Fahndung im Web: Aktenzeichen XY BKA - DER SPIEGEL
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Fahndung im Web Aktenzeichen XY BKA

Bundesinnenminister Otto Schily sieht im Internet den direkten Draht zum Bürger. Ihn öfter und effektiver in die Fahndungsarbeit einzuspannen scheint verlockend: Die Website des BKA soll künftig das Material für die ehrenamtliche Verbrecherjagd liefern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Über 500 Mörder sollen seit dem 20. Oktober 1967 gefasst worden sein, weil Eduard Zimmermann und seine Nachfolger, unterstützt von einer notorisch dilettantischen Laienspielschar, das gebannte Publikum zur Bürgerhatz auf Verbrecher aufriefen. Das Format war stets noch umstrittener als erfolgreich, nutzten doch abertausende Freizeit-Denunzianten die günstige Gelegenheit, dem Schorsch von Nebenan mal richtig einen zu verpassen: Hatte er nicht auch so fettige lange Haare wie der Bankräuber bei "XY"?

Trotzdem gilt die ehrenamtliche Gangsterhatz manchem als Erfolgsmodell, das sich allerdings nur für die hartnäckigsten Fälle einsetzen lässt: Zu selten flimmert der mediale Fahndungsaufruf über den Bildschirm, und hat seit Zimmermanns Abgang zudem mit sinkenden Quoten und fallender Beliebtheit zu kämpfen. Selbst der XY-Fanclub "Zuschauerreaktionen" jammert mittlerweile über die Kultserie im quantitativen wie qualitativen Abwärtstaumel.

Zeit, ein eigenes Pferdchen zu satteln, dachte man sich da beim Bundeskriminalamt - und was eignet sich da besser, als das zunehmend multimediale Internet?

Wer beim BKA heute Aktualia sucht, sollte sich Zeit lassen: Zwar hat das Amt regelmäßig was zu melden, doch bis das auf der aktuellen Website landet, können schon mal ein paar Wochen vergehen. Die letzte Pressemitteilung stammt vom 27. Februar, und deshalb sei kurz zusammengefasst, was man in einer etwas neueren hätte lesen können: Das Bundeskriminalamt will bei der Verbrechensaufklärung künftig mehr auf das Internet setzen. Bilder von Überwachungskameras sollen online gestellt werden, damit Internet-Surfer die Täter identifizieren können.

"Das ist moderne Polizeiarbeit", erklärte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) am Dienstag in Berlin. Damit nutze das BKA eine neue Dimension der Fahndung. "Mit der neuen Methode, von Überwachungskameras aufgezeichnete Straftaten ins Netz zu stellen, erreichen wir eine neue Zielgruppe."

Die Fahnder erhoffen sich, dass Internet-Nutzer die unbekannten Täter mit Hilfe der Bild- und Tonsequenzen erkennen können. Einbrecher oder Bankräuber sollen bei ihrer Tat gezeigt werden, um sie so schneller entlarven zu können. Bisher gibt es beim BKA nur Fahndungs- und Tatort-Fotos. Jetzt soll es multimedial werden.