Favicons: Kult ums Quadrat - DER SPIEGEL
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Favicons Kult ums Quadrat

"Schuld" hat wieder mal Microsoft: Mit dem Internet Explorer 5.0 veröffentlichte die Gates-Company schon 1999 eine kleine Innovation, die zunächst kaum jemand bemerkte. Doch "Favicons" sind ein gefundenes Fressen für Jäger und Sammler.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Fangen wir einmal ganz am Anfang an: "Wat is'n Favicon?"

Die Frage lässt sich noch ungewöhnlich leicht klären. "Favicons - Favorite Icons (Dt. 'Lieblings Symbole')", ist bei akademie.de zu lesen, "sind kleine Bilder mit dem Dateiformat *.ico, die unter anderem in der Taskleiste, im Windows Startmenü, als Verknüpfung auf dem Desktop und - bei einigen Browsern - vor der URL auftauchen."

Oder kurz und knapp: Es geht um die kleinen Grafiken, die man links von der Adressanzeige im Eingabefeld des Webbrowsers sieht. Im Augenblick prangt da ein zierliches "SPON" in den SPIEGEL-Farben, denn kaum ein Webmaster, der da nicht mitmacht.

Favicons sind eine prächtige Spielerei, aber sie sind auch nicht völlig zweckfrei. Die Bildchen im seltsamen *.ico-Format werden gleich in mehreren Auflösungen und Größen ausgeliefert, als Grafik-Päckchen sozusagen. Der Rechner wählt sich aus der *.ico-Datei diejenige aus, die er gerade braucht: Oben im Browserfenster ist das die 16-Pixel-Version.

Angefangen hat damit Microsoft. Erster Browser mit eingebauten Favicon-Möglichkeiten war die zweite Betaversion des Internet Explorer 5, veröffentlicht im November 1998. Die erwies sich als erheblich stabiler als die zu diesem Zeitpunkt bereits seit Juni 1998 getestete Beta 1, so dass bereits im März 1999 das Favicon seinen Siegeszug antreten konnte.

Der war - wie immer bei Microsoft - unaufhaltsam. Die Koppelung des IE 5 an das Betriebssystem Windows sorgte für rasende Verbreitung gerade bei den gut (oder zumindest neu) ausgerüsteten Usern. Webmaster kratzte die Mini-Grafik kaum, und zudem konnten sie ja durchaus Vorteile darin entdecken: Bookmarks respektive Lesezeichen waren mit Favicon auffälliger als ohne, und auch auf dem Desktop machte sich der "Internet Shortcut" doch viel besser, wenn er beispielsweise mit einem Firmenlogo untermalt war.

Die Konkurrenz jedoch schlief

Bis andere Browserhersteller nachzogen mit der "Fav"-Fähigkeit, sollte einige Zeit vergehen. Den Vorreiter machte die Betaversion von Mozilla 0.9.6 im November 2001, knapp gefolgt vom Linux-Browser Konqueror. Im August 2002 folgte Netscape mit der 7.0, die auf die katastrophale 6er-Variante folgte, die ja nicht nur an Favicons scheiterte. Opera 7 kam fast zeitgleich, Apples Safari nahm die Kästchen ebenfalls auf und seitdem geht es fast nicht mehr ohne.

Da war es nur eine Frage der Zeit, bis eine vitale Szene rund um die kleinen Quadrate entstand. Zu den frühen Sammlern in Deutschland zählte Stefan Einspender, der schon im ersten Halbjahr der Favicon-Geschichte fast 800 der kleinen Grafiken zusammentrug - und zur wohl seltsamsten Linkseite montierte, die man im deutschsprachigen Web findet.

Jede der Mini-Grafiken in seinem Flickenteppich "Patchwork"  steht für eine Website. Per "Mausover" erfährt man, wohin die Reise geht - aber das wäre ja nur der halbe Spaß. Viel witziger ist es, sich von den Blöckchen zum Klick verleiten zu lassen, auch wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. SPON, kurz für "SPIEGEL ONLINE", sei jedenfalls "natürlich auch dabei", sagt Einspender. Na dann, fröhliche Suche.

Frank Patalong