Netzwelt-Ticker Forscher weisen Social-Media-Zensur in China nach
Internetcafé in Peking: Auffällig viele Löschungen im Südwesten
Foto: A2800 epa Diego Azubel/ dpaDass die chinesischen Behörden die Verbreitung von unliebsamen Nachrichten und Websites durch Websperren blockieren, ist lange bekannt. Aber wie weit gehen die Zensoren bei der Löschung einzelner Inhalte?
In einer sehr interessanten - und auch für Laien nachvollziehbaren - Studie wollen Forschern der Carnegie Mellon University das Ausmaß und das System der Webzensur in China analysiert haben : "Hiermit präsentieren wir die erste groß angelegte Analyse von politischer Inhalte-Zensur in sozialen Medien, das heißt, der aktiven Löschung von Nachrichten, die von Individuen gesendet wurden."
Dazu erstellten sie eine Übersicht aller bei Sina Weibo gelöschten - und von Spam bereinigten - Nachrichten, erstellen eine Inhaltsanalyse und verglichen die Nachrichten mit Kurznachrichten beim (vermutlich unzensierten) US-Dienst Twitter.
Das Ergebnis: Von rund 1,3 Millionen zufällig ausgesuchten Nachrichten wurden 213.000 von Sina Weibo gelöscht - auffällig häufig waren darunter Nachrichten mit bestimmten Schlüsselworten: Die Namen bestimmter Politiker und spiritueller Gruppen, Rücktrittsforderungen, Unfälle und Verschwörungstheorien.
Auffällig war auch die geografische Ungleichverteilung der Löschraten - im Südwesten Chinas wurde deutlich mehr gelöscht als etwa im Südosten. Was diese Ergebnisse aber genau zu bedeuten haben, müssen weitere Studien zeigen.
Undercover-Aktion gegen gefälschte Chips
Die Angst des US-Militärs vor gefälschten Chips ist offenbar begründet: Das amerikanische General Accountability Office (GAO) hat in einer verdeckten Ermittlung den Handel mit gefälschter Militärware aufgedeckt . Das GAO, mit ähnlichen Aufgaben betraut wie der Bundesrechungshof in Deutschland, bestellte unter falschem Namen ein Dutzend angeblich für den Militäreinsatz geeigneter Elektronik. Geliefert wurde aber gefälschte Billigelektronik, vor allem von Händlern aus China.
Mit dem erfolgreichen Undercover-Einkauf wollte das GAO nachweisen, dass die Versorgungskette des US-Militärs eine empfindliche Stelle hat und die Schlagkraft der Armee durch gefälschte, vielleicht sogar manipulierte Billigware beeinträchtigt werden könnte.
Außerdem:
- Karsten Gerloff von der Free Software Foundation Europe (FSFE) fordert Mitarbeiter des EU-Parlaments dazu auf, ein angebliches "Bestechungsgeschenk" von Microsoft zurückzuweisen . Der Softwarekonzern verteilte, wie üblich, kostenlose Office-Lizenzen an Parlamentsmitarbeiter ; für die FSFE droht dem Parlament damit ein Interessenkonflikt.
- Megaupload-Chef Kim Dotcom holt zum rhetorischen Schlag aus: Das US-Militärpersonal habe fast 16.000 Megaupload-Konten gehabt , sagt Dotcom, die Unterhaltungsindustrie habe sich früh Megaupload angedient und die Anklage baue auf falschen Tatsachen auf .
- Eigentlich hätte Sicherheits-Guru Bruce Schneier vor dem US-Kongress seine Sicht zu den Flughafenkontrollen in den USA erklären sollen - bis er wieder auf Wunsch der Sicherheitsbehörde TSA ausgeladen wurde. Angeblich, weil er gerade in einen Rechtsstreit mit der TSA verwickelt sei. Schneier glaubt aber: Weil sein Urteil all zu kritisch ausfallen könnte .
- Kann man mit Twitter den Erfolg von Kinofilmen vorhersagen, wie das Forscher der HP Labs vor ein paar Jahren nachgewiesen haben wollten ? Nein, heißt es jetzt in einem neuen Paper dreier Princeton-Studenten . Die Meinung von Twitter-Nutzern zu einem Film soll sich nicht in der Kritiker-Meinung auf Bewertungsseiten wiederspiegeln.
- Die EU-Kommission gibt laut Daten-Speicherung.de die Sperrung von Anonymisierungdiensten auf - wer zum Beispiel mit TOR surft, kann ab sofort auch wieder die Websites der Kommission besuchen. Ein Mitarbeiter der Kommission hatte zuvor behauptet, der Ausschluss habe Sicherheitsgründe , denn "Cyberangriffe [würden] typischerweise das TOR-Netzwerk nutzen".
- Es ist erst Dienstag und die Woche so lang? Was ist schon diese Arbeitswoche gemessen an der Größe des Universums! Wer sich mit solchen Gedanken nicht den Bürokaffee warm halten kann, könnte es mit diesem Foto eines kleinen Ausschnitts des Universums versuchen. 200.000 Galaxien in einem 250-Megabyte-Bild (Vorsicht, groß!) .