Fingierte Google-Website Cyber-Spione attackieren Obamas Mitarbeiter
Das Weiße Haus (November 2008): Mitarbeiter der Regierung im Visier von Hackern
Foto: A3464 Rainer Jensen/ dpaHamburg - Name und Passwort müssen auf der Google-Web-Seite eingegeben werden, bevor man auf den E-Mail-Dienst des Unternehmens zugreifen kann. Misslich ist es allerdings, wenn die Web-Seite zwar so aussieht wie die von Google - in Wirklichkeit aber von Hackern gefälscht wurde.
Genau das aber ist passiert. Wie Google mitgeteilt hat, haben Unbekannte versucht, mit Hilfe von nachgemachten Web-Seiten an die Login-Daten von Hunderten Nutzern zu gelangen. Darunter seien hochrangige Mitarbeiter der US-Regierung, chinesische Aktivisten, südkoreanische Beamte, Militärangehörige und Journalisten. Der Phishing-Angriff habe bis nach Jian, einer Stadt in China, zurückverfolgt werden können. Die Angreifer hätten es auf private E-Mail-Konten abgesehen, in der Hoffnung, Mitarbeiter der Regierung würden die Trennung zwischen dienstlichen und privaten E-Mails nicht so genau nehmen, berichtet das "Wall Street Journal" .
Die US-Regierung ist alarmiert: "Diese Vorwürfe sind sehr schwerwiegend. Wir nehmen das sehr ernst und haben eine Untersuchung eingeleitet", sagte US-Außenministerin Hillary Clinton laut "Guardian" . Das FBI sei eingeschaltet worden. Am Freitag legte das Ministerium nach: Man habe gegenüber der chinesischen Regierung Besorgnis ausgedrückt und um Aufklärung gebeten, sagte ein Sprecher.
Die chinesische Regierung wies den Verdacht - natürlich - umgehend zurück, hinter den Angriffen zu stehen. Im Gegenteil: Dies sei ein internationales Problem, China leide selber unter Hacker-Angriffen, teilte das Außenministerium mit.
Öffentliche Warnung schon im Februar
Google betonte, dass es kein technisches Sicherheitsproblem mit dem E-Mail-Dienst an sich gebe. Im offiziellen Firmenblog wurde außerdem auf eine Möglichkeit hingewiesen, das eigene E-Mail-Konto mit einer zusätzlichen Abfrage zu sichern. Die sogenannte Zwei-Stufen-Authentifizierung hatte das Unternehmen erst im Februar eingeführt.
So geht das: Googles 2-Step-Anmeldung
Wie der "Guardian" berichtet, hat es bereits Anfang des Jahres Hinweise auf die gefälschten Login-Seiten gegeben. Eine Bloggerin aus Washington war auf den Angriff aufmerksam geworden, eine erste Analyse veröffentlichte sie am 17. Februar . Schon damals schien klar, dass Regierungsmitarbeiter und Militärs ausgespäht werden sollten.
So liefen die Angriffe ab: Die Zielpersonen bekamen scheinbar an sie persönlich gerichtete Nachrichten, die von Kollegen oder offiziellen Stellen zu stammen schienen. In den E-Mails wurden sie aufgefordert, sich ein Dokument anzusehen - beim Klick auf den Link gelangten sie zu der präparierten Login-Seite. Ihre E-Mail-Adresse war schon in das gefälschte Anmeldeformular eingetragen.
Nur durch genaues Hinsehen hätten die Angegriffenen den Betrug bemerken können: So kam bei dem Phishing-Einsatz eine Google-Seite aus dem vergangenen Jahr zum Einsatz, seitdem hat sich das Layout leicht verändert. Außerdem verweisen einige Links auf der gefälschten Seite auf koreanische Google-Angebote und nicht auf US-Seiten.
Google stoppte Weiterleitungen
Nach einem erfolgreichen Abgriff der Login-Daten richteten die Angreifer eine automatische Weiterleitung der E-Mails ein - und konnten von da an den gesamten privaten E-Mail-Verkehr mitlesen. Nach Angaben von Google sei der Scam von den eigenen Sicherheitsroutinen entdeckt worden, woraufhin die Weiterleitungen gestoppt und die betroffenen Benutzer informiert worden seien.
Der republikanische Abgeordnete Darrell Issa kritisierte das Weiße Haus. Würden alle Mitarbeiter der Regierung sich an das Verbot halten, Dienstgeschäfte über private E-Mail-Konten zu tätigen, gebe es schlicht keine vertraulichen Informationen zu stehlen. "Wir wissen, dass sich leider nicht alle an die Regeln halten", sagte er laut "Wall Street Journal" . Dadurch entstehe ein unnötiges Risiko.
Im vergangenen Jahr war es zum Bruch zwischen Google und der chinesischen Regierung gekommen: Das Unternehmen hatte 2006 in dem Land eine spezielle Version der Suchmaschine angeboten, die auf die Zensurwünsche der Regierung Rücksicht nahm. Von Kritikern war dem Unternehmen deswegen vorgehalten worden, das Firmenmotto "Don't be evil" verraten zu haben. Auch innerhalb des Unternehmens war der Schritt höchst umstritten, in China eine politisch zensierte Version der Web-Suche anzubieten - schließlich siegte der Geschäftssinn.
Nachdem Google einen massiven Angriff auf das Passwortsystem und die E-Mail-Konten von Menschenrechtsaktivisten festgestellt hatte, wurde die Strategie geändert: keine Zensur mehr, statt Kooperation nun Konfrontation mit der chinesischen Regierung. Das Unternehmen suchte sich Hilfe beim US-Geheimdienst NSA und schmiedete mit weiteren Firmen eine Allianz gegen Internetzensur. Schließlich zog die Suchmaschine nach Hongkong um und schaltete die China-Filter ab.
Was bei dem jüngsten Angriff an Information in fremde Hände fiel, ist bisher nicht klar. Die US-Regierung ist derzeit noch damit beschäftigt herauszufinden, welche Mitarbeiter überhaupt betroffen waren.