Foto-Handys: Bäder nehmen Voyeure ins Visier - DER SPIEGEL
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Foto-Handys Bäder nehmen Voyeure ins Visier

Schon manche junge Frau musste schockiert feststellen, dass Nacktfotos von ihr im Internet kursieren. Meist handelt es sich um illegale Freibad-Schnappschüsse mit Foto-Handys. Doch die Schwimmbäder wehren sich zunehmend gegen Voyeure.
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Seit rund einem Jahr sind die Handy-Knipser dem Bundesverband Deutscher Schwimmmeister (BDS) ein Dorn im Auge. Vor allem Umkleidekabinen und Duschen nutzen sie, um mit den MMS-Geräten "wildfremde Schönheiten abzuschießen", weiß BDS-Vorsitzender Paul Bröcher zu berichten. Dabei werden die Mobiltelefone unter die Türschlitze geschoben und abgedrückt oder von oben in die Kabine gehalten, wie der Bäderexperte erläutert.

"Bundesweit rund 30 Fälle sind uns als Verband im vergangenen Jahr bekannt geworden", sagt Bröcher. Viele Badegäste sind sich aber offenbar der Tragweite dieses Tuns noch gar nicht bewusst und erstatten keine Anzeige wegen Beleidigung auf sexueller Grundlage, wie es im Polizeideutsch heißt. Sie empörten sich zwar über die Täter, belassen es jedoch meist beim Vertreiben der Jugendlichen oder jungen Männer. Deshalb geht Bröcher von einer "recht hohen Dunkelziffer" aus, was die "diversen Tauschbörsen mit solchen obszönen Bildern" im Web bestätigen.

Deutschlands Schwimmmeister machen gegen diese Unsitte mobil. Mit Warnschildern und Plakaten wollen sie die Badegäste gegen diese kriminellen Handlungen sensibilisieren. "Es geht hierbei keineswegs um Dumme-Jungen-Streiche", stellt Bröcher klar. So wurde gegen zwei Männer Strafanzeige erstattet. Die Polizei konnte ihnen schließlich nachweisen, dass sie Bilder ins Internet gestellt hatten.

In immer mehr Schwimmbädern wird mittlerweile am Eingang auf die Gefahren hingewiesen. Zugleich wurden die Tafeln um den Satz ergänzt: Das Fotografieren von Fremden ohne deren Einwilligung ist verboten. Mit Erfolg, wie Bröcher einschätzt. "Ich habe den Eindruck, dass es sich wieder beruhigt hat. Jedenfalls liegen uns dieses Jahr erst sieben Fälle vor, und die Badesaison geht ja bald zu Ende." Wie oft jedoch Frauen in diesem Sommer bislang unbemerkt geknipst worden sind, lässt sich nach Polizeiangaben nicht konkretisieren.

Ein generelles Mobiltelefonverbot in Freibädern ist jedoch nicht angedacht, wie Bröcher versichert. Dies sei rechtlich nicht durchsetzbar und würde zugleich die vielen "normalen Badenden" in ihrer persönlichen Freiheit einschränken.

Vermehrt installieren dem BDS-Chef zufolge Bäder jedoch Videotechnik in den Umkleidezonen. "Diese Kameras blicken selbstverständlich nicht in die Kabinen, sondern halten das Geschehen drumherum fest, beispielsweise wenn sich Personen untypisch längere Zeit vor den Türen aufhalten", sagt Bröcher. Die Reaktion der Badegäste sei positiv. "Wir fühlen uns sicherer", sei das überwiegenden Fazit.

Beim Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar gibt es gegen diese Überwachung keine Bedenken. "Wenn Schilder auf die Videokameras hinweisen und die sensiblen inneren Kabinenbereiche ausgespart werden, ist dagegen nichts zu sagen", betont Sprecherin Ira von Wahl. Die Aufnahmen sollten jedoch nach einiger Zeit wieder vernichtet werden, wenn keine Hinweise auf mysteriöse Personen vorlägen. "Äußerst problematisch" wäre es aber, wenn die Badegäste überall im Schwimmbad - ob auf Liegewiesen oder im Schwimmbereich - überwacht würden und sie sich nicht mehr unbeobachtet zurückziehen könnten, warnt von Wahl.

Wolfgang Schönwald, ddp

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