Edutainment Wissen für Wuselfans
Seit den ersten Siedler-Spielen haben zahllose Schüler ihre Nachmittage damit zugebracht, virtuelle Häuser zu bauen und ihren über den Bildschirm wuselnden Bewohnern zuzuschauen. Der Schulbuchverlag Cornelsen will den Spaß an solchen Aufbausimulationen jetzt mit der Vermittlung von nützlichem Wissen verbinden.
Zum Start einer neuen Software-Reihe unter dem Titel "Genius" kann man sich als Unternehmer in der industriellen Revolution bewähren.
Der Weg vom kleinen Teilhaber einer Fahrradwerkstatt bis zum Inhaber einer Raketenfabrik ist lang und nur dann von Erfolg gekrönt, wenn man die neuesten Entdeckungen der Physik nutzt. Dafür muss man sich von der dreidimensionalen Spiellandschaft ins Büro begeben und etwa die Zeitschrift der Physikalischen Gesellschaft abonnieren oder in direkte Korrespondenz mit Tüftlern wie Carl Zeiss, Thomas Alva Edison und Ferdinand Braun treten.
Das in den Lerntexten enthaltene Wissen ist die Voraussetzung, um die mehr als 100 im Spiel verstreuten Aufgaben und Rätsel lösen zu können. Die Software hält fest, wie viele Themen in den Bereichen Mechanik, Wärmelehre, Optik, Elektrizität und Astronomie bereits absolviert wurden. Nur wer sich den Lernstoff aneignet, kann auf Dauer erfolgreich agieren. Das Geld für die Wirtschaftssimulation ist immer knapp bemessen - die Gebäude haben laufende Betriebskosten, und die Arbeiter müssen entlohnt werden. Zusätzliche Einnahmen und damit Spielraum für neue Investitionen gibt es erst, wenn die Aufgaben gelöst werden.
SIM-City lässt grüßen
Navigation und Spielideen orientieren sich an den gängigen Konzepten des Genres. Gebäude wie eine Autofabrik oder ein Umspannwerk werden erst mit fortschreitender Spieldauer und entsprechendem Wissensstand freigeschaltet. Ein Fragezeichen über einem Gebäude zeigt irgendein Problem an. Und auch hier sind die Arbeiter nur zufrieden, wenn der Lohn stimmt. Wenn es dann auch noch ausreichend viele Produktionsstätten gibt, darf man sich über die Meldung freuen: "Gratulation, wir haben Vollbeschäftigung!"
Neben der zeitlichen Dimension der Entdeckungen kann man sich auch räumlich ausbreiten - der Unternehmer kann seine Geschäfte in Berlin und im Ruhrgebiet sowie in London, Detroit und Melbourne betreiben - mit jeweils unterschiedlich hohem Schwierigkeitsgrad.
Die 3D-Grafik zeigt ausreichend Details, um den Eindruck einer realistischen Landschaft zu vermitteln, kann aber nicht mit der Spitzengrafik anderer Titel mithalten. Störend ist, dass bei Kommentaren zum Spielverlauf immer wieder das Gesicht von Meister Hoffmann oder eines anderen Team-Mitglieds auftaucht - gerade dort, wo man schnell eine Straße bauen möchte.
Das mit dem Kindersoftware-Preis der Giga-Maus ausgezeichnete Spiel ist für Jugendliche ab zwölf Jahren gedacht. Für die Entwicklung der Simulationssoftware engagierte der Cornelsen-Verlag das deutsche Studio Radon Labs. Das Windows-Spiel (ab 98) zum Preis von 39,95 Euro (63,90 sFr) benötigt mindestens 128 MB im Arbeitsspeicher und 900 MB auf der Festplatte; beim Grafikprozessor genügt eine Karte mit 32 MB Speicher. Schon im April kommenden Jahres soll es den nächsten Titel der Reihe geben, dann steht die Biologie im Mittelpunkt.
Peter Zschunke, AP