EU-Konferenz Anschluss verzweifelt gesucht
Madrid - Die europäische Wirtschaft hinkt bei der Nutzung des Internets weit hinter den amerikanischen Unternehmen her. Sie laufe sogar Gefahr, auf diesem Gebiet auf Dauer in Rückstand zu geraten, warnten Experten am Dienstag bei einem "europäischen Gipfeltreffen" in Madrid. Dort waren, auf Einladung des Europäischen Parlaments , zahlreiche Wissenschaftler, Politiker und Firmenchefs aus Europa und den USA zusammengekommen.
Und die Zeichen stehen in der Tat schlecht: Auf gerade einmal 17 Milliarden Euro haben sich im vergangenen Jahr die Erlöse aus dem E-Commerce in den 15 EU-Staaten summiert. Die USA schafften das Dreifache. Während in Spanien nur fünf Prozent aller Haushalte einen Internet-Anschluss haben, sind es auf der anderen Seite des Atlantiks rund 50 Prozent. Und durch die Fusion von AOL und Time Warner entsteht ein Konzern, der, so der spanische Premierminister José María Aznar, einen Börsenwert besitzt, der einem Drittel des spanischen Bruttoinlandsprodukt entspricht.
Bei einer derartigen Dominanz ist guter Rat teuer und wohl nicht so einfach zu haben. Denn außer Lamentieren und allgemeinen Lösungsansätzen war in Madrid nicht viel Neues zu hören. "Wir können uns nicht damit abfinden zurückzuliegen", so Aznar in seiner Eröffnungsrede. Stattdessen müssten die Beschränkungen für europäische Unternehmen, die sich dem weltweiten Markt anpassen wollten, abgebaut werden.
"Vor zehn Jahren war Europas wichtigstes Ziel die Einführung des Euro. Heute geht es vor allem darum, einen Prozess tiefgreifender Wirtschaftsreformen einzuleiten", sagte der spanische Regierungschef. Nur so könne Europa den Rückstand gegenüber den USA aufholen.
Großfusionen, wie die zwischen AOL und Time Warner, seien da genau die richtige Lösung. Kritik musste dagegen die deutsche Bundesregierung einstecken, weil sie das Übernahme-Angebot des britischen Mobilfunkunternehmens Vodafone an Mannesmann ablehne.
Erkki Liikanen, EU-Kommissar für Unternehmen und Informationsgesellschaft, stellte in Madrid einen Entwurf vor, mit dessen Hilfe Europa "digitaler" werden soll. Das Papier sieht unter anderem vor, alle Schulen mit einem Internet-Zugang zu versorgen und für junge Firmen den Zugang zu Risiko-Kapital einfacher zu gestalten. Der Entwurf soll im März auf einem EU-Sondergipfel diskutiert werden.
Bereits im Dezember hatte die EU-Kommission mit "eEurope" einen Plan präsentiert, der vorsieht, in den kommenden Jahren allen Europäern einen Zugang zum Internet zu verschaffen. Allerdings, so die Kritik in Madrid, werde die Umsetzung dieses Vorhaben, angesichts der Geschwindigkeit der weiteren technischen Entwicklung, viel zu lange dauern.