Facebook F8: Ich denke, also chatte ich? - DER SPIEGEL
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Facebook-Forschung Ich denke, also chatte ich?

Spracherkennung liegt im Trend, doch Facebook will mehr: Der Konzern träumt langfristig von einer Technologie, mit der sich Gedanken ohne den Umweg über Tastatur oder Stimme in Text verwandeln lassen.
Facebook-Managerin Regina Dugan auf der Entwicklerkonferenz F8
Facebook-Managerin Regina Dugan auf der Entwicklerkonferenz F8

Facebook-Managerin Regina Dugan auf der Entwicklerkonferenz F8

Foto: Stephen Lam / REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Facebook hat auf seiner Entwicklerkonferenz F8 gerade jede Menge Visionen für die Tech-Zukunft vorgestellt, vom Editor für Kameraeffekte bis zum Virtual-Reality-Chatprogramm. Manche Ideen betreffen die nächsten Monate, andere die nächsten Jahre. Wieder andere reichen so weit in die Zukunft, dass nicht einmal der Konzern selbst eine Einschätzung dazu abgibt, wann sie erfolgreich umgesetzt werden oder gar in den Alltag einziehen könnten. Zu den ambitionierteren Zielen des Konzerns zählt es etwa, den Mensch direkt aus dem Gehirn Worte in einen Computer schreiben zu lassen.

Facebook-Managerin Regina Dugan sagte am Mittwoch, es gehe zum Beispiel um die Möglichkeit, einem Freund eine Textnachricht zu schicken, ohne das Smartphone herauszuholen. Dugan verwies dabei auf aktuelle Forschungen an der Stanford-Universität , in denen eine gelähmte Frau dank Elektroden - "so groß wie eine Bohne" - im Gehirn acht Worte pro Minute in den Computer schreiben könne.

Vortrag von Regina Dugan

Vortrag von Regina Dugan

Foto: Andrej Sokolow / dpa

Für eine Ausbreitung der Technologie seien Implantate aber nicht geeignet, meint Dugan, die zuvor in Googles Zukunftslabor und für die Forschungsagentur DARPA tätig war. Es müsse sehr empfindliche Sensoren auf der Oberfläche des Kopfs geben: "Solche Technologie existiert heute nicht. Wir werden sie erfinden müssen."

Ein Team von 60 Forschern

Bei Facebook arbeite ein Team aus 60 Forschern an der Vision, heißt es auf der F8. Dessen aktuelles Ziel sei es, auf 100 Worte pro Minute zu kommen - was deutlich schneller wäre, als wenn man auf dem Smartphone tippt.

Ein Nebeneffekt der Technologie könne auch sein, dass sich Menschen in anderen Sprachen ausdrücken könnten, ohne sie zu lernen, sagte Dugan. So könnte zum Beispiel der Gedanke an eine Tasse direkt mit dem entsprechenden Fremdwort in Spanisch oder Chinesisch umgesetzt werden.

Es gehe Facebook auf keinen Fall darum, wahllos Gedanken von Menschen zu lesen, betonte Dugan. "Du machst viele Fotos und entscheidest dich, nur einige davon zu teilen", sagte sie bei ihrer Präsentation. "Ähnlich hast du viele Gedanken und du entscheidest, einige davon weiterzugeben."

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Auch Elon Musk interessiert solche Technologie

Doch längst nicht nur Facebook macht sich gerade Gedanken über eine solche Technologie. Neben vielen Forschern weltweit interessiert sich auch Tech-Milliardär Elon Musk dafür, wie das menschliche Gehirn direkt mit Computern vernetzt werden könne. Der 45-Jährige sei an dem Unternehmen Neuralink beteiligt, das entsprechende Elektroden entwickeln will, berichtete das "Wall Street Journal" Ende März.

Musk, Chef des Elektroautobauers Tesla und der Weltraumfirma SpaceX, hatte bereits bei einem Konferenzauftritt im vergangenen Jahr gesagt, dass er künstliches Nervengewebe zum Verbinden mit Computern für eine wichtige Zukunftstechnologie halte. Das könne Menschen helfen, mit der künftigen künstlichen Intelligenz mitzuhalten, vor deren möglichen Übermacht Musk mehrfach warnte.

Musk sprach von einem "direkten Interface zur Hirnrinde". Insgesamt blieb er damals aber vage, und deshalb war unklar, ob es ein konkretes Projekt oder eine Technik-Fantasie ist. Musk will auch Menschen zum Mars bringen und schlug das Transportsystem Hyperloop vor - eine Art riesige magnetbetriebene Rohrpost, die Menschen und Waren mit über 1000 Kilometern pro Stunde befördern soll. Mehrere Unternehmen versuchen derzeit, Hyperloop-Trassen zu bauen.

mbö/dpa