eBay: Teilrückzug aus China - DER SPIEGEL
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eBay Teilrückzug aus China

Westliche Internetunternehmen tun sich schwer mit dem streng regulierten chinesischen Markt. Das hat nach Yahoo und anderen Westfirmen nun auch eBay erkannt – und setzt auf einen chinesischen Partner, der dort künftig die Kontrolle übernimmt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für Westunternehmen hat sich der chinesische Markt in den letzten Jahren als wahres Minenfeld erwiesen: Zwischen Zensurbestimmungen, zahlreichen Verboten und Einschränkungen lavieren sie zwischen Konflikten mit den Behörden einerseits und Image-schädlichen Skandalen anderseits, wenn sie chinesischen statt westlichen Standards folgen. Prinzipiell dazu verpflichtet, den Gesetzen des Landes, in dem sie operieren, zu folgen, laufen sie zu oft und zu schnell in Gefahr, als Helfershelfer von Zensur und Repression dazustehen.

Das gilt in erster Linie für Unternehmen, die sich als Internet-Dienstleister oder publizierend auf dem chinesischen Markt engagieren. Von Yahoo über MSN bis Google bekamen da schon fast alle ihr Fett weg. Unternehmen wie Yahoo oder Time Warner reagierten auf die Schwierigkeiten des zensierten Marktes mit Teilrückzügen, indem sie sich chinesische Partner ins Boot holten.

Genau das will nun offenbar auch eBay, und einmal mehr soll es das Pekinger Internet-Unternehmen Tom Online sein, das die Probleme vor Ort für eBay lösen soll. An Tom hatte auch Time Warner vor drei Jahren einen Kontrollanteil des chinesischen TV-Senders CETV verkauft - allerdings ohne so die grundsätzlichen Zensurprobleme für sich lösen zu können. Yahoo hatte nach heftiger Kritik wegen der Mithilfe des US-Unternehmens bei der Identifizierung und Verurteilung eines im Internet tätigen Dissidenten sein Geschäft an das Unternehmen Alibaba verkauft und im Gegenzug 40 Prozent der Anteile an Alibaba erworben.

Keine Stellenstreichungen

Eng verwoben sind anonymen, aber angeblich der Geschäftsleitung von Yahoo nahe stehenden Quellen zufolge nun auch Tom Online und eBay. Künftig soll Tom 51 Prozent der Anteile an eBays chinesischem Auktionsgeschäft halten, eBay bleibt mit 49 Prozent präsent. Darum bedeute die Entscheidung auch keinen Ausstieg der US-Firma aus dem boomenden chinesischen Markt, sondern vielmehr eine Stärkung, sagte die anonyme Person der Nachrichtenagentur Reuters. Faktisch aber bedeutet es, dass eBay die Kontrolle über sein China-Geschäft an ein dortiges Unternehmen übergibt.

Es gebe keine Pläne für Stellenstreichungen, sagte die Person weiter. Eine offizielle Mitteilung dazu sei bald zu erwarten. Weitere Informationen lagen zunächst nicht vor. eBay hatte sein China-Geschäft ursprünglich für 180 Millionen Dollar erworben. Tom Online ist eine Tochter der Tom Group, beide werden kontrolliert vom Hongkonger Medienmogul Li Ka Shing. Nach deutlichen Kurszuwächsen wurden die Aktien am Dienstag vom Handel in Hongkong ausgesetzt. Sprecher von eBay und Tom Online lehnten eine Stellungnahme ab.

China ist einer der am schnellsten wachsenden Medienmärkte der Welt mit einem Online-Werbevolumen im vergangenen Jahr von 500 Millionen Dollar und rund 75 Milliarden Dollar an Einzelhandelsumsätzen im Internet. Zugleich ist der Markt aber stark staatlich reguliert.

pat/rtr