Gesuchter foppt Polizei bei Facebook "Ich brauche ein neues Fahndungsfoto"
Gesenktes Haupt, hochgezogene Augenbrauen, eine angerissene Tätowierung: Als die Polizei von Christchurch in Neuseeland am Sonntag das Porträtfoto eines jungen Mannes bei Facebook veröffentlichte, ahnte sie noch nicht, was dies auslösen würde. "Gesucht!" stand neben dem seltsamen Bild: "Samuel Evan L. ist zur Festnahme ausgeschrieben. L. ist 23 Jahre alt, 171 Zentimeter groß und von dünner Statur. Auf seinem Hals trägt er als Tätowierung den Schriftzug Fate - Schicksal."
Eine Stunde, nachdem die Anzeige online ging, antwortete ein Facebook-Mitglied mit den Namen "Sam L." auf den Beitrag der Polizei. "Ich brauche ein neues Fahndungsfoto!", schrieb der Nutzer - und änderte sein Profilbild in eine Fotomontage aus dem Fahndungsfoto und Ben Stillers albernem "Blue Steel"-Gesicht aus der Komödie "Zoolander".
Für die Polizisten von Christchurch war das eine Vorlage, prompt reagierten sie auf "L."s Wunsch nach einem neuen Foto. Bei Facebook schrieben sie: "Komm und besuch uns und wir erledigen das ganz umsonst." "L."s Antwort: "Wenn ihre Fähigkeiten, mich zu finden, nur so gut ausgebildet wären wie ihre Schlagfertigkeit …"
3100 Abonnenten gesammelt
Der Online-Schlagabtausch blieb nicht unbemerkt. Bei Facebook und auf Plattformen wie Reddit und Imgur machten die kuriosen Textnachrichten die Runde: Geschichten von anderen dämlichen, gerissenen und schlagfertigen Gesuchten wurden ausgetauscht, "Sam L." wurde für seine Chuzpe beglückwünscht. Bis Montagmorgen haben 3100 Facebook-Nutzer die öffentlichen Updates seiner Seite abonniert.
Doch auch die Polizei schenkte dem Fall weiter ihre Aufmerksamkeit. Sonntagnacht meldete die Christchurch Police via Facebook: "Danke an alle, die uns heute Nacht beim Auffinden von Herrn L. in Wellington geholfen haben." Details: keine. Was Sam L. vorgeworfen wurde, ob das unterhaltsame Facebook-Profil von ihm stammt oder ein gut getimter Scherz eines Dritten ist: ungewiss.
Das letzte Wort hat bis jetzt Sam L.s Facebook-Namensvetter. Am Montagmorgen mitteleuropäischer Zeit aktualisierte dieser sein Profil und schrieb, er sei in der Nacht zum Montag wieder auf freien Fuß gesetzt worden: "Auf der einen Seite hat der Polizeihund mein Bein zerstört, aber … auf der anderen Seite: FREIHEIT! [Herz, Herz] Zoolander ist wieder in der Stadt!"
Eine Antwort der Polizisten von Christchurch steht noch aus - bislang haben sie weder per Facebook auf den Beitrag reagiert, noch eine SPIEGEL-ONLINE-Anfrage beantwortet.