Fazit einer Weltmeisterschaft: Robocup am Wendepunkt - DER SPIEGEL
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Fazit einer Weltmeisterschaft Robocup am Wendepunkt

Der Roboter-Fußballwettkampf steht vor grundlegenden Neuerungen. Eine Woche kämpften die Teams mit bekannten Problemen - und zeigten zugleich neue Ansätze und Fähigkeiten.
Von Hans-Arthur Marsiske
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Insgesamt hat diese RoboCup-WM wieder deutliche Fortschritte in der Technologie gezeigt, am beeindruckendsten wohl in der Liga der Roboterhündchen, wo das Team der University of New South Wales eine Zielstrebigkeit und Präzision erreicht hat, die im vergangenen Jahr noch undenkbar gewesen war. Die meisten anderen Teams haben jedoch immer noch Probleme mit der Bildverarbeitung, insbesondere der Farberkennung.

In der Simulationsliga sind mittlerweile Spielzüge zu sehen, die auch "richtigem", menschlichem Fußball alle Ehre machen können. Allerdings scheint hier mit dem jetzigen Niveau der Defensivstrategien ein Punkt erreicht worden zu sein, an dem über grundlegende Neuerungen nachgedacht werden muss.

Zum einen werden die Teams ein größeres Gewicht auf die Offensive legen müssen. Zum anderen könnte es aber auch an der Zeit sein, in der Simulation die dritte Dimension einzuführen. Das würde den Spielen eine ganz neue Dynamik verleihen. Wenn mittlerweile Robocup-Debütanten wie China oder Iran mit einem Schlag Weltklasseniveau erreichen können, dürften auch die technologischen Voraussetzungen dafür gegeben sein.

In der Small Size League waren einige Roboter bereits mit eigenen Kameras ausgerüstet. Gegen die Konkurrenz, die weiterhin auf die Bilder der über dem Spielfeld angebrachten Kamera zugriff, hatten sie damit zwar keine Chance. Dennoch deuten sie damit in die Richtung, in die sich diese Liga entwickeln wird: Man strebt hier zu verstärkter Autonomie der Spieler und denkt auch bereits über größere Spielfelder nach. Es ist denkbar, dass es irgendwann sogar zu einer Verschmelzung der Small und Middle Size League kommt.

Der Wendepunkt, an dem die Middle Size League steht, ist durch die Stichworte Kooperation und Strategie gekennzeichnet. Dies waren klar erkennbar die Stärken der Freiburger Roboter, die ihre Langsamkeit mehr als ausgleichen konnten. In diesem Bereich ist die Small Size League bereits weiter, so dass auch in dieser Hinsicht von einem Zusammenführen der beiden Ligen starke Impulse für den Robocup insgesamt ausgehen können.

Die ersten Gehversuche der humanoiden Roboter, die bei dieser WM zu sehen waren, konnten noch nicht recht überzeugen. Aber bei dem derzeitigen Entwicklungstempo in der Robotik dürfte sich das rasch ändern.

Ein weiterer interessanter Aspekt des diesjährigen Robocups zeigte sich nicht auf den Spielfeldern, sondern drum herum: Es ist der deutlich gestiegene Anteil von Frauen sowohl in den Teams als auch unter den Zuschauern. Fußballroboter sind keine reinen Spielzeuge für Jungen mehr. Von diesem Trend könnten die vielleicht nachhaltigsten Impulse für die weitere Entwicklung ausgehen.