Eric Schmidt auf der Ifa: Prophet der heilen Google-Welt - DER SPIEGEL
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Eric Schmidt auf der Ifa Prophet der heilen Google-Welt

Den größten Auftritt gab es kurz vor dem Ende: Google-Chef Eric Schmidt hielt die Schlussrede auf der Multimediamesse Ifa in Berlin. Er nutzte sie, um von einer Epoche der grenzenlosen Information zu schwärmen - und ein paar Einblicke in Googles TV-Pläne zu geben.
Google-Chef Schmidt: Die meisten Zuschauer konnten ihn nur per Videoübertragung sehen
Google-Chef Schmidt: Die meisten Zuschauer konnten ihn nur per Videoübertragung sehen

Google-Chef Schmidt: Die meisten Zuschauer konnten ihn nur per Videoübertragung sehen

Foto: THOMAS PETER/ REUTERS
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Eric Schmidt

Ifa

Schwarze Limousinen, Sicherheitsleute mit Knopf im Ohr und scharenweise aufgeregte Fans: Was anmutet wie die Vorbereitungen für ein Popkonzert, ist eigentlich ein Nerd-Event. Google-Chef hat sich angekündigt, die Schlussrede auf der in Berlin zu halten und plötzlich wird die sonst sturzlangweilige Veranstaltung zum Medien-Event. Über das ganze Messegelände sind mannshohe Aufsteller verteilt, die die erwarteten Zuschauermassen zum Vortragsort leiten sollen.

Doch die Halle, in der Schmidt spricht, ist klein, fasst bestenfalls ein paar Hundert Zuschauer. Er mag zwar kein Showmaster und Zeremonienmeister wie Steve Jobs sein - ein Superstar ist Schmidt doch. Kaum verwunderlich, leitet er doch ein Unternehmen, das wie kein anderes zugleich für totale Datensammelwut und die Verheißung einer besseren Welt steht.

Dass es nicht immer ganz rund läuft in dieser Welt, hat auch Schmidt erfahren müssen. Beispielsweise als publik wurde, dass seine Street-View-Fotowagen auch W-Lan-Daten aufgezeichnet haben. Als er davon erfahren habe, sei er ziemlich wütend gewesen, sagt Schmidt. Die Malaise sei einem Techniker anzulasten, der einen Fehler gemacht hatte.

Netzneutralität? Street View? Datenschutz? Kein Problem

Bei anderen Themen dagegen gibt sich Schmidt ausgesprochen entspannt. Zur Frage der Netzneutralität stellt er klar: Google wird nicht für eine Sonderbehandlung von YouTube-Videos im Netz zahlen. Überhaupt sei Netzneutralität für Google kein großes Thema.

Dem Datenschutz widmet er dagegen viel Raum in seiner Rede. Er weiß, dass dieses Thema in Deutschland eine hohen Stellenwert hat. Immer wieder weist er darauf hin, dass persönliche Daten von Google nur mit Erlaubnis des jeweiligen Users genutzt werden, erteilt Kritik an Googles Datensammelei damit eine Generalabsage.

Aber er sagt auch in erfrischender Deutlichkeit: "Letztlich geht es buchstäblich um alle Ihre Informationen - E-Mail, Sachen, die Ihnen am Herzen liegen. Mit Ihrer Erlaubnis natürlich."Und er müht sich, die Geschichte auszuräumen, er habe vorgeschlagen, man solle jungen Menschen die Möglichkeit geben, ihren Namen zu ändern, wenn sie in Social Networks ihrem Ruf geschadet haben. Das sei bloß ein Scherz gewesen und "wer sich das Video davon anschaut, wird sehen, dass alle darüber gelacht haben".

Ähnlich unaufgeregt geht er Fragen nach der Debatte um Datenschutz im 3-D-Straßenatlas Street View an. Die deutsche Regelung, dass Hausbesitzer ihre Anwesen in Street View unkenntlich machen können, sei einmalig in der Welt, betet er erneut herunter und betont, dass die politischen Verhandlungen in Deutschland schwierig waren. Trotzdem gibt er sich optimistisch: "Wenn die Leute erst einmal Street View ausprobiert haben, werden sie ihre Einstellung ändern", glaubt Schmidt.

Wachstumsfaktor Dritte Welt

Vor allem malt Schmidt blumige Bilder einer prosperierenden Informationswelt. Da stehe ein goldenes Zeitalter stehe bevor, erklärt er gleich zu Begin seiner Rede. Die Rolle der wichtigsten Informationsträger und -übermittler würde künftig den Smartphones zufallen, allen voran den Android-Handys.

Sagenhafte 200.000 solcher Mobiltelefone würden bei Google registriert, täglich. Schon bald würden mehr Smartphones als PC verkauft. In einigen Ländern sei die mobile Internetnutzung bereits so dominant, dass Google von dort mehr Suchanfragen von Handys als von PC empfängt. Gemeint sind freilich nicht hochindustrialisierte Regionen wie Westeuropa, sondern Drittweltstaaten wie Nigeria. Für die Menschen in solchen Gegenden mit schwacher Infrastruktur seien Smartphones die Verheißung schnell und überall verfügbarer Informationen.

Bisher, rechnet Schmidt vor, gebe es weltweit rund eine Milliarde Smartphones. Doch diese Zahl werde sich rasch erhöhen, könne in wenigen Jahren auf drei oder vier Milliarden ansteigen, getrieben vor allem durch die Nachfrage aus Entwicklungs- und Schwellenländern.

Bald kein Fernseher mehr ohne Google

Aber der Android-Handys wegen ist Schmidt nicht in Berlin. Die Ifa ist eine große TV-Messe, und beim Fernsehen will auch Google künftig mitreden. Wirklich Neues hat Schmidt dabei nicht zu erzählen. Ja, die ersten Fernseher mit dem auf Android basierenden Google TV an Bord werden im Herbst in die Läden kommen, aber nein, nicht in Europa. Bevor man hierzulande loslegen kann, müssen noch Gespräche mit Sendeanstalten und Inhalteanbietern geführt werden. Ohne die geht bei Google TV gar nichts.

In den USA sind diese Verhandlungen schon abgeschlossen, und so kann Produktmanagerin Brittany Bohnet Schmidt auf der Bühne zur Seite springen und zumindest vorführen, wie ein Google-Fernseher in den USA aussehen wird, wie nahtlos TV-Programm, YouTube-Videos und Streaming-Angebote miteinander verwoben sind. "Bald wird man keinen TV mehr ohne Google kaufen wollen", verkündet Bohnet mutig, lässt dabei aber unerwähnt, dass längst auch andere Firmen Lösungen gefunden haben, um ihre Fernseher ans Internet anzubinden.

Doch deren Produkte seien immer auf wenige Widgets beschränkt, die den Zugang zu bestimmten Webdiensten ermöglichen, nur Google TV biete mit seinem Chrome-Browser einen uneingeschränkten Zugang zum Internet, erklärt Schmidt. Zudem sollen sich Google-Fernseher im Android-Marketplace, dem Softwareshop für Handys, mit Zusatzprogrammen erweitern lassen. Zwar werden nicht alle Handy-Apps laufen, dafür werde es neue Programme geben, die speziell für Fernseher programmiert wurden.

Google kann sich Experimente leisten

Überhaupt wird sich das Fernsehen mit dem Google TV fundamental davon unterscheiden, wie man heute auf den Bildschirm schaut. Unter anderem weil man sich mit seinem Google-Account am Fernseher muss, um die Google-Dienste nutzen zu können. Vorerst kann sich aber nur ein Nutzer pro Fernseher . Erst ein Software-Update soll das System mehrbenutzerfähig machen. Dann sollen Familienmitglieder per Knopfdruck zwischen ihren persönlichen Accounts umschalten können.

Wie das genau vonstatten gehen soll, ob man wirklich nur einen Knopf drücken oder vielleicht doch sein Passwort eingeben muss, ist noch unklar. Google ist eben eine Firma, die viel ausprobiert und experimentiert, oft mit ungewissem Ausgang. Und so erklärt Schmidt auch in Berlin noch einmal, dass Wave, der kürzlich eingestellte Dienst, ein Erfolg war. Schließlich habe man aus dessen Scheitern viel gelernt.

Dass man es sich leisten kann, viel auszuprobieren und auch mal zu scheitern, zeigt auch Schmidts Erklärung, als er nach dem Netbook-Betriebssystem Chrome OS gefragt wird. Auch wenn es inzwischen einige Netbooks mit Android OS gebe, könne es doch auch einen Markt für Geräte mit Chrome OS geben, glaubt der Google-Chef. Dass daraus ein ähnlicher Erfolg werde wie Android, könne man aber nicht garantieren: "Aber warum sollen wir es nicht ausprobieren?"

Ein komfortabler Standpunkt, um den ihn mancher Firmenchef beneiden dürfte.