E3-Schlaglichter Mit Paris Hilton spielen
Von dieser jungen Frau können Marketing-Fachleute eine Menge lernen: Ob sie für sechsstellige Summen auf Partys auftaucht, sich in grottenhaft schlechten Filmen als Laiendarstellerin blamiert oder für alles und jeden werbend in die Kameras lächelt - Paris Hilton ist ein Markenartikel auf zwei dünnen Beinen, bei der schon die Nennung des Namens den Rubel rollen lässt.
Ein Star ist sie trotzdem und längst nicht mehr nur, weil sie hauptberuflich Erbin ist. Ihre Selbstpräsentation aus gestyltem Äußerem, inhaltlicher Leere und ausgeprägtem Selbstbewusstsein macht sie für viele zum Vorbild. Die werden sich freuen, dass sie künftig sogar mit Paris spielen dürfen, wenn auch nur virtuell: Unter dem Label des Spieleentwicklers Gameloft werden ab sofort Paris-Spiele präsentiert, von denen das erste nun auf der E3 vorgestellt wurde.
Über den Inhalt ist bisher wenig bekannt. Die Nachrichtenagentur AP weiß zumindest zu berichten, dass das Spiel "auf Handys abgespielt werden" könne - und das Paris Hilton bei der Präsentation "ein grünes Minikleid und rote Plateau-Schuhe" trug. Interessant.
Zumindest der Name des Spiels ist ebenfalls bekannt, wenn auch nicht Paris Hilton: Die antwortete auf die entsprechende Frage, das Spiel hieße "Diamontquest". Das ist zwar falsch, aber zumindest relativ nah dran: Gameloft hat das Ding "Paris Hilton's Jewel Jam" getauft. Vielleicht überlegen die sich nochmal, ob Paris' versehentlicher Vorschlag nicht besser wäre.
Nintendo: Schluss mit Gameboy
Echte Nachrichten gibt es auch von der E3: Nintendo-Chef Satoru Iwata dachte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters laut darüber nach, die Weiterentwicklung des Gameboy Advance einzustellen. Iwata wörtlich: "Ich habe Zweifel, ob wir unsere Ressourcen für die nächste Generation des Gameboy nutzen sollten, wo die Nintendo DS nun so viel Zuspruch erfährt."
Mit weltweit bisher rund 16 Millionen verkauften Geräten führt Nintendos DS derzeit vor Sonys PSP in den Verkaufscharts für mobile Spielgeräte. Auch der Gameboy geht noch relativ häufig über die Ladentheke, stellt aber in der Sicht von Nintendo mittlerweile eher eine hausinterne Konkurrenz zur DS dar. Die aber brauche man nicht, glaubt Iwata: "Der japanische Spielemarkt dreht sich um die DS." Ein heißer Markt, fürwahr, und "warum sollten wir da etwas tun, dass nur kaltes Wasser auf die Situation kippen würde?"
Für deutsche Ohren ein sehr schräges Bild, aber wir haben schon verstanden: Nach 17 Jahren Gameboy-Geschichte und bereits 74 Millionen verkauften Gameboy Advance kündigt sich ein echter Generationenwechsel an.
"Booth Babes": Weibliche Reize sind nicht zu verbieten
Fast hat man den Eindruck, eine Siegesmeldung zu lesen: Trotz aller Kontroversen um und einer verschärften Kleiderordnung für die bei der E3 traditionell eher unzureichend bekleideten " Booth Babes " an den Ständen, sieht man die doch überall, wo man hinsieht, berichtet Daniel Terdiman bei CNet. Im direkten Vergleich zu früheren Jahren sähe man zwar deutlich weniger Haut, aber immer noch genug.
Das Haut-Verbot war in Folge des sogenannten "Hot-Coffee"-Mods für das Spiel GTA - San Andreas ausgesprochen worden. Mit Hilfe dieser Spiel-Modifikation konnte man sich mehr oder minder unbekleidete pixelige Sexszenen darstellen lassen. Das aber erregt das amerikanische Gemüt traditionell mehr, als wenn Minderjährige mit Waffen herumlaufen. Wer das nicht versteht, sei an diesen Artikel verwiesen : Hier schildert ein amerikanischer Leser seine tiefe seelische Irritation, die er erfährt, als er sich in Deutschland mit Spargelwerbung konfrontiert sieht. Man muss das verstehen: andere Mentalitäten, andere Empfindlichkeiten.
Sonys PS3: Durchwachsenes Echo
So richtig glücklich wird Sony mit dem Presseecho über die für den Spätherbst angekündigte Playstation 3 wohl nicht sein. Rückhaltlos positiv kommt die Konsole, die auf der E3 erstmals von vielen Spielern und Journalisten ausprobiert werden konnte, vor allem bei Kazuo Hirai weg, der von vielen Zeitungen zitiert wird. Seine Begeisterung aber ist wenig überraschend: Der Mann ist Chef der Spieleabteilung von Sony in den USA. Seine Prognose: Die PS3 wird Marktführer.
John Gaudiosi kann sich in der "Washington Post" da auch etwas anderes vorstellen. Als einer von vielen Berichterstattern dokumentiert er letztlich die Enttäuschung vielleicht überhöhter Erwartungen. Bei vielen Kommentatoren kommt die PS3 heute eher als "Evolution der PS2, nicht als Revolution" herüber (Steve Tilley in der "London Free Press").
Gaudiosi schildert das so: Als mit einjähriger Verspätung auf die PS2 vor fünf Jahren die XBox auf den Markt gebracht wurde, habe man noch echte Unterschiede wahrnehmen können. Sein Verdikt über XBox 360 und PS3: Beeindruckend, aber Jacke wie Hose, was die Grafik angeht. Gaudiosi: "Die Spiele, die ich gesehen habe, sahen ziemlich identisch aus."
Abgesehen vom erheblich höheren Preis stelle die PS3 seiner Meinung nach keinen "großen Sprung" dar. Das Rennen zwischen den technischen Plattformen werde wohl letztlich über die Inhalte entschieden. Und da steht für ihn der Sieger schon fest: Nintendos Wii. Die biete zwar technisch weniger und sei den beiden Konkurrenten auch grafisch klar unterlegen, könne aber mit einem nicht ganz unwichtigen Argument punkten: Sie biete mehr Spielspaß.