiphol oder checkin.schiphol einrichten.

Das Problem, das Kritiker im Zusammenhang mit Alternativ-Namenssystemen wie dem von UnifiedRoot sehen, ist eine potentielle Sprachverwirrung. Denn bislang ist Icann die einzige Topinstanz des Internet. Die Organisation verwaltet die Root Server die den gesamten Netzverkehr leiten und legt auch die Toplevel-Domains fest, die von diesen Root Servern erkannt werden.

Icann wird vom US-Handelsministerium überwacht, was von vielen anderen Nationen kritisiert wird, die das Internet gerne unter internationaler Kontrolle sähen. In den vergangenen Jahren waren immer wieder Verfechter einer sogenannten Public Root aufgetreten, die ein Konkurrenzsystem zu dem von Icann installieren wollten. Kritiker hatten diesen Konkurrenzunternehmen allerdings immer wieder Scharlatanerie und betrügerische Absichten vorgeworfen.

Die Unzufriedenheit mit Icann will auch UnifiedRoot ausnutzen: Man will geographische Bezeichnungen kostenlos an Länder, Regionen oder Städte abgeben. "Die bisherige Domain-Struktur wird heftig kritisiert, und ein neues Adressierungssystem ist unumgänglich, wenn sich das Internet weiterentwickeln soll", sagte Seeboldt.

Damit die alternativen Namen funktionieren, muss allerdings eine kleine Weltrevolution stattfinden: Jeder Internetrechner müsste sich an den UnifiedRoot-Servern orientieren, nicht mehr an denen von Icann. Die Server des Unternehmens enthalten eine Kopie der Icann-Rechner und zusätzlich die eigenen Toplevel-Domains. Bereits existierende Icann-Domains sollen nicht erneut vergeben werden.

Um Erfolg zu haben, müsste UnifiedRoot mit möglichst vielen Internetprovidern ins Geschäft kommen, die dann für all ihre Nutzer die entsprechenden Einstellungen ändern könnten. In der Türkei ist das Unternehmen damit angeblich schon sehr weit. Der Internetanbieter Tiscali hat sich auch bereits auf UnifiedRoot eingestellt.