DVD-Hack: Geheimer Code versehentlich veröffentlicht - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

DVD-Hack Geheimer Code versehentlich veröffentlicht

Uuups, sorry, dumm gelaufen! Eigentlich war die DVD-Lobby ja vor Gericht gezogen, um den ach so geheimen Source-Code für die Verschlüsselung von DVDs gegen kecke Source-Knacker zu verteidigen. Stattdessen veröffentlichten sie ihn: Sie vergaßen einen Antrag auf Einstufung als "vertrauliches Dokument". Der Source-Code wanderte prompt von den Gerichtsakten direkt ins Internet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was trieb die DVD-Lobby "DVD CCA" doch für einen Aufwand: Gleich 72 Personen verklagte sie wegen der Veröffentlichung eines "DVD-Hacks", hätte am liebsten noch alle verklagt, die auch nur einen Link auf die betreffenden Seiten gelegt hatten. Das Ziel war klar. DeCCS, ein durch Reverse Engineering entwickelter Alternativ-Code zur Entschlüsselung von DVD-Formaten, sollte vom Web gefegt werden. Das ist mehr oder weniger gut gelungen: Stattdessen kursiert nun der Original-Code - versehentlich veröffentlicht durch einen Fehler der Anwälte.

Die hatten es versäumt, bei Gericht förmlich die Geheimhaltung des vorgelegten Beweismaterials zu beantragen. Nun kursiert das auf den 13. Januar datierte Dokument, das den originalen Source-Code enthält, im Internet. Bemerkt wurde dies erst Anfang der vierten Januarwoche: Hastig erwirkten die DVD-CCA-Anwälte eine Anhörung für Mittwochmorgen. Richter William Elving erklärte sich bereit, das betreffende Dokument nachträglich als "vertraulich" einzustufen. Zu spät: Im Web kursiert weiter eine 140 KB schwere Peinlichkeit. Ein Website-Betreiber, der die Datei zum Download anbietet, gibt an, dies sei bisher rund 21.000 Mal geschehen.

Die Anwälte der DVD-Lobby gehen nicht davon aus, dass die "Panne" irgendeinen Einfluss auf den Prozess gegen die "DVD-Hacker" haben wird - obwohl der originale Source-Code durch den Fehler der Anwälte praktisch zum "öffentlichen Dokument" gemacht worden sei.