Feilschen im Netz: Gib mir Rabatt! - DER SPIEGEL
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Feilschen im Netz Gib mir Rabatt!

Da muss man erst einmal drauf kommen: Auch im Netz kann man mit Händlern feilschen. Und zwar kräftig, sagt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die probierte das aus - und erhandelte teils saftige Preisabschläge.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der gemeine Deutsche hat ein Feilsch-Problem. Wenn der Händler, bei dem er kaufen will, nicht zufällig gerade hinter einem Tapeziertisch voller Trödel oder auf einem Basar in einem Land mit mindestens 30 Grad Durchschnittstemperatur steht, fällt ihm das Feilschen schwer - dabei kommt "Händler" von "Handel".

Feilschen, Schachern, Herunterhandeln, Preis drücken oder Extras aushandeln gehört einfach nicht zum sozialen Grundrepertoire des wohl erzogenen Deutschen: Der geht einkaufen und zahlt, was verlangt wird. Oder er geht eben wieder, ohne zu kaufen - da wäre so mancher Händler froh, wenn stattdessen ein wenig gefeilscht würde.

Und das gilt augenscheinlich auch online, wenn man einem launigen Versuch der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen  glauben kann. Die machte die Probe aufs Exempel und nahm den Preis von Waren im Online-Shop mal nicht als in Stein gemeißelt, sondern als Verhandlungsgrundlage. Eine E-Mail-Adresse hat schließlich jeder Shop.

Deals zum beidseitigen Vorteil

Davon schrieben die Verbraucherschützer 60 an - vom "kleinen Internet-Krauter" bis zum großen Web-Kaufhaus. Das überraschende Ergebnis: Nur zehn der Händler antworteten nicht, rund 20 gewährten Rabatte, einige weitere boten stattdessen Anreize wie freiwillige Verlängerung von Garantiefristen, Verzicht auf Versandgebühren oder kleine Zeichen guten Willens - einer bot als süßen Anreiz eine Tafel Schokolade, wenn man eine Pfanne kaufe.

Denn die Güter, um die die Verbraucherschützer feilschten, waren Waren mitten aus dem Leben: Mountainbikes, Cityräder, Mikrowellen oder Kaffeevollautomaten. Im Schnitt spendierten die verhandlungsbereiten Internet-Shops sieben Prozent Rabatt. Kleine Versender waren dabei großzügiger als die großen. Die meisten Rabatte gab es bei den Fahrrädern. Zwischen fünf und den gewünschten zehn Prozent Rabatt betrug das Entgegenkommen. Je nach Preis des Rades bedeutete das Preisnachlässe zwischen zehn und 190 Euro.

In einem Fall legte der Händler sogar selbst nach: Statt auf die prozentuale Anfrage nach 10 Prozent Nachlass einzugehen, gewährte er 22 Euro Ablass auf eine 149 Euro teure Ware - und damit rund 15 Prozent Rabatt. Auch sonst verlief alles so wie im richtigen Leben: Während kleine Händler mit sich handeln und kommunizieren lassen, prallt man an den großen Web-Kaufhäusern eher ab: Die halten Formbriefe für eine Form der Kundenkommunikation. Macht nichts, dann kauft man sein Schnäppchen halt woanders.

pat