Europa-Domains Morgen geht's los
Mit einer eigenen ".eu"-Adresse können sich Europa-Fans jetzt erstmals im Internet verewigen. Ab Freitag kann sich jeder Bürger der Europäischen Union die begehrte neue Kennung sichern. Bisher sind hier nur Inhaber von Markenrechten und Prominente zum Zug gekommen.
Experten rechnen in der sogenannten Landrush-Phase mit einem Ansturm auf Adressen wie www.meineseite.eu . Besonders in Deutschland, wo es bereits knapp zehn Millionen ".de"-Adressen gibt, dürfte die Nachfrage groß sein. "Je früher man sich registriert, desto besser sind die Chancen", sagt Axel Kossel von der Computer-Fachzeitschrift c't.
Denn bei den neuen Domains gilt das "Windhundverfahren": Haben mehrere Privatleute einen berechtigten Anspruch auf eine bestimmte ".eu"-Adresse, heißt es: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Im Prinzip kann jede Adresse zugeteilt werden. Es gibt allerdings Ausnahmen. Dazu gehören europaweit gesperrte Namen wie beispielsweise www.Drittes_Reich.eu . Zuständig für die Vergabe ist die gemeinnützige Organisation EURid in Brüssel, die ".eu" verwaltet. Bei ihr sind europaweit rund 400 Registrierungsstellen akkreditiert, bei denen sich Bürger melden können. Mehr als 70 dieser Registrare gibt es in Deutschland, darunter zahlreiche Internetfirmen, aber auch die Deutsche Telekom.
Laut EURid-Leiter Marc Van Wesemael ist das Interesse an den Europa-Adressen "beachtlich". Die Organisation rechnet ab Freitag mit hunderttausenden neuen Internetseiten von EU-Bürgern. Doch wer sich als Privatmann oder -frau seine ".eu"-Wunschadresse sichern möchte, muss aufpassen: "Man sollte vorsichtig sein mit Adressen, die Namensrechte berühren. Dabei kann man sich leicht Ärger mit Firmen einhandeln", warnt Kossel.
Wer Müller oder Schneider heißt und sich als "www.mueller.eu" oder "www.schneider. eu" registrieren möchte, muss sich auf einen Rechtsstreit mit einer großen deutschen Molkerei oder dem französischen Großkonzern Schneider Electric einstellen. Finger weg heißt es auch bei den Namen von Politikern oder anderen Prominenten: So ging der hessische Ministerpräsident Roland Koch erfolgreich gegen die Satireseite www.roland-koch.com vor.
EURid gibt auf seiner Webseite einen Überblick über bereits reservierte Seiten. Falls es doch zum Streit kommt, hat die Organisation ein Schlichtungsverfahren in 20 europäischen Sprachen ausgearbeitet. Damit soll der Markt der sogenannten Internet-Domänen auch vor "Cybersquattern" geschützt werden. So nennt die Branche Spekulanten, die sich begehrte Domänen-Namen nur deshalb registrieren lassen, um sie anschließend teuer zu verkaufen.
Kossel warnt auch vor Schwarzen Schafen, die "garantiert" zur Wunschadresse verhelfen wollen. Zahlen per Vorkasse oder horrende Bearbeitungsgebühren im Kleingedruckten sind tabu. "Man sollte erst bezahlen, wenn man registriert ist. Alles andere ist unseriös", sagt Kossel.
Die Europa-Adressen kosten dabei mehr als die nationalen: Während ein Verbraucher für seine ".de"-Adresse rund 12 Euro Verwaltungsgebühren im Jahr berappen muss, dürfte sich der Preis für ".eu"-Domains bei 25 bis 30 Euro einpendeln. Die Registrierung selbst ist für Privatleute aber grundsätzlich kostenlos.
In Deutschland dürfte die Nachfrage nach der "europäischen" Adresse groß sein, schätzt Kossel. Schließlich steht Deutschland in Europa mit bereits 9,6 Millionen ".de"-Adressen mit Abstand an der Spitze. Die Bundesrepublik rangiert damit kurz hinter den USA. Dass es einmal mehrere Millionen "Europäer" im Internet geben wird, ist nicht ausgeschlossen. Bereits in der "Sonnenaufgangs"-Phase ab Anfang Dezember haben sich mehr als 330.000 Firmen und Promis ihre Wunschadresse gesichert.
Stephanie Lob, AFP