Es weihnachtet Amazon zählt schon mal den Umsatz
Es soll Ökonomen geben, die glauben, dass sich der deutsche Verbraucher mit seinem "Teuro"-Gejammer selbst in die Armut redet. Otto-Normalverbraucher, hört man allenthalben, sitzt auf seinem Geld wie nie zuvor - und je öfter Michel das hört und liest, desto eher ist er gewillt, da auch mitzumachen.
Da muss sich Amazon, weltweites Musterbeispiel eines erfolgreich operierenden Online-Warenversenders, gedacht haben, da müsse man mal gegen halten. Und was eignete sich besser dafür, als eine Studie?
Satt drei Monate vor der heiligen Nacht legt Emnid im Auftrag von Amazon nun die aktuelle Studie zum Weihnachtsgeschäft 2002 vor. Sie verrät schon jetzt, was der Verbraucher gewillt ist, in diesem Jahr für die Geschenke an seine Lieben auf den Ladentisch zu legen. Und weil es sich um eine von Amazon initiierte Studie handelt, wurde natürlich nicht irgendwer befragt, sondern ganz spezifisch die "Onliner" - schließlich will Amazon ja auch was haben vom zu erwartenden Kuchen.
Und der ist - Obacht: jetzt wird's interessant - ja so was von dick und rund und groß dieses Jahr! Auch im Jahr des Teuro wollen Deutschlands Internet-Nutzer demnach äußerst spendabel bleiben. Pro zu beschenkender Person plant Michel Onlinig angeblich Ausgaben von 96 Euro, im Durchschnitt.
Alles paletti: Uns geht's gut!
Der fällt natürlich deshalb etwas erhöht aus, weil Ehepartner etwas größere Geschenke bekommen (178 Euro pro Nase), und auch Kinder sind in diesem Land bekanntermaßen ein fast unerschwinglicher Luxus (151 Euro pro Ableger). Entsprechend weniger teure Geschenke hat die restliche Bagage aus Verwandten und Freunden zu erwarten, bis sich der Durchschnitts-Geschenkepreis auf 96 Euro senkt und einpendelt. Halleluja: Da kommt im Durchschnitt schon mal der Preis für einen (zugegebenermaßen etwas älteren) Gebrauchtwagen zusammen - außer, man hat extrem wenig Freunde (was bei Onlinern ja logisch scheint), die man auch noch sehr knickerig beschenkt.
Das alles ist, versichert Emnid, das Resultat einer repräsentativen Umfrage - wenn auch nur repräsentativ für Onliner, nicht für normale Menschen.
Denn die, siehe oben, meckern ja über den Teuro, während - wie Emnid herausfand - Deutschlands Onliner da weit sachlicher sind: 41 Prozent meinen gar, sie bekämen für die E-Mark genauso viel wie für die D-Mark. Wer viel hat, der merkt halt gar nicht, wenn was fehlt. Kein Grund also, sich Weihnachten schenkend zurück zu halten, acht Prozent wollen sogar mehr prassen als früher. Über die Hälfte will sich sogar selbst beschenken, mit einer Kleinigkeit im Durchschnitts-Warenwert von 169 Euro. Süßer die Kassen nie klangen.
Entwarnung: Natürlich wird auch gemeckert
Wer angesichts soviel "Ja!"-Mentalität jetzt völlig desorientiert ist und sich nicht mehr zuhause fühlt, mag beruhigt sein: Auch Onliner meckern natürlich fleißig, ganz so wie Menschen.
Satte 64 Prozent mögen zum Beispiel ihre im Schnitt 96 Euro teuren Geschenke nicht. 22 Prozent beugen da mit Hilfe verbindlicher Bestell-, pardon: Wunschzettel vor. Genauso viele tauschen nachher um, während acht Prozent den Kram einfach bei eBay und Co verhökern. Bleiben 48 Prozent, die es irgendwie schaffen, mit ihren ungeliebten Geschenken zu leben, sie einfach wegschmeißen oder an Tante Elfie weiterschenken.
Na dann: fleißiges Sparen, denn keiner von uns will ja unterdurchschnittlich schenken. Knapp drei Monate ist noch Zeit, denn gerade Online-Versendern sollte man in der Vorweihnachtszeit ein wenig Zeit einräumen, weil dann bekanntermaßen die Post immer so überlastet ist. In den letzten Jahren kam es tatsächlich vor, dass einzelne Online-Shops so mit Anfragen überflutet wurden, dass die Warenauslieferung zusammenbrach. Solche Szenarien versuchen die Händler unter anderem durch Marktforschung zu vermeiden. Schon schön, was man so alles erfährt.
Frank Patalong