Elektroschrott-Recycling Wer nicht will, der muss
Sechs Millionen Tonnen Müll produzieren die Bürger der EU im Jahr, und längst nicht alles landet da, wo es hingehört: Noch immer gibt es Länder, in denen insbesondere der sperrige Elektroschrott vorzugsweise in der Pampa landet.
Damit, so will es das EU-Parlament, soll nun Schluss sein: E-Schrott gehört recycelt.
Ein Problem stellen in dieser Hinsicht nicht zuletzt die Abfallprodukte der Hightech-Welt dar. Während Waschmaschinen vergleichsweise lang leben, die Materialtrennung beim Fön selbst für einen Laien - Hammer in der Hand - in zwei Minuten erledigt ist, stecken Monitore und Rechner, Scanner und Drucker voller teils toxischen Sondermülls. Zwar darf man von einem Chip durchaus eine Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten erwarten, doch ist dieser trotzdem nach nur wenigen Jahren veraltet: Der Müllberg wächst, der Produktzyklus ist unnatürlich schnell. Weggeworfen wird lange, bevor die Ware nicht mehr funktioniert.
In Zukunft, so denken sich das Rat und Parlament, bringt man den Rechner zum PC-Händler, wie man heute Autobatterien loswird. Die Kosten für die teils aufwendige Entsorgung, respektive Wiederverwertung, sollen die Hersteller tragen.
Das gilt allerdings nicht für Geräte, die vor In-Kraft-Treten der neuen Richtlinie hergestellt wurden. Auch die müssen künftig dem Recycling zugeführt werden, doch darf der Händler die Kosten dafür als Bestandteil des Neugeräte-Kaufes ausweisen. Während die EU-Länder gehalten sind, bis zu bestimmten Stichdaten definierte Mindestmengen an recycelten E-Schrott pro Kopf der Bevölkerung nachzuweisen, erweist sich die EU-Richtlinie in Bezug auf die Verbraucher als ziemlich zahnlos: Wer nicht recycelt, hat keine Sanktionen zu erwarten.
Außer in Ländern wie Deutschland: Hier ist die Open-Air-Entsorgung lange schon strafbar. Trotzdem dürfte die EU-E-Schrott-Verordnung auf die Preise der Elektroindustrie durchschlagen.
Für Länder des europäischen Auslandes, die bisher keine Müllverwertungssysteme nach dem Muster des Grünen Punkts betreiben, wird ein Preisanstieg von circa 20 Euro auf den Durchschnittspreis etwa einer Waschmaschine erwartet. In Deutschland steht der Verbraucher seit langem für die Kosten des Recyclings gerade: Der Grüne Punkt refinanziert sich umlagig unter anderem durch Aufschläge auf den Nettopreis einer Ware.
Mittelfristig sind von der überfälligen Richtlinie jedoch positive Effekte zu erwarten. Verschärfungen der Richtlinien bezüglich der Verwendung toxischer und anderer problematischer Werkstoffe dürften einen Prozess der Müllvermeidung einleiten, der letztlich auch das Recycling der Produkte verbilligen sollte - hoffen die EU-Parlamentarier.
Die Richtlinie tritt in Kürze in Kraft und soll bis zum 31. Dezember 2005 zu den von der EU angestrebten Recyclingquoten führen. Ab da wird von den Ländern und der Industrie spätestens verlangt, 85 Prozent des Computermülls der ordentlichen Entsorgung zuzuführen und dies nachzuweisen. Als Wiederverwertungs- und Recyclingquote werden 65 Prozent des PC-Schrottvolumens verlangt.