Facebook-App: Statusnachrichten im Messenger - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Zurück in die Neunziger Facebook führt Statusnachricht ein

Früher musste niemand fragen, was die Freunde gerade machen. Sie schrieben es einfach in ihren Messenger-Status. Facebook führt die Abwesenheitsnachricht nun wieder ein. Warum nur?
Facebook: Und, was machst du gerade?
Facebook: Und, was machst du gerade?

Facebook: Und, was machst du gerade?

Foto: DADO RUVIC/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

BRB, AFK, BBL, alles klar? Das waren die Online-Statusnachrichten der späten Neunzigerjahre. Damals teilten wir unser Leben noch nicht über Twitter, sondern über kurze Zeilen im Instant Messenger. Be right back, away from keyboard und be back later informierten unsere Freunde - damals waren es ja noch richtige Freunde - dass wir gerade nicht am Rechner sitzen.

Facebook will die Statusnachricht nun wieder einführen. In der Seitenleiste der Smartphone-App, da wo die Kontaktliste zu sehen ist, erscheinen nun Statusnachrichten, daneben kleine Icons oder ein Foto. Falls Ihnen gar nicht klar war, dass diese App überhaupt eine Seitenleiste hat: Das geht den meisten Nutzern so. Sie ist ja auch nicht wirklich nützlich. Sie finden sie mit einem Tipper auf einen Button oben rechts in der App.

Das Update mit der neuen Funktion kann derzeit nur in Taiwan und Australien heruntergeladen werden. Bei einem Test auf einem SPIEGEL-ONLINE-Gerät in Sydney wurden die letzten Updates aus dem Newsfeed angezeigt, oder eben ein speziell festgelegter Status. Wer will, kann auch seinen Aufenthaltsort teilen. Zwölf Stunden lang sind die Meldungen zu sehen, berichtet "The Daily Dot ". Wie bei anderen Updates kann der Nutzer einstellen, wer den Status sehen kann.

Facebook und die doppelte Statusnachricht

Facebooks Neuerung ist an sich eine schöne Idee, sieht aber ein bisschen nach Verzweiflungstat aus.

  • Erstens hat Facebook selbst die Statusnachrichten einst beerdigt. Populär waren sie in Messengern wie ICQ und AIM, Yahoo und MSN - die nach der Einführung von Facebook langsam vor sich hinstarben. WhatsApp hat einen gründlich versteckten Status, aber mal ehrlich: Wann haben Sie den zuletzt aktualisiert?
  • Zweitens ist Facebooks ursprünglicher Zweck die Statusnachricht. Was sonst tat die Plattform damals, im Jahr 2004? Es war eine soziales Netzwerk nur für Statusnachrichten, endlich angezeigt in einem übersichtlichen Strom von Informationen.

Eine neue Chance für Songtexte und Liebeserklärungen

Doch der Nachrichtenfluss bei Facebook hat seinen Wert verloren. Zu durchmischt ist er mit Werbung. Bei jüngeren Nutzern verliert die Plattform langsam an Popularität, wer noch da ist, teilt lieber belanglose Videos und aufrüttelnde Artikel. Persönliches? Fehlanzeige, von den unumgänglichen Guck-mal-mein-Baby-Eltern einmal abgesehen.

Doch wer postet heute noch Songtexte, Liebeserklärungen und verfälschte Philosophenzitate?

Gerade die persönliche Relevanz ist es, mit der Facebook seine Nutzer binden will. Also ist das neue Status-Update eigentlich eine logische Idee. Es tut zwar das ziemlich genau Gleiche wie das alte Status-Update. Aber es sieht eben anders aus. Es ist vor allem: ständig zu sehen.

Die besten Freunde stehen in der Facebook-Seitenleiste ganz oben, also jene Menschen, die uns tatsächlich interessieren. Die Funktion löst also ein Problem, das Facebook selbst verursacht, und animiert - vielleicht - ein paar Nutzer, wieder persönlicher zu werden. Falls das irgendjemand will.

In diesem Sinne:

!-! AFK !-!