Architekturfotografie So gelingen Fotos von Gebäuden
Ehemaliger Bundesbank-Bunker in Cochem
Foto: TMN/ Thomas FreyUnbeweglich und geduldig stehen sie da. Gebäude aus Stein, Stahl, Glas. Noch ein Versuch mit der Kamera nötig? Bitteschön. Trotzdem ist es gar nicht so leicht, Gebäude und Räume auf Fotos zu bannen. Entweder man bekommt den Kirchturm nicht ganz aufs Bild, hat ein vorbeifahrendes Auto mit drauf oder erkennt den schönen Erker nicht, weil er im Schatten lag.
Deshalb braucht es in der Architekturfotografie Geduld, Planung und ein Gefühl für Raum und Linien. Auf diese Dinge sollten Hobbyfotografen achten:
1. Vorbereitung
Als Fotograf hat man alle Zeit der Welt, sich das Gebäude genau anzusehen, seinen Aufbau und Grundriss zu verstehen. Diesen Vorteil sollte man nutzen, rät Constanze Clauß vom Photoindustrie-Verband. Am besten ein Mal das Gebäude umrunden, um interessante Ecken zu entdecken.
2. Ausrüstung
"Wir brauchen weitwinklige Objektive, um das Gebäude ganz draufzukriegen", erklärt Thomas Nutt, Architektur-Fotograf aus Hamburg. Dazu sind sehr kurze Brennweiten nötig, zum Beispiel mit 20 mm. Nutt empfiehlt außerdem ein - am besten 2,50 Meter - hohes Stativ. Wer die Architektur möglichst korrekt abbilden will, muss in teure Objektive ohne optische Fehler investieren oder in Tilt-Shift-Objektive. Sie ermöglichen Perspektivkorrekturen, zum Beispiel bei stürzenden Linien. Ein Polfilter gegen Reflexionen auf spiegelnden Oberflächen kann die Arbeit ebenfalls erleichtern.
3. Licht
"Jedes Gebäude braucht ein eigenes Licht", erklärt Nutt. "Eine große Glasfläche würde ich versuchen, im Sonnenschein oder in der blauen Stunde zu fotografieren." Hier könne man gut mit Spiegelungen arbeiten. Andere Gebäude wirken vielleicht mit stürmischem Wolkenhimmel oder Nebelschwaden beeindruckender. Clauß rät, nicht mittags zu fotografieren, wenn die Sonne senkrecht steht. "Man muss gucken, dass das Licht so fällt, dass die Zeichnung der Oberfläche richtig hervortritt", sagt sie. Auf Lageplänen kann man Schattenwurf und Lichteinfall bereits im Voraus abschätzen.
Wangjing-Soho-Gebäude in China
Foto: Jan Martin4. Perspektive
Die Perspektive muss man sich erlaufen. Am besten wählt man sie nach den Linien aus, denen man folgen will, zum Beispiel Dachkanten oder Säulen. Will man die Symmetrie eines Louis-XIV-Schlosses zeigen, ist ein mittiger Standpunkt hilfreich. Bei asymmetrischen Gebäuden gibt es vielleicht ganz andere reizvolle Blickwinkel. Oft sind maßstabgebende Elemente sinnvoll, um Proportionen zu verdeutlich. Das können einerseits Menschen sein, aber auch ganz banale Dinge wie etwa Türklinken. Wer Menschen verschwinden lassen will, kann das elegant per langer Belichtungszeit tun, erklärt Clauß: Passanten verschwimmen so zu kaum sichtbaren Schwaden.
5. Innenarchitektur
Wer ein Gebäude von Innen ablichten will, zum Beispiel die Ferienwohnung oder das neue WG-Zimmer, sollte aus der Ecke fotografieren. So kann man den Raum möglichst ganz aufs Bild kriegen. Und zwar nicht mittig, sondern eher im Verhältnis ein Drittel zu zwei Dritteln, rät der Kölner Fotograf Oliver Rausch. "Wenn man ein Bild von einem Zimmer machen will, sollte die Kamera nach Möglichkeit gerade sein", sagt Nutt. "So sind auch Decke und Boden auf dem Bild zu erkennen." Und: Auf keinen Fall blitzen. Das mache die Architektur "platt".
6. Stil
Entweder man geht ganz nüchtern an die Architektur heran, zeigt Gegensätze oder wählt extreme Perspektiven. Auch mit Farbfehlern oder Verzerrungen darf man Akzente setzen. "Entweder das, was stört, zum Stil erheben oder eben vermeiden", fasst Rausch zusammen. Schwarz-weiß sollte man im RAW-Format fotografieren und die Bilder später am PC bearbeiten, rät Clauß. So behalten die Bilder ihre vollen Kontraste.
7. Verzerrung
Fotograf Nutt rät von der Froschperspektive ab. Denn bei extremen Perspektiven entstehen schnell stürzende Linien: Die Ränder des Gebäudes fallen dann nach oben hin optisch zusammen. Einige Kameras können das aber bereits korrigieren. Auch mit Shift-Objektiven lassen sich stürzende Linien vermeiden. Oder man rückt die Linien bei der Bildbearbeitung am Rechner gerade.