Flight Simulator X: Microsofts ältestes Produkt fliegt - DER SPIEGEL
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Flight Simulator X Microsofts ältestes Produkt fliegt

Für Viele ist er das PC-Spiel schlechthin, Mancher nimmt ihn so ernst wie einen Job: Microsofts Flugsimulator ist ein Klassiker, über 20 Jahre alt. Jetzt kommt die zehnte Inkarnation - und diesmal kann man nicht nur Pilot, sondern auch Fluglotse spielen - sogar im Netz.
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Wenn Scott Andersen, Microsofts Business Development Manager für den Flight Simulator und seit seiner Jugend Pilot, über den neuen Flight Simulator X spricht, kommt er schnell ins Schwärmen. Immerhin, so verkündet er stolz, sei der Flugsimulator "das älteste Produkt in Microsofts Portfolio". Keine andere Software, so Andersen, wird seit so vielen Jahren kontinuierlich gepflegt und weiter entwickelt. "Nicht einmal Windows", wie er mit einem Augenzwinkern anmerkt.

Man mag es ihm glauben. Schließlich liegen die Anfänge des Flight Simulator mittlerweile über 25 Jahre zurück. Damals entwickelte der Programmierer Bruce Artwick die erste Version des "A2-FS1 Flight Simulator" für den Apple II. Von dessen großem Erfolg angezogen, buhlten bereits ein Jahr später IBM und Microsoft darum, die Software in Lizenz für den IBM PC produzieren zu dürfen. Artwick gab Microsoft den Zuschlag. Nach eigener Aussage, weil ihm "die Atmosphäre in dieser kleinen Firma" so sehr gefiel.

Ein Jahr später veröffentlichte Microsoft den ersten "Microsoft Flight Simulator" für den PC. Immerhin 20 Flugplätze konnte man damit schon anfliegen und sich während des Fluges mit acht Bordinstrumenten beschäftigen. Das reichte aus, um die Software zum Mega-Seller zu machen, die sich mit jeder Inkarnation erneut millionenfach verkaufen ließ.

Erfolg ist auch für die neueste Version, den Flight Simulator X (FSX), wieder zu erwarten. Das lässt zumindest ein Blick in die zahllosen Internet-Foren vermuten, die sich mit der Flugsimulation beschäftigen. Dort wird bereits seit Monaten darüber diskutiert, was die neue Version an Verbesserungen bringen wird und ob sich der Umstieg für altgediente Simulator-Piloten lohnt.

Rush Hour im Simulator

Geändert hat sich einiges. So sind wieder ein paar neue Flugzeuge hinzugefügt worden. Die Highlights dürften das Wasserflugzeug Grumman Goose sowie, ein Novum im Flight Simulator, der Airbus A321 sein, in deren Cockpit sich PC-Piloten künftig austoben können. Vor allem aber haben die Programmierer das ganze Drumherum aufgewertet. Dazu gehört beispielsweise, dass auf den Flughäfen jetzt jede Menge Versorgungsfahrzeuge unterwegs sind und auf Autobahnen und Straßen Autos und Lkws hin und her fahren. Wie viele zu sehen sind, ändert sich mit der Tageszeit – Stau inklusive.

Selbst im Wasser ist jetzt einiges los: Von der kleinen Jolle bis zum übergroßen Flugzeugträger tummeln sich allerlei Seegefährte in den simulierten Gewässern. An Land hingegen kann man nun Elefantenherden bei ihrem Zug durch die afrikanische Steppe beobachten oder ganzen Schwärmen von Zugvögeln bei ihrem Zug gen Süden zusehen.

Die realistischen Grafiken fordern allerdings ihren Tribut in Form von Rechenleistung. Einen ordentlich ausgestatteten PC der 3-GHz-Klasse samt schneller Grafikkarte sollte man schon haben, um die Regler für die Darstellungsqualität zumindest ein wenig nach rechts verschieben zu können. Seine volle Pracht wird der FSX jedoch erst nach der Veröffentlichung von Windows Vista und vor allem mit der dazu gehörenden Grafiktechnologie DirectX 10 entfalten. Dann, so Andersen, wird man die simulierte Welt kaum wiedererkennen können – entsprechend leistungsfähige Hardware vorausgesetzt.

Lotsen statt fliegen

Bis es soweit ist, kann man sich die Zeit allerdings bestens mit den anderen neuen Funktionen im FSX vertreiben. Herausragendes Merkmal sind sogenannte Missionen. Sie geben dem PC-Piloten einen guten Grund, in die Luft zu gehen. Statt einfach nur herumzufliegen, kann man sich nun einen Auftrag geben lassen, den es binnen vorgegebener Zeit zu erfüllen gilt.

Mitgeliefert werden über 50 solcher Aufträge. Deren Spannweite reicht von der Einweisung in die Grundlagen des Fliegens über die Notlandung auf einem Flugzeugträger bis hin zur Rettungsmission auf einer brennenden Bohrinsel. Dabei wird es allerdings nicht lange bleiben, glaubt Scott Andersen, denn man kann auch eigene Missionen erstellen. Davon, so orakelt er, werde es in einem Jahr schon Tausende geben.

Wem das alles zu hektisch ist, der kann es sich mit der neuen Version auch im Kontrollturm bequem machen und via Online-Verbindung anderen Piloten Anweisungen erteilen. Damit aber nicht genug, kann man sich online auch zu gemeinsamen Flügen treffen. Dabei ist es sogar möglich, ein Flugzeug gemeinsam zu bedienen, was vor allem bei den vielen Instrumenten der großen Airliner sinnvoll erscheint.

Man kann sich aber auch, und diese Vorstellung gefällt Scott Andersen besonders gut, zu virtuellen Flugstunden treffen. So wie ihm sein Großvater vor etlichen Jahren das Fliegen beigebracht hat, könnten heute Fluglehrer und -Schüler ihre Lektionen via Internet am PC durchspielen. Allerdings werden dabei wohl die Rollen vertauscht sein, so Andersen, und eher der Enkel dem Großvater das Fliegen nahebringen.

Der Flight Simulator X ist ab heute verfügbar und wird ausschließlich auf DVD ausgeliefert. Während die Standard-Version für 60 Euro 17 Flugzeuge, sowie 40 Missionen mitbringt, sind in der 75 Euro teuren Professional-Version fünf zusätzliche Flugzeuge, 65 Missionen sowie die Fluglotsen-Funktionen enthalten.

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