Netzwelt-Ticker Kim Dotcom, Porno-Abmahner, Apple-Boykott
Kim Dotcom (Anfang 2012 vor Gericht in Auckland): Der Autoliebhaber beklagt Geldmangel
Foto: POOL/ AFPNeue Volte des Megaupload-Chef: Kim Dotcom hat sich bislang mit allen juristischen Mitteln gegen eine drohende Auslieferung von seinem derzeitigen Aufenthaltsort in Neuseeland in die USA gewehrt.
Nun erklärt Dotcom, er sei bereit, sich in den USA einem Verfahren zu stellen. Via Twitter verkündete er : "Hey, Justizministerium, wir werden in die Vereinigten Staaten gehen. Keine Auslieferung nötig. Wir wollen Kaution, Freigabe der eingefrorenen Gelder für Anwälte und Lebenshaltungskosten". Vor einem halben Jahr wurde in den USA Anklage gegen Dotcom erhoben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und seinen Mitarbeitern vor, dass sie sich im Klaren darüber waren, dass die überwiegende Mehrheit der Nutzer auf die Angebote zurückgreife und für Premiumdienste zahle, um Zugriff auf Raubkopien von Kinofilmen, Fernsehserien, Musikalben und aktueller Software zu erlangen. Dotcom bestreitet diese Vorwürfe.
Gegenüber dem "New Zealand Herald" beklagte der 38-Jährige, inzwischen seien unbezahlte Anwaltskosten in "Millionenhöhe" aufgelaufen . Schmitz: "Sie sitzen auf all meinem Geld. Ich habe nichts, um meine Anwälte zu bezahlen. Sie wollen mich austrocknen und abwarten."
Im Zuge der Megaupload-Schließung war auch das Vermögen des Unternehmers eingefroren worden, nach seiner Verhaftung war er bald gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden.
Noch am gestrigen Dienstag hatte alles nach einer weiteren Vertagung des langwierigen Verfahrens ausgesehen. Die ursprünglich für August angesetzte Anhörung zu seiner Auslieferung wurde vom zuständigen Gericht auf März 2013 verschoben.
Allerdings glaubt Schmitz selbst nicht an einen Erfolg seiner Offerte. Mit Blick auf die US-Justiz erklärte er: "Sie werden dem niemals zustimmen, weil sie diesen Fall nicht gewinnen können, und sie wissen das."
Sammelklage gegen Porno-Abmahner
Eine Frau wehrt sich vor einem kalifornischen Gericht gegen Abmahnungen von Pornofirmen. Sie sollte Abmahngebühren wegen des angeblicher Downloads diverser Schmuddelfilmchen zahlen. Sie strengte eine Entschädigungsklage gegen das aus ihrer Sicht rechtlich zweifelhafte Vorgehen der Beklagten an: "Die Pornografie-Lieferanten ... wissen, dass Personen wie die Klägerin sich genieren, ihre Namen mit Pornografie in Verbindung gebracht zu sehen und daher anfällig sind, ausgenommen zu werden." Vertreter vorgeblicher Rechteinhaber am erotischen Material hatten die Frau mehrfach angerufen. Entweder sie zahle die geforderten Gebühren, oder sie werde öffentlich als Konsumentin von pornografischem Material identifiziert, so habe die Drohung seinerzeit gelautet.
Von den beklagten Schmuddelproduzenten war auf Anfrage von "Wired" niemand zu einer Stellungnahme bereit.
Handy-Verbot beim Yoga - Trainerin fliegt bei Facebook raus
Dass Handysucht den Arbeitsplatz kosten kann, ist ungewöhnlich, zumal dann, wenn es gar nicht die eigene Abhängigkeit ist. Doch genauso hat es sich laut "San Francisco Chronicle" zugetragen . Die 35-jährige Alice van Ness arbeitete beim Social-Network-Primus als Yoga-Lehrerin, um den Angestellten zu ein wenig Entspannung verhelfen. Wie schon an anderen Arbeitsstellen begann sie ihre Übungen auch bei den Facebook-Mitarbeitern mit einer simplen Bitte, nämlich die Handys auszuschalten. Einem renitenten Teilnehmer, der trotzdem weiter fleißig auf seinem Smartphone tippte, brachte sie erst mit einem missbilligenden Blick zur Räson.
Kurz darauf wurde sie entlassen. Begründung: Als Angestellter bei einem Dienstleister für Facebook verwende man niemals das Wort "nein". Im Entlassungsschreiben soll es angeblich heißen: "Solange uns ein Kunde nicht explizit auffordert, zu etwas 'nein' zu sagen, bevorzugen wir 'ja, wenn möglich' zu sagen."
Die Gefeuerte begreift die Wichtigkeit der Handynutzung nicht. "Hallo, das ist nur Facebook", so van Ness. "Wir sind hier nicht bei der US-Regierung. Und Russland ist auch nicht dabei, uns mit Bomben anzugreifen. Wir reden von Facebook. Da kann man nicht eine halbe Stunde warten?"
Facebook habe auf Anfrage jeden Kommentar verweigert, berichtet der "San Francisco Chronicle".
Auch das noch:
- San Francisco kauft keine Apple-Computer mehr . Design geht vor Umwelt, hat Apple entschieden. Und weil sich die Computer mit dem Apfellogo nur schlecht recyceln lassen, haben die Verantwortlichen ihr Unternehmen von der Liste umweltfreundlicher Elektronik genommen. Die Konsequenz folgt auf dem Fuß, die Stadtväter von San Francisco haben angekündigt, keine Apple-Produkte mehr für den kommunalen Bedarf zu kaufen . Apple hatte eben erst verkündet sich künftig nicht mehr um eine US-Umweltplakette bewerben zu wollen.
- "Wünsch dir was" bei Valves Steam . Ein neues System "Valve Greenlight" lässt Spieler, aber auch Entwickler darüber abstimmen, welche Titel künftig entwickelt und angeboten werden sollen. Die Macher wollen so Flops vermeiden, Entwickler sollen den Vorteil bekommen, schon möglichst früh mit Gamern in Kontakt zu treten.
- Erste Bilder vom iPhone- und Mini-iPad-Prototypen aufgetaucht: Neues aus der Apple-Gerüchteküche. Angeblich ist die Webseite Gotta Be Mobile auf chinesische Aufnahmen von Prototypen für das kommende iPhone sowie das iPad Mini gestoßen. Die Fotos sollten mit aller Vorsicht genossen werden, ihre Authentizität ist genauso unklar wie ihre Herkunft.
- Debatte 1 : Kann Crowdfunding klassische Werbeeinnahmen ersetzen? Zwar steigen bei Zeitungen Online-Werbeeinnahmen, aber noch ersetzen sie nicht die Ausfälle im Print. "GigaOm" erwägt, ob ein Funktionsprinzip wie bei Kickstarter spendablen Lesern einen einfachen und damit praktikablen Weg des Micropayments ermöglicht.
- Debatte 2 : Wie Facebook in drei Jahren zum Herrscher des Internets wird. Ganz einfach, indem es sich unentbehrlich macht. Ein Facebook-Phone, werbefinanziert und für Nutzer kostenlos, wäre der erste Schritt.