Endlich weg: Deutsch wurde verkauft - DER SPIEGEL
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Endlich weg Deutsch wurde verkauft

Gibt es Deutsch künftig nur noch als Fremdsprache? Zum "Tag der Muttersprache" kam die deutsche Sprache für 10 Millionen Euro bei eBay unter den Hammer. Wer steckt dahinter?
Von Ruth Bettina Müller
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Goethe, in ein dickes D-Initial gequetscht, musste als Qualitätssiegel herhalten - schließlich konnte man die 450.000 Wörter ja nicht einzeln ablichten. Am 14. Februar tauchte das Angebot erstmals bei eBay unter der Rubrik Kunst und Antiquitäten/Künstlerbedarf/Sonstige auf.

Wenige Tage später war das Deutsch auch schon weg, bis auf den letzten Umlaut - und das, obwohl neben vielen "einzigartigen" Vorzügen wie "Möglichkeit der Bildung zusammengesetzter Hauptwörter" auch die Mängel der Ware nicht verschwiegen wurden: Das "Teil" wurde fahrlässig behandelt und strotzt, very shocking, vor Anglizismen.

Anlass für diese vom Verband Deutsche Sprache e.V. initiierte Sprachversteigerung ist der "internationale Tag der Muttersprachen" am 21. Februar, 1999 von der Unesco ausgerufen  und seitdem glorreich ignoriert. Bis zu diesem Tag hätte die Auktion dauern sollen, wäre nicht vorher schon mit 10 Millionen Euro das eBay-Limit erreicht gewesen. So weit die offizielle Version.

Versierte Komplott-Kontrolleure entdecken hier zahlreiche Ungereimtheiten: So hat der Verband Deutsche Sprache e.V. einen Screenshot des endgültigen Gebotes bei eBay  als pdf-Datei zugänglich gemacht - eine für Verkäufer durchaus unübliche Praxis, die sicher nur von den eigentlichen Hintergründen der Versteigerung ablenken soll. Alarmierend auch die Worte des VDS-Vorsitzenden Walter Krämer zu den Motiven des Verkaufs: "Aber nachdem die Deutschen selber (sic!) sich darum nicht kümmern, will es vielleicht jemand anders gerne tun."

Den Deutschen wurde also vom VDS pauschal das Sorgerecht entzogen , adoptionswillige Sprachpfleger aus dem Ausland wurden vorgezogen; dass damit keine Engländer gemeint sein können, versteht sich von selbst: Was sollten die mit all den Anglizismen?

Wem aber könnte man zutrauen, dieser Rasselbande von Events und Highlights mal zu zeigen, wo der Hammer hängt? Ging das Idiom etwa en bloc nach Frankreich, erprobt im Kampf gegen das Franglais?

Die Franzosen also, sollen unsere Verben und Adjektive (noch etwas geschwächt von der letzten Rechtschreibreform) wieder hochpäppeln, damit die ihrerseits die frechen kleinen Engländer zur Raison bringen?

Was dann aus unseren schönen zusammengesetzten Hauptwörtern würde, ist klar: Wagen-Schlaf, Bürste-Zahn und alles ohne ein hörbares "h"  - das kann selbst der Verein Deutsche Sprache nicht gewollt haben.

Rache- oder Verzweiflungsakt?

Fungieren die Sprachpfleger also nur als Strohmänner - haben gar anglo-amerikanische Falken ihre Finger im Spiel? Erinnern wir uns: Kürzlich wütete der US-Abgeordnete Gary Ackerman, ohne das ehrenvolle Engagement der Amerikaner säßen die Franzosen schon lange bei Deutsch an Sauerkraut.

Soll dieses Schicksal den drückebergerischen Franzosen nun verspätet aufgebrummt werden? Neben politischen können aber auch wirtschaftliche Beweggründe nicht ausgeschlossen werden. In einem Internetforum wird folgender Verdacht geäußert: "Hat Bill Gates die Sprache gekauft? Hat der Käufer nun die alleinigen Nutzungsrechte?"

Armes Deutsch. Immerhin ist Microsoft bekannt dafür, auch Software mit kleinen Mängeln erfolgreich zu vermarkten; was da an Lizenzgebühren für "Deutsch als Fremdsprache" auf die User zukommt, dürfte klar sein. Dann lieber gleich nur noch Anglizismen - schließlich haben auch andere Mütter hübsche Sprachen.

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