DVD-Beipacker Futter für die Mattscheibe
"Ein einfacher Plan"
, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, USA 1998. Regie: Sam Raimi. Darsteller: Bill Paxton, Billy Bob Thornton, Bridget Fonda. FSK: 16 Jahre. Preis: 3,30 Euro.
Regisseur Sam Raimi ("Tanz der Teufel", "Armee der Finsternis") ist seinen Fans als wenig sensible Seele bekannt. Gern geht er seiner Kundschaft mit oft brachialen Methoden ans Nervengerüst. "Ein einfacher Plan" ist im Vergleich zu seinem sonstigen Werk da schon fast kunstvoll zu nennen: Der eiskalte Thriller beschreibt den schleichenden Sieg des Misstrauens und der Gewalt über das Vertrauen. Den Freunden Hank, Jacob und Lou fallen unversehens vier Millionen Dollar vor die Füße. Schmutziges Geld, das erst einmal ruhen soll, bevor man es ausgeben kann. Dass da bald nicht nur das Geld ruht, kann man sich denken. Was hingegen nicht ruht, ist das wachsende Misstrauen, was Raimi nutzt, seinen Lieblingsstar aufs Parkett zu bringen: jede Menge Blut.
"187", USA 1997. Regie: Kevin Reynolds. Darsteller: Samuel L. Jackson, John Heard, Kelly Rowan. FSK: 16 Jahre. Preis: 4,90 Euro.
Die "Digital World" setzt nach "Fargo" (letzte Ausgabe) einmal mehr auf einen harten, aber intelligenten Film. Samuel L. Jackson glänzt eh in so gut wie jeder Rolle, hier darf er einige Register ziehen: Als innerlich längst kaputter Lehrer landet er - ein Jahr, nachdem Schüler versuchten, ihn umzubringen - einmal mehr an einer echten Ghetto-Schule. Er interessiert, engagiert sich augenscheinlich, doch innerlich ist er nicht mehr "Methodensicher": Der Lehrer selbst ist nicht berechenbarer als seine Schüler. Die Krise, auf die dieses Sozialdrama unweigerlich zusteuert, beschreibt das allgemeine Versagen in einer durch und durch kaputten Welt. Lief einige Male im Free-TV, ist die Ausgabe aber Wert, weil durchaus sehenswert - zumal man ja auch ein Magazin dazu bekommt.
"French Kiss", GB/USA 1995. Regie: Lawrence Kasdan. Darsteller: Meg Ryan, Kevin Kline, Timothy Hutton, Jean Reno. Preis: 3,90 Euro.
Inhalt: siehe Darstellerliste. Was wäre von einem Film mit Meg Ryan und Kevin Kline, der Mitte der Neunziger gedreht wurde, anderes zu erwarten als eine romantische Komödie? Die bekommt man, und dank netter Szenerie und lebhaftem Drehbuch, guter Besetzung und Regie ist die noch nicht einmal schlecht. Die völlig harmlos plätschernde Komödie erreicht so niemals den Peinlichkeitsfaktor einer deutschen "Funny"-Produktion. Kann man sich ansehen (muss man aber nicht).
Homevision
und
PC Magazin
"Knocked Out", USA 1999. Regie: Ron Shelton. Darsteller: Woody Harrelson, Antonio Banderas. FSK: 16 Jahre. Preis: 4,90 (Homevion), 6,99 Euro (PC Magazin).
Ups, den gibt's gleich zweimal: Kurz bevor das "PC Magazin" mit einer neuen Ausgabe samt neuem Beipacker kommt, erscheint letzterer bei "Homevision" noch einmal.
Eigentlich sind die beiden leicht abgehalfterten Boxer Caesar und Vince beste Kumpel. Da trifft es sich gut, dass sie sich justamente, als sie in einem letzten Profikampf gewinnträchtig aufeinander treffen sollen, in die gleiche Frau verschießen: Testosteron sei Dank sind die beiden bis zum Kampf vor Wut und Eifersucht hinreichend enthirnt, um sich mit Begeisterung auf die Glocke zu hauen.
Wer denkt sich sowas aus? Trotz guter Besetzung allenfalls Mittelmaß.
"The Mighty" USA 1998. Regie: Peter Chelsom. Darsteller: Sharon Stone, Harry Dean Stanton, Gena Rowlands, Gillian Anderson, James Gandolfini, Kieran Culkin, Meat Loaf. FSK: 6 Jahre.
und
"Femme Fatale", USA 2002. Regie: Brian De Palma. Darsteller: Rebecca Romijn-Stamos, Antonio Banderas, Peter Coyote. FSK: 16 Jahre. Preis: 4,99 Euro.
Auch die "Widescreen" versucht nun, den Wert ihrer Beipacker durch doppelte "Ladung" zu erhöhen. Die Bildqualität solcher DVDs ist akzeptabel, auf der Strecke bleibt der Sound: Der ist - wie fast immer bei Film-Beipackern - auch hier nicht nur monolingual, sondern auch monoton. Dafür können sich zumindest einer der Filme sehen lassen.
"The Mighty" ist eine so witzige wie rührende Geschichte um die Freundschaft zwischen zwei extrem unterschiedlichen Jungen, die beide auf ihre Weise Außenseiter sind. Natürlich entdecken sie, dass Gemeinsamkeit stark macht und jeder seinen Wert besitzt - aber das ist ja "nur" Handlung. Darüber hinaus ist "The Mighty" ein dicht und intensiv erzählter Film, der neben der "Action" auch den Blick in die Seelen seiner Figuren bietet. Schönes Familienkino.
"Femme Fatale" gehört nicht unbedingt zu den Glanzlichtern in der Karriere von Regisseur Brian De Palma. Das an-erotisierte Krimi-Stückchen setzt auf eine allenfalls knietiefsinnige Pointe, kommt schick und hochglänzend daher, vermag nach 22 Uhr aber auch niemanden mehr wach zu halten. Die anfänglich aufgebaute Spannung verplätschert schnell: Ein Filmchen "für nebenbei".
"Schiffsmeldungen", USA, 2001. Regie: Lasse Hallström. Darsteller: Kevin Spacey, Julianne Moore, Judi Dench, Cate Blanchett. FSK: 12 Jahre. Preis: 3,30 Euro.
"The Shipping News" ist nach wie vor das lesenswerteste Buch von E. Annie Proulx, und genau das sollte man tun, bevor man den Film sieht: Der hält sich nämlich recht eng an die literarische Vorlage. Den Film verdirbt man sich auch dann nicht, denn der ist gut genug, für sich zu stehen. Zwar hat Kevin Spacey schon schlechtere Rollen besser gespielt, doch alles in allem kommt die immer leicht düster zwischen Melancholie, Tragödie und Heiterkeit schwingende Selbstfindungsgeschichte von Quoyle, dem Verlierer, der seine Vergangenheit und Zukunft gewinnt, anrührend genug herüber. Die Atmosphäre des Films will so gar nicht zur Jahreszeit passen: Das ist, als lese man den Schimmelreiter am Strand von Mallorca. Wer die Hitze nicht mag, sich aber gern das Herz an der Geschichte von Menschen in eisigen Zeiten wärmt, ist hier bestens bedient.
Das DVD-Highlight des Monats unter den aktuellen Beipackern.
Frank Patalong
Drama, Komödie, Kriegsfilm und Milieustudie: Was die Zeitschriften in diesem Monat noch bieten. Weiter...
"K-19: Showdown in der Tiefe", USA/GB 2002. Regie: Kathryn Bigelow. Darsteller: Harrison Ford, Liam Neeson. FSK: 12 Jahre. Preis: 3,30 Euro.
Die Geschichte von "K-19" hat historische Vorbilder im Kalten Krieg. Es geht um Männer unter Wasser, und wie im U-Boot-Film üblich geht es klaustrophobisch zu, stets nah an der Katastrophe. Ungewöhnlich ist jedoch, dass hier ein westlicher Film den Wahnsinn des Kalten Krieges erstmals aus russischer Perspektive aufrollt. Spannendes Popcorn-Kino.
"Elefantenherz", Deutschland 2002. Regie: Züli Aladag. Darsteller: Daniel Brühl, Manfred Zapatka, Jochen Nickel, Angelika Bartsch. FSK: 12 Jahre. Preis: Nur im Abo, 97,50 Euro für 26 Ausgaben/Jahr.
Raue Boxer-Milieu-Studie, angesiedelt in einer Finsterecke des Ruhrgebiets. Deutschlands Publikumsliebling Daniel Brühl vor der Frage, wie weit man im halbseidenen Box-Geschäft gehen kann, und wie weit man gehen soll, wenn die Alternative aus einem hoffnungslosen Vegetieren in kaputten Verhältnissen in einer runtergekommenen Trabantenstadt besteht. Anspruchsvolle Charakterstudie.
"Crocodile Dundee in Los Angeles", Australien 2000. Regie: Simon Wincer. Darsteller: Paul Hogan, Linda Kozlowski. FSK: 6 Jahre. Preis: 6,99 Euro.
Ein wenig Action, coole Sprüche, was zu lachen, wenig, über das man sich den Kopf zerbrechen müsste - den Fans gefällt der Streifen bis heute gut genug, um dafür regulär 15 Euro zu bezahlen. Als Beipack geht's billiger, allerdings wie immer ohne originale Tonspur und Extras.
"The Mighty" USA 1998. Regie: Peter Chelsom. Darsteller: Sharon Stone, Harry Dean Stanton, Gena Rowlands, Gillian Anderson, James Gandolfini, Kieran Culkin, Meat Loaf. FSK: 6 Jahre.
und
"Avenging Angelo",USA 2002. Regie: Martyn Burke. Darsteller: Sylvester Stallone, Madeleine Stowe, Anthony Quinn. FSK: 12 Jahre.
Preis: 2,99 Euro.
"The Mighty": siehe "Widescreen"
"Avenging Angelo" wirbt mit dem Klotzgesicht Sylvester Stallones in einer seiner Standard-Posen: Der Gute zielt mit einer dicken, bösen "Wumme", während er die Frau (Madeleine Stowe) beschützt. Vordergründig war es das: Natürlich geht es hier um eine Mafia-Geschichte - auch, wenn die mehr mit den Sopranos gemein hat als mit dem Paten. "Avenging Angelo" ist eine etwas ruppige Komödie, keine bloße Baller-Orgie. Sie kann mit einer guten Besetzung aufwarten, nicht jedoch mit einer Story, die ihnen wirklich etwas abverlangte. Unter dem Strich immerhin ein netter Film, wenn auch nicht mehr.
"Ein ganz gewöhnlicher Dieb", Irland, Deutschland 2000. Regie: Thaddeus O'Sullivan. Darsteller: Kevin Spacey, Linda Fiorentino, David Hayman. FSK: 16 Jahre. Ton: Deutsch. Preis: 4,99 Euro.
Kevin Spacey ist, ohne Frage, ein Klasse-Schauspieler. Wer den besseren Film über das Leben des Dubliner Schwerkriminellen Martin Cahill, John Boormans "The General", nicht gesehen hat, könnte an dieser Krimi-Komödie seinen Spaß haben. Jedenfalls gelang es der internationalen Koproduktion bei ihrem Erscheinen durchaus, einige gute Kritiken einzuheimsen. Wenn auch nicht all zu viele. "Eigentlich", befand die "FAZ", sei der Film "ein Fall für Europol", weil zusammengeklaut. Nomen ist eben Omen.
Noch im Handel.