DVD-Beipacker Ausgewogene Mischung als Wahlkampf-Alternative
freundin
"Glauben ist alles"
, USA 2000. Regie: Edward Norton. Darsteller: Ben Stiller, Edward Norton, Jenna Elfman. FSK: 6 Jahre. Preis: 3,90 Euro.
Eine exklusiv besetzte, handwerklich einwandfreie Romantik-Komödie, allerdings mit Längen und ein paar bemüht wirkenden Lebensweisheiten. Offensichtlich haben die Macher sich nicht entscheiden können, in welche Richtung man das Thema "Rabbi und Priester sind beste Freunde und verlieben sich beide in die gleiche Frau" denn nun treiben sollte. Einige Szenen wurden deshalb wohl auch geschnitten: Sie könnten ja für den Publikums-Geschmack zu heikel oder zu albern erschienen - dafür liegen sie jetzt der DVD bei. Empfehlenswert ist auch die englische Fassung, weil Jenna Elfmann mit ihrer eigenen Stimme nicht mädchenhaft, sondern ihrer Rolle entsprechend gurrend bis grollend rüber kommt. Insgesamt bleibt ein harmloser, netter Film fürs Hemden-Bügeln übrig, der niemandem auf die Füße treten will, aber an den entscheidenden Stellen immer so eben die Kurve kriegt, bevor er ins total Oberflächliche abgleitet.
Hinweis: Diese Ausgabe der "Freundin" ist nicht mehr am Kiosk erhältlich
Homevision
und
PC Magazin
"Der Unhold", D/F/GB 1996. Regie: Volker Schlöndorff. Darsteller: John Malkovich, Gottfried John, Marianne Sägebrecht. FSK: 12 Jahre. Preis: 4,90 (Homevision), 6,99 Euro (PC Magazin).
Als Solo für zwei mit deutscher Tonspur, aber immerhin durchgehend vom Regisseur kommentiert, legen die beiden Verlagspartner diesmal die gleiche DVD bei.
In seiner Verfilmung des Romans "Der Erlkönig" von Michel Tournier entwirft Schlöndorff eine Art französischen Forrest Gump, der mit seinen Erlebnissen als Kriegsgefangener im Jagdschloss Hermann Görings und einer benachbarten deutschen Eliteschule einen tiefen Blick in den nationalsozialistischen Größenwahn gewährt. Der von Malkovich wie gewohnt sicher gespielte, etwas weltfremde Abel Tiffauges entwickelt sich dabei vom missverstandenen Kinderfreund zum Rattenfänger für die Rassenlehrer der SS-Schule, bis er schließlich im Kugelhagel russischer Panzer seinen falschen Weg begreift. Eindrückliches, manchmal etwas überhöhtes Autorenkino, das man sich nicht entgehen lassen sollte.
PC Go
"Helden aus der zweiten Reihe", USA 2000. Regie: Howard Deutsch. Darsteller: Keanu Reeves, Gene Hackman, Brooke Langton. FSK: 12 Jahre.
und
"Kinder des Zorns 2" (DivX), USA 1993, Regie: David Price. Darsteller: Terence Knox, Paul Scherrer, Rayn Bollman. FSK: 16 Jahre. Preis: 6,99 Euro.
Solch eine harmlose Komödie erwartet man eigentlich kaum mit der Besetzung des Action-Helden Keanu Reeves, der hier eher an seine frühen Rollen aus den Achtzigern anknüpft. Auch Jene Hackman hat man öfter als härteren Zeitgenossen gesehen - und so scheinen sich beide Stars hier wohl einen Ausflug zur Aufbesserung ihres Images erlaubt zu haben. Die Geschichte selbst ist schnell erzählt: ein Haufen zweitklassiger Footballspieler ersetzten kurzfristig die wegen des schnöden Mammons streikende Erstligamannschaft und spielt sich nicht nur in die Herzen der Zuschauer, sondern auch auf die notwendigen Liga-Ränge. Eine heitere, menschelnde Geschichte, die natürlich nicht das Format eines Football-Epos wie "Any given Sunday" hat - aber das erwartet hier auch keiner: locker-flockig, für die Märchenliebhaber unter uns.
"Kinder des Zorns 2" als zweiter Film auf der DVD kommt überraschend im DivX-Format und kann nicht auf allen DVD-Playern abgespielt werden, sondern benötigt dann noch einen PC. Die notwendige Player-Software dafür wird aber mitgeliefert. Bereits im Mai besprachen wir hier den ersten Teil der Steven-King-Verfilmung als DVD-Beipacker der "PC Go", der zweite Teil kommt nun in der stark gekürzten deutschen Version mit FSK 16 und bietet eigentlich nichts Neues: Er führt die Geschichte in gewohnt blutrünstiger Manier weiter, wobei jedoch die echten Splatter-Einlagen in der vorliegenden Version zum größten Teil fehlen. Dementsprechend ist das Ganze eher als Appetithäppchen für den werdenden King-Fan zu sehen.
TV Movie
"Johnny Handsome", USA 1989. Regie: Walter Hill. Darsteller: Mickey Rourke, Ellen Barkin, Morgan Freeman. FSK: 16 Jahre. Preis 3,30 Euro.
Kaum ist der alte Haudegen Mickey Rourke mit "Sin City" wieder auf der Leinwand erschienen, kramt man die alten Schinken aus den achtziger Jahren wieder heraus. Das muss aber nicht schlecht sein, wie der teils knallharte, aber auch nachdenkliche Streifen um die Rache eines Kleinkriminellen zeigt. Rourke spielt eine im wahrsten Sinne "vielgesichtige" Rolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert scheint: als stiller Außenseiter, der im Ernstfall jedoch gnadenlos agiert und der genau weiß, was er will. Auch in den Nebenrollen glänzen Altbekannte, so der "Ghost Dog"-Samurai Forest Whitaker oder der ehrwürdige Morgan Freeman. Mit oft wechselnden Perspektiven und gelungener Musik (Ry Cooder) ein nicht so leicht konsumierbarer Streifen, für den man sich Zeit nehmen sollte, der aber auf jeden Fall sehenswert ist.
Widescreen
"Basic - Hinter jeder Lüge eine Wahrheit" USA 2003. Regie: John McTiernan. Darsteller: John Travolta, Connie Nielsen, Samuel L. Jackson. FSK: 16 Jahre. Preis: 4,99 Euro.
Wer den verregneten Sommer satt hat, lässt besser die Finger vom Military-Krimi "Basic": Hier regnet es von der ersten bis zur letzten Minute ununterbrochen, und auch sonst scheint kein Lichtstrahl das Durcheinander um kolumbianische Drogenkartelle, verschwundene Army-Ranger und zwielichtige Offiziere zu erhellen: "Sie müssen die Story nur richtig erzählen." - ein Satz, der bis zur überraschenden Auflösung ständiger Begleiter des eifrig mitratenden Zuschauers bleibt. Wieder einmal sieht man den mittlerweile arg in die Breite gewachsenen John Travolta als feixenden, aber doch untergründig gefährlichen Helden durch einen patriotisch daherkommenden Werbefilm für die US-Army schlendern. Dabei macht er seine Sache gar nicht schlecht und schafft es, zusammen mit seiner Filmpartnerin die Zeit wie im Fluge vergehen zu lassen. Spannendes Unterhaltungskino, das aber an Vorbilder wie "Die üblichen Verdächtigen" nicht herankommt.
Düstere Science Fiction, pfeilschnelle Action, tolle Raumschiffe: Was die Zeitschriften in diesem Monat noch bieten. Weiter...
Noch im Handel erhältlich:
AudioVideoFoto Bild
"Strange Days", USA 1995. Regie: Kathryn Bigelow. Darsteller: Ralph Fiennes, Angela Basset, Juliette Lewis. FSK: 16 Jahre. Preis: 3,30 Euro.
Furioser Zukunftskrimi um einen abgehalfterten Ex-Cop und Dealer verbotener Cyber-Filmchen, von dem seine Umwelt nicht mehr viel erwartet. Kurz bevor die große Millenniumsparty in L.A. startet, fällt ihm eine brisante Diskette in die Hände, und seine ehemalige Freundin wird von einem Serienmörder bedroht. Sowohl die Party als auch die Ereignisse rasen unaufhaltsam ihrem grandiosen Höhepunkt entgegen. Intelligente, vielschichtige Story mit glänzender Besetzung und einem coolen Soundtrack: absolut sehenswert.
Computer Bild
"Rumble in the Bronx", Hongkong, USA 1995. Regie: Stanley Tong. Darsteller: Jackie Chan, Anita Mui, Bill Tong. FSK: 16 Jahre. Preis: 3,30 Euro.
Wie in den meisten Filmen mit Jackie Chan steht auch hier die Welt der Dinge und ihre atemberaubende Begegnung mit dem Helden im Vordergrund der Handlung. Diesmal beschützt Chan dabei die junge Erbin eines kleinen Supermarktes vor bösen Erpresserbanden, die zum guten Schluss natürlich alle ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Pfeilschnelles Actionkino mit einem guten Schuss Humor und ohne belastende Botschaft.
Digital World
"187", USA 1997. Regie: Kevin Reynolds. Darsteller: Samuel L. Jackson, John Heard, Kelly Rowan. FSK: 16 Jahre. Preis: 4,90 Euro.
Samuel L. Jackson in der Rolle des innerlich längst kaputten Lehrers landet - ein Jahr, nachdem Schüler versuchten, ihn umzubringen - einmal mehr an einer echten Ghetto-Schule. Er interessiert, engagiert sich augenscheinlich, und ist doch im Grunde mittlerweile genauso unberechenbar wie seine Schüler. Die Krise, auf die dieses Sozialdrama unweigerlich zusteuert, beschreibt das allgemeine Versagen in einer durch und durch kaputten Welt. Sehenswert.
Film Dienst
"Elefantenherz", Deutschland 2002. Regie: Züli Aladag. Darsteller: Daniel Brühl, Manfred Zapatka, Jochen Nickel, Angelika Bartsch. FSK: 12 Jahre. Preis: Nur im Abo, 97,50 Euro für 26 Ausgaben/Jahr.
Raue Boxer-Milieu-Studie, angesiedelt in einer Finsterecke des Ruhrgebiets. Deutschlands Publikumsliebling Daniel Brühl vor der Frage, wie weit man im halbseidenen Box-Geschäft gehen kann, und wie weit man gehen soll, wenn die Alternative aus einem hoffnungslosen Vegetieren in kaputten Verhältnissen in einer heruntergekommenen Trabantenstadt besteht. Anspruchsvolle Charakterstudie.
sat & tv
"Ein ganz gewöhnlicher Dieb", Irland, Deutschland 2000. Regie: Thaddeus O'Sullivan. Darsteller: Kevin Spacey, Linda Fiorentino, David Hayman. FSK: 16 Jahre. Ton: Deutsch. Preis: 4,99 Euro.
Kevin Spacey ist, ohne Frage, ein Klasse-Schauspieler. Wer den besseren Film über das Leben des Dubliner Schwerkriminellen Martin Cahill, John Boormans "The General", nicht gesehen hat, könnte an dieser Krimi-Komödie seinen Spaß haben. Jedenfalls gelang es der internationalen Koproduktion bei ihrem Erscheinen durchaus, einige gute Kritiken einzuheimsen. Wenn auch nicht all zu viele. "Eigentlich", befand die "FAZ", sei der Film "ein Fall für Europol", weil zusammengeklaut. Nomen ist eben Omen.
SFT
"Femme Fatale", USA 2002. Regie: Brian De Palma. Darsteller: Rebecca Romijn-Stamos, Antonio Banderas, Peter Coyote. FSK: 16 Jahre.
und
"Lost in Space", USA 1998. Regie: Stephen Hopkins. Darsteller: Gery Oldman, William Hurt, Mimi Rogers. FSK: 12 Jahre. Preis 2,99 Euro.
Zwei Filme in der wie üblich um alle nicht-deutschen Tonspuren abgespeckten, aber ansonsten technisch einwandfreien Version werden hier zusammengeworfen, die in den letzten Wochen auch schon als Beipacker der "Widescreen" zu sehen waren: Der bereits mehrfach vorgestellte Hochglanzkrimi "Femme fatale" und die mit zahlreichen Effekten aufgepeppte Kinoverfilmung der gleichnamigen TV-Serie "Lost in Space". Tolle Raumschiffe, fiese kleine Aliens und pfiffige Astronautenanzüge trösten unterhaltsam über die leicht moralisierende Handlung hinweg.
Johannes Sträter