DVD-Filmbeileger: Blaue Bohnen im Schokoladenbrunnen - DER SPIEGEL
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DVD-Filmbeileger Blaue Bohnen im Schokoladenbrunnen

Wer sich ärgert, dass das ZDF Top-Filme erst nachts zeigt, weil ja vorher das Traumschiff schippern muss, sollte sich sein Programm selbst machen. Rechtzeitig zum Fest bieten die DVD-Beileger der Magazine eine feine Auswahl großer Filme, die man allesamt ohne böse Nebenwirkungen genießen darf.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

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"JFK – Tatort Dallas", USA 1991. Regie: Oliver Stone. Darsteller: Kevin Costner, Tommy Lee Jones. FSK: 12 Jahre. Format: 2,35:1 (16:9). Preis: 3,30 Euro

Oliver Stone war 1991 bereits unbestritten der umstrittenste Chronist mythenumrankter Ereignisse aus der neueren US-Geschichte – da reizte ihn der Königsmord an Präsident Kennedy natürlich ganz besonders.

Und so präsentiert er uns in dem packenden Polit-Thriller drei Stunden lang seine Verschwörungs-Version, unterfüttert durch die Recherchen des Anwaltes Jim Garrison, der im Film von Kevin Costner verkörpert wird. Begleitet wird er von einer illustren Schar weiterer Hollywoodstars, die angeblich richtig was riskierten, da Stone mit seinem Film alte Wunden aufriss und neben klingelnden Kassen auch mächtig politische Kritik kassierte. Ein perfektes Kino-Highlight, mit dem man nichts falsch macht.

Seit dem 06.12. im Handel, nächste Ausgabe am 03.01.

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"Cotton Club", USA 1984. Regie: Francis Ford Coppola. Darsteller: Richard Gere, Diane Hines. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,30 Euro

Auf ebenso hohem Niveau unterwegs ist das Epos von Altmeister Coppola, auch dem jüngeren Teil unserer Leserschaft vielleicht noch als Vater von Sofia "Lost in Translation" Coppola bekannt. Immerhin 124 Minuten lang tauchen wir mit ihm in die skurrile Zeit der Prohibition im Harlem der dreißiger Jahre ein, die neben all den Gangstern und dem verbotenen Suff auch den Jazz und den Blues hervorbrachte.

Doch den Besuchern des "Cotton Club" fliegen nicht nur coole Sounds, sondern auch mal blaue Bohnen um die Ohren, während das Geld aus dem illegalen Alkoholhandel von den Mafiabonzen in rauschende Partys investiert wird: ein Leben auf schmalem Grat, das immer absurder wird, und nicht nur unseren kleinen Trompeter Dixie Dwyer (Richard Gere) deshalb umso mehr fasziniert.

"Cotton Club" war an der Kinokasse kein Hit, was über die Qualität des Films allerdings nichts aussagt: Francis Ford Coppola ist bis heute berühmt-berüchtigt dafür, nicht nur genialische Arbeiten abzuliefern ("Der Pate", "Apocalypse Now"), sondern auch immer wieder einmal wahres Kassengift. So sind mit dem Namen des fünffachen Oscar-Gewinners nicht nur anspruchsvolle Werke verbunden, sondern auch einige triviale, aber gewinnbringende Produktionen ("Peggy Sue hat geheiratet"), die halfen, das Konto des auch als Film- und TV-Produzenten tätigen Coppola nach Flops wieder auszugleichen.

Anhaltenden finanziellen Erfolg verbucht Coppola dagegen als Weinbauer. Bereits 1979 hatte er Teile des renommierten Inglenook Estate aufgekauft und 1995 das gesamte Traditionsweingut im Napa Valley. Seitdem punktet er mit weißen wie roten "Niebaum-Coppola"-Weinen, für die man mitunter auch schon mal etwas tiefer in die Tasche greifen darf. Sein 2001'er Rubicon wird zurzeit mit rund 160 Euro/Liter gehandelt.

Der Film ist dem 11.12. im Handel, nächste Ausgabe am 25.12.

Homevision 

"The Australian Job", AUS 2002. Regie: Scott Roberts. Darsteller: Guy Pearce, Rachel Griffiths. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 4,90 Euro

Etwas abseits vom Reigen der epischen oder märchenhaften Weihnachtsfilme hinterlässt die australische Krimikomödie eine recht blutige Spur, die man so gar nicht erwartet hätte. Denn die drei schrägen Twentyman-Brüder sind eigentlich nur brave Bankräuber, die mit Hilfe korrupter Wärter und eines geldgierigen Anwalts aus dem Gefängnis heraus ihrer gewohnten Arbeit nachgehen und dabei ein kleines Vermögen ranschaffen. Doch eines Tages werden sie gehörig reingelegt und nehmen fortan ihr Schicksal selbst in die Hand, was für ihr Umfeld nicht immer glimpflich ausgeht, aber immerhin mit Witz und Verve vonstatten geht. Die zuweilen ganz und gar nicht festmahlkompatible Gangsterkomödie ist perfekt für die Nachweihnachtszeit, um sich von vielleicht allzu beschaulichen Stunden stilgerecht zu erholen.

Seit dem 08.12. im Handel, nächste Ausgabe am 12.01.

TV Movie 

"Chocolat", GB/USA 2000. Regie: Lasse Hallström. Darsteller: Juliette Binoche, Johnny Depp. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 6 Jahre. Preis: 3,30 Euro

Süß wie ihr Schokoladenbrunnen verführt die exzentrische Confiseurin Vianne (Juliette Binoche) ein verschlafenes französisches Dorf mit ihren Spezialrezepten. Für manche ist das zu süß, denn der Bürgermeister (Alfred Molina) sieht den Frieden seiner prüden Gemeinde bedroht. Als auch noch die lebenslustigen Flussnomaden auftauchen und Vianne in deren schönem Anführer Roux (Johnny Depp) einen Seelenverwandten findet, spitzt sich die Lage bedrohlich zu – doch keine Angst, Schokolade macht ja schließlich glücklich. Zu hoffen bleibt nur, dass zu Weihnachtszeiten hier keine Schokoladenallergie entsteht, denn natürlich bemühen sich auch die Sender um allerlei Zuckersüßes.

Für alle, denen die TV-Kost zu klebrig aufstößt, ist die charmante Schokoladengeschichte aber ein echter Tipp: Die Geschichte und ihre Bilder sind saisongerecht märchenhaft, aber geschmackvoll bis würzig. Außerdem lässt sich so die Wartezeit zu den Filmhighlights im Fernsehen überbrücken. "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" mit Colin Firth und Scarlett Johansson zeigen die Programmplaner (?!?) vom ZDF beispielsweise am 26. Dezember ab 23.30 Uhr, also unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit. Vorher kommt der Sender seinem Grundversorgungsauftrag zur Bespaßung geriatrischer Zielgruppen nach und beschwabbelt uns mit bewährter Traumschiff-Grütze: Gott sei Dank, dass die DVD erfunden wurde.

Seit dem 15.12. im Handel, nächste Ausgabe am 29.12.

Im zweiten Teil: Der volle Überblick über alle DVD-Beileger, die in diesem Monat noch zu haben sind. Weiter...

Noch für kurze Zeit in den Regalen:

Digital World

"Dead Ringers - Die Unzertrennlichen", CDN/USA 1988. Regie: David Cronenberg. Darsteller: Jeremy Irons, Geneviève Bujold. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 16 Jahre. Preis: 4,90 Euro

Mit untergründigem Beziehungshorror marschieren die letztlich doch recht unterschiedlichen Zwillinge Elliot und Beverly auf einen gruseligem Showdown zu, wobei der Weg dorthin von Jeremy Irons in der Rolle der beiden Gynäkologen perfekt beschritten wird: beklemmendes Psychodrama in zunehmend manischer Atmosphäre.

Seit dem 01.12. im Handel.

PCgo und PC Magazin

"In stürmischen Zeiten", F/GB 2000. Regie: Sally Potter. Darsteller: Christina Ricci, Johnny Depp. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 12 Jahre
und
"Chinesen - Wissen des Altertums", Discovery Geschichte & Technik No.5 (nur PCgo). Preis: jeweils 6,99 Euro

Auf den DVDs der beiden Computermagazine finden wir im Dezember das schon mehrfach auf Beilegern gesichtete Liebesdrama mit Christina Ricci. Als kleine Entschädigung für die erneute Wiederholung mag die Edutainment-Doku zur Kultur des alten China dienen, allerdings nur bei der "PCgo".

Seit dem 01.12. im Handel, nächste Ausgabe am 05.01.

PC Magazin Extra

"Simpatico", F/GB/USA 1999. Regie: Matthew Warchus. Darsteller: Nick Nolte, Jeff Bridges. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 12 Jahre. Preis: 4,90 Euro

Zum dritten Mal in diesem Jahr taucht der gut besetzte Thriller aus dem Jahr 1999 als Beileger auf - diesmal mit dem Sonderheft zum Thema "Digitale Fotografie".

Seit dem 27.10. im Handel.

SFT

"Stormriders", HK 1998. Regie: Andrew Lau Wai-Keung. Darsteller: Aaron Kwok, Ekin Cheng. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre
und
"James Dean - Leben auf der Überholspur", USA 2001. Regie: Mark Rydell. Darsteller: James Franco, Michael Moriarty. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 6 Jahre. Preis: 3,30 Euro

Mit ihrer ungekürzten Version des asiatischen Fantasy-Epos trifft die "SFT" das Herz vieler Genre-Fans. Schick animierte Tricks und farbenfroh komponierte Bilder lassen eine zwischen Action und Zauberei angesiedelte Märchenwelt erwachen, in der sich machtgierige Herrscher, unbezwingbare Krieger, schöne Prinzessinnen und schreckliche Monster tummeln.

Wem das alles zu abgefahren war, der kann sich vergleichsweise geruhsam an die kurze aber umso legendärere Lebenszeit von James Dean erinnern lassen: Das preisgekrönte Psychogramm des Rebellen ohne Grund liegt hier noch einmal günstig als Zweitfilm auf der Scheibe.

Ist seit dem 29.11. im Handel, nächste Ausgabe am 27.12.

Super- Illu- Sonderheft

"Nelken in Aspik", DDR 1976. Regie: Günter Reisch. Darsteller: Armin Müller-Stahl, Helga Sasse. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: ohne Altersbeschränkung. Preis 5,99 Euro

Als Beilage eines Sonderhefts über Armin Müller-Stahl erscheint hier zum ersten Mal das wunderschön ausgestattete und seit dem Produktionsjahr in der DDR weggeschlossene "DEFA-Filmlustspiel" auf DVD: Mit viel skurrilem Klamauk wird die Welt der Werbeindustrie aufs Korn genommen, in der vor allem Erfolg zu haben scheint, was besonders absurd ist - und davon bekommt man hier Einiges zu hören und zu sehen!

Seit dem 12.10. im Handel.

Widescreen / Widescreen Premium

"Breaking Dawn", USA 2004. Regie: Mark Edwin Robinson. Darsteller: Kelly Overton, James Haven. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre Preis: 4.99 Euro (Widescreen)
und
"You're fired", USA 2004. Regie: Mitch Rouse. Darsteller: Matt Dillon, Steve Zahn. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 8,99 Euro (nur Widescreen Premium).

Der Medizinstudentin Eve (K. Overton) erscheinen die bösen Visionen eines psychisch gestörten Patienten plötzlich selbst und würfeln ihre Leben gehörig durcheinander. Doch was ist davon realer, was nur eingebildeter Terror? Langsam und mysteriös führt uns der Film dem Abgrund immer näher und hält am Ende eine Überraschung parat, wie sich das gehört.

Noch mehr Heimkino findet man mit der um vier Euro teureren Premium-Ausgabe und einer lockeren Komödie um den Bankier David (M. Dillon), der sein bis dahin perfektes Leben in kürzester Zeit dummdreist zerdeppert - nur sein Kumpel Jack (S. Zahn) scheint ihm die Stange zu halten, doch dessen therapeutische Ideen machen die Sache nur noch schlimmer: entspannendes Alternativprogramm zum Psychohorror des ersten Films.

Ist seit dem 06.12. im Handel, nächste Ausgabe am 03.01.

Der nächste DVD-Überblick erscheint am 1./2. Januar mit den Beilegern für einen erholsamen Jahresanfang.

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