Smartphones Forscher knacken PIN-Codes mit Handysensoren
Smartphone-Kamera (Symbolbild): Teil der Angriffsstrategie der Forscher
Foto: SPIEGEL ONLINELaurent Simon und Ross Anderson von der University of Cambridge haben eine ungewöhnliche Methode (PDF) entwickelt, die es ermöglichen soll, Handynutzern ihre PIN-Nummern abzuluchsen. Indem sie Tippgeräusche belauschen und die Veränderungen der horizontalen und vertikalen Ausrichtung des Handys berücksichtigen, können sie berechnen, welche Ziffern der Anwender gerade auf dem Touchscreen eingegeben hat.
"Mit dem Mikrofon registrieren wir Touch-Ereignisse. Indem wir das Videobild der Frontkamera während der Eingabe aufzeichnen, können wir die entsprechenden Videobilder auslesen." Diese Daten kombinieren die Forscher mit dem zeitgleich aufgezeichneten Angaben darüber, wie sich die Ausrichtung des Handys im Raum verändert hat. Aus diesen Daten berechnen sie, welche Ziffern der Anwender wahrscheinlich gerade eingetippt hat.
Vollkommen verlässlich funktioniert diese Methode allerdings nicht. Nur selten errechnete die Software der Forscher den korrekte Code im ersten Anlauf, oft war sie erst nach weit mehr Versuchen erfolgreich. Eine erstaunliche Erkenntnis war, dass lange PIN-Codes keine geeignete Maßnahme sind, um sich gegen die neue Schnüffelmethode zu wehren.
Im Gegenteil: Bei vierstelligen PINs betrug die Trefferquote nach fünf Anläufen 30 Prozent. Achtstellige PIN-Nummern hingegen, konnte die von den Forschern entwickelte Software nach derselben Anzahl von versuchen bereits in 45 Prozent der Fälle korrekt berechnen.
Warnung an Software-Hersteller
Mit dem "PIN Skimmer" genannten Ansatz wollen die beiden Forscher auf ein generelles Sicherheitsrisiko hinweisen: Aktuelle Mobilgeräte sind mit zahlreichen Sensoren ausgerüstet, die für sogenannte Side-channel-Angriffe ausgenutzt werden können. So werden Angriffe bezeichnet, bei denen schwer zu knackende Sicherheitsvorkehrungen umgangen werden, in dem man leichter zu knackende Aspekte angreift.
In früheren Arbeiten zeigten Sicherheitsforscher bereits, wie sie über die Beschleunigungssensoren eines Handys die Eingaben auf einer nahegelegenen Tastatur auslesen konnten. Ähnlich clevere Angriffe könnte es, angesichts immer besserer und vielfältigerer Sensoren in Smartphones, künftig häufiger geben.
Vor allem aber lassen sich durch solche Ansätze selbst komplexe Schutzmechanismen überwinden, wie die beiden Forscher anhand von Samsungs Knox- und Blackberrys Balance-System erklären. Beide gelten als besonders sichere, die zwei unterschiedlich genutzte Bereiche im Handy voneinander abriegeln sollen, etwa um geschäftliches von privatem zu trennen.
Das eigentliche Problem aber sei, dass sich Software- und Handyhersteller noch nicht auf die neue Gefahr aus den Sensoren eingestellt hätten. So ist der Rat, den Simon und Anderson den Anbietern sicherheitskritischer Software, etwa für Mobile Banking, geben, ganz einfach: Sensoren aus bei der PIN-Eingabe!