eBay Redaktion verkauft sich selbst
Sein Team ist 1350 Euro wert, als Christoph Hoffmann, 20 Jahre jung, am Donnerstag nachmittag das Telefon abnimmt. Man erwischt ihn zuhaus, denn der Mann ist noch kein Profi: Er gehört zum "Junge Zeiten"-Team des "Kölner Stadtanzeiger. Der läßt wöchentlich eine Jugendseite von einer Gruppe junger Leute produzieren. Die freien Redakteure sind zwischen 14 und 25 Jahre jung.
Und des öfteren gut für ungewöhnliche Ideen. Als vor einigen Wochen die Geschichte vom "Sixpack", sechs Frauen aus Westfalen, die sich bei eBay als "Partyzubehör" versteigerten, die Runde machte, kam das Thema auch in der Redaktionskonferenz auf den Tisch.
Doch noch eine Geschichte zu dem Thema zu machen, erzählt Christoph Hoffmann, erschien den Jungredakteuren "zu abgegriffen". Also entstand stattdessen die Idee, selbst etwas zu unternehmen.
Hoffmann: "Wo entstand die Idee, unsere redaktionelle Arbeit zu versteigern."
- "Junge Zeiten"-Auktion bei eBay
- "Wir verkaufen uns":Artikel des "Junge Zeiten"-Teams über ihre Versteigerungsaktion
Ein Konzept war schnell gefunden. Dem Höchstbietenden winkt nun eine volle Seite Berichterstattung über seine Person - allerdings ist die Auktion an zahlreiche Ausschluss-Bedingungen geknüpft. "Uns war ja klar, dass Leute versuchen könnten, das auszunutzen", sagt Hoffmann. "Also musste die Idee erst einmal durch die Rechtsabteilung", um die Gefahr auszuschließen, dass etwa politisch motivierte Bieter aus dem extremen Spektrum versuchen könnten, die Aktion zu missbrauchen.
Schließlich aber schien das Konzept wasserdicht, und die Auktion begann: Bis zum Samstag kann man noch mitbieten. "Wir ziehen das durch", sagt Hoffmann, "und nicht nur regional. Wenn der Bieter aus München kommt, fahren wir da halt hin."
Kritik, sagt Hoffmann, habe es zwar gegeben, aber deutlich mehr Zuspruch. Auch die Profi-Kollegen beim Stadtanzeiger "fanden das toll". Der Erlös der Versteigerung soll "einem guten Zweck" zugute kommen. Nutznießer soll eine Kölner Jugendorganisation werden: Details dazu wird man bald dem Blatt entnehmen können, denn zur Homestory über den Versteigerungs-Gewinner wird es auch noch eine Nachberichterstattung über die Aktion selbst gegen. "Die Leute sollen ja erfahren, wofür wir das Geld verwendet haben."
Frank Patalong