Umfrage zu Erpressungssoftware Viele Betroffene versuchen sich freizukaufen
E-Mail mit Locky im Anhang
Foto: Kevin BeaumontRund jedes dritte deutsche Opfer von Erpressungssoftware hat einer Umfrage zufolge den Angreifern tatsächlich Lösegeld bezahlt, um wieder Zugriff auf die Daten zu bekommen.
Dieses Ergebnis deckt sich mit der Zahl an Befragten, die zwar noch nicht Opfer eines solchen Angriffs wurden, aber angegeben hatten, dass sie in so einem Fall zahlen würden: 36 Prozent der deutschen Befragten hatten bei der Umfrage des IT-Sicherheitsdienstleisters Bitdefender angegeben, sie wären grundsätzlich dazu bereit, ihre Daten wieder freizukaufen.
Dabei raten Sicherheitsexperten, zum Beispiel vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), dass betroffene Nutzer auf keinen Fall Geld herausrücken sollen. In vielen Fällen blieben die Daten trotz Zahlung an die Erpresser verloren. Wenn Opfer den Lösegeld-Forderungen nachkämen, ermutigten und unterstützten sie die Kriminellen sogar, sagt Bitdefender-Sicherheitsforscher Catalin Cosoi. Im Auftrag seines Unternehmens wurden im November 3009 Personen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Nordirland, Dänemark, Rumänien und den USA befragt.
Weiteres Ergebnis: Am ehesten würden die Deutschen Geld investieren, wenn persönliche Dokumente von ihnen verschlüsselt werden (26 Prozent). Bei privaten Fotos (18 Prozent) oder Dokumenten mit Bezug zur Arbeit (10 Prozent) ist die Zahlungsbereitschaft geringer.
Allerdings sind noch einige wichtige Fragen offen: Wie viele der Befragten aus Deutschland kommen, wird in der uns vorliegenden Zusammenfassung der Umfrage nicht klar. Was es in absoluten Zahlen bedeutet, wenn in der Studie von einem Drittel beziehungsweise 36 Prozent der Deutschen die Rede ist, bleibt daher unklar. Wenn es sich nur um sehr wenige Befragte handeln würde, würde das die Aussagekraft der Studie schwächen. Man erfährt auch nicht, ob die Zahlungen den Betroffenen tatsächlich wieder einen Zugriff auf ihre Daten ermöglicht haben. Außerdem kennt man den genauen Wortlaut der Fragen, die die Studienteilnehmer beantwortet haben, nicht.
Aktuell plagt Locky deutsche Internetnutzer
Die Angreifer schleusen ihren Schadcode in der Regel mit E-Mail-Anhängen auf fremde Rechner. Nach Aktivierung des Trojaners werden dann Daten auf dem Computer verschlüsselt. Für eine Entschlüsselung fordern die Angreifer meistens ein Lösegeld. Laut der Bitdefender-Studie würden Opfer in Deutschland im Schnitt bis zu 227 Euro zahlen, um ihre Daten wiederzubekommen. Die finanzielle Schmerzgrenze der befragten Briten liegt noch höher, sie würden mit bis zu 568 Euro noch deutlich mehr investieren.
Sicherheitsexperten wie Cosoi gehen davon aus, dass Erpressungssoftware in diesem Jahr Konjunktur hat: Für Cyberkriminelle sei die Attacken ein lohnendes Geschäft. Für Betroffene hat das BSI neben der Aufforderung, nicht zu zahlen, den Tipp, einen Screenshot des Erpresserschreibens zu machen und Anzeige zu erstatten.
Der bekannteste Erpressungstrojaner ist aktuell Locky, er verbreitet sich unter anderem in Deutschland, den Niederlanden und den USA. Das Blog "Mimikama" warnte am Mittwoch, dass der Trojaner neuerdings auch in vermeintlichen BKA-E-Mails steckt, in denen vor Locky gewarnt wird .
Drei Tipps zum Schutz vor Schadsoftware
Seien Sie vorsichtig mit E-Mail-Anhängen
Deaktivieren Sie die Makro-Funktion in Dokumenten, die Sie per E-Mail erhalten. Vor allem bei Nachrichten von fremden Personen sollten Sie vorsichtig sein. "Locky" wird nach Angaben von Sicherheitsexperten in aller Regel über E-Mail-Anhänge eingeschleust, die sich etwa als harmloses Word-Dokument tarnen, aber im Hintergrund die gefährliche Software ausführen. Sie sollten allgemein keinen E-Mail-Anhang öffnen, von dem Sie nicht genau wissen, von wem er kommt.
- Daten per Back-up sichern
"Locky" verschlüsselt die Dateien nach Angaben der Erpresser so gut, dass sie unbrauchbar werden. Sichern Sie Ihre Daten also möglichst per Back-up, damit sie Ihre Dokumente im Notfall wiederherstellen können. Am besten eignet sich eine dafür eine Festplatte, die nicht ständig mit dem PC verbunden ist, beispielsweise eine externe USB-Platte.
- Verwenden Sie aktuelle Software
Um Sicherheitslücken zu schließen, sollten Sie möglichst alle Programme auf Ihrem Rechner auf den neuesten Stand bringen. Installieren Sie aktuelle Patches für den Browser, für Office-Anwendungen und den Flash-Player. Schadsoftware nutzt oft Sicherheitslücken in solcher Software aus. Mit Updates sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass bekannte Lücken ausgenutzt werden.