Erster Spieltag: Ein viel versprechender Auftakt - DER SPIEGEL
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Erster Spieltag Ein viel versprechender Auftakt

Die Mannschaften - oder besser: Roboschaften - CS Freiburg und NP Lions (Singapur) aus der Middle Size League hatten die Ehre, den Robocup 2000 in Melbourne zu eröffnen. Dabei machte das Freiburger Team seiner Favoritenrolle alle Ehre. Die Meister des Digitaldribbling ließen ihren Gegnern keine Chance: Achtmal landete der orangefarbene Ball im Singapurer Tor, kein einziges Mal im eigenen.
Von Hans-Arthur Marsiske
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Doch das ist kein Grund, sich auszuruhen und dem weiteren Verlauf des Turniers gelassen entgegenzusehen. Denn die Freiburger Spieler schienen sich etwas langsam zu bewegen und bei weitem nicht jede Situation auszunutzen.

Das zweite Spiel bestritten die ebenfalls als Favorit gehandelten CMU Hammerheads von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh gegen das Team Vanquish aus Singapur. Sie verfügen über eine Software, die den Spielern ermöglicht, sich gegenseitig mitzuteilen, wo sich der Ball befindet. Die Übertragung schien auch tatsächlich zu funktionieren. An der Umsetzung dieser Informationen haperte es jedoch. Am Ende gingen die Hammerköpfe mit 0:2 als Verlierer vom Platz. Die Programmierer sind aber zuversichtlich, ihr Spiel während der kommenden Tage noch deutlich zu verbessern.

Ganz ähnlich äußerte sich Fook Seng Yong, der Teamleiter der NP Lions, der im vergangenen Jahr mit dem Team Alpha++ bei der Weltmeisterschaft in Stockholm war. Der neue Teamname bringt zum Ausdruck, dass die Singapurer mit völlig neuen Robotern antreten: Während sie in Stockholm noch ganz auf Geschwindigkeit setzten (sechs Meter pro Sekunde), konzentrieren sie sich diesmal stärker auf die Ballführung und Orientierung der Spieler.

Weitere Highlights des ersten Spieltags: In der Middle Size League behauptet Weltmeister Team Sharif aus Teheran seine Favoritenstellung mit 4:1 gegen das erstmals vertretene Golem Team aus Italien und 9:0 gegen NAIST2000 aus Japan. In der Sony Four Legged Robot League fegen die Roboterhündchen der australischen University of New South Wales ihre Kontrahenten der McGill University in Kanada mit 14:0 vom Platz.

Hans-Dieter Burkhard, Teamleiter der Humboldt Heroes von der Berliner Humboldt Universität, veranlasste das zu der Prognose: "Das ist der neue Weltmeister!" Auf jeden Fall darf man sich auch in der Liga der bebeinten Roboter, die im vergangenen Jahr noch sehr stark von Glück und Zufall geprägt war, auf interessante Spiele freuen.

Die Entwicklung im Roboterfußball geht rasend schnell. Das war auch der Tenor der Ansprachen, mit denen der diesjährige Robocup offiziell eröffnet wurde. Auf einem Spielfeld der Middle Size League präsentierte Hiroaki Kitano, Präsident der internationalen Robocup Federation, den ersten humanoiden Robo-Fußballer, aus Zeitgründen allerdings noch ohne Elektronik. In den nächsten Tagen soll dieser zweibeinige Spieler aber auch mal den Ball kicken.

Die Eröffnungszeremonie, bei der neben den menschlichen Rednern auch Roboter aus jeder Liga vertreten waren, zeigte, dass der Robocup sich auch hinsichtlich seiner Präsentation in der Öffentlichkeit weiterentwickelt. Das ist zu einem großen Teil sicherlich den örtlichen Organisatoren vom Royal Melbourne Institute of Technology zu verdanken: Die Veranstaltung wirkt exzellent organisiert. Alle Spielfelder sind in einem Raum aufgebaut, mit guter Sicht von den Zuschauerbänken. Die Teams haben klar abgegrenzte Arbeitsbereiche. Die Veranstalter zeigen die berühmte australische Hilfsbereitschaft und haben schon am ersten Spieltag einige Kindergruppen eingeladen, sich die Spiele anzusehen. Die sorgten für eine begeisterte Stimmung. Die Schätzungen, die hier kursieren, von 1500 Zuschauern für die Endspiele scheinen nach diesem Auftakt nicht übertrieben.