Fotoverbot: Pentagon dämpft Googles Neugier - DER SPIEGEL
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Fotoverbot Pentagon dämpft Googles Neugier

Auf Druck des Pentagons hat Google Fotografien aus einer US-Kaserne aus seinem Foto-Straßenatlas gelöscht. Das US-Verteidigungsministerium sprach zudem ein formelles Verbot aus, Google-Foto-Teams auf Militärgelände zu lassen.
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Ab sofort, machte das US-Verteidigungsministerium nicht zuletzt seinen eigenen Leuten klar, müssen Google-Fotografen draußen bleiben: Kasernen und andere Militärgelände dürfen von den Fototeams des Googe-Map-Dienstes Street View nicht abgelichtet werden. Street View ist eine Ergänzung des populären Google-Straßenkarten-Dienstes, der Panoramaaufnahmen der erfassten Gebiete bietet. Der Dienst ist auch im zivilen Bereich aus Datenschutzgründen stark umstritten.

Ein Fotoverbot in militärischen Anlagen ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit: In militärischen Wohngebieten oder auf Kasernengelände ohne Genehmigung mit Filmarbeiten zu beginnen, wäre auch hierzulande ein Top-Rezept, umgehend verhaftet zu werden. Der Witz der Meldung besteht darin, dass es überhaupt geschehen konnte, dass 360-Grad-Panoramaaufnahmen der Fort-Sam-Militäranlage in Houston, Texas, im Google-Dienst landeten.

Kaserne in Houston, nur noch von außen aus Distanz zu sehen:

Dabei entstanden die Bilder noch nicht einmal heimlich, sondern unheimlich offensichtlich. Ein Street-View-Team war mit einem Kamerawagen mit auf dem Dach montiertem Foto-Equipment einfach vor der Kaserne vorgefahren, hatte um Einlass gebeten und den anstandslos gewährt bekommen. Kurz darauf konnte man bei Street View 360-Grad-Panoramaaufnahmen bewundern, auf denen die Zugänge, Sicherheitsanlagen, das Hauptquartier und andere Gebäude der Militäranlage zu sehen waren. Google löschte die Bilder inzwischen.

Das Internet-Unternehmen sprach sein Bedauern über den Vorfall aus und nannte ihn ein "Versehen": Es entspreche nicht der Firmenpolitik, kritische Infrastrukturen abzubilden. Tatsächlich zensiert Google in allen seinen Map- und Fotodiensten viele aktive militärische Anlagen sowie ausgewählte Objekte mit strategischer Bedeutung: Sie erscheinen beispielsweise bei Google Earth entweder als weiße oder schraffierte Flächen oder aber sogar in Form eingefügter Fehlinformationen. Mitunter entdecken dann Anrainer von Militäranlagen bei Google Earth Wälder oder Felder, wo gar keine sind. Besonders bekannte Militäranlagen werden allerdings nicht verborgen (siehe Bildergalerie).

"Wir haben nichts gegen Google Earth", macht US-Armeesprecher Gary Ross klar. Der Internet-Dienst, der Aufnahmen von fast jedem Ort der Welt bietet, sei sehr nützlich. "Aber wenn sie in einer unserer Anlagen detaillierte Aufnahmen beispielsweise von Kontrollpunkten, den Kommandogebäuden und Sicherheitsanlagen machen, stellt das ein operatives Risiko dar", so Ross.

Transparenz ist ein Sicherheitsrisiko

Beim US-Militär wurde der Vorfall als Chefsache behandelt. Auch Gene Renuart, Oberfehlshaber des Air Force Northern Command, wandte sich an die Öffentlichkeit, mahnend an die eigenen Leute - und an Google: "Google versteht unsere Sicherheitsbedenken und hat uns versichert, helfen zu wollen, wenn wir darum bitten." Der Internet-Dienst löschte die umstrittenen Bilder innerhalb von 24 Stunden aus seinem Angebot.

Alle Satellitenbild-, Map- und Fotodienste von Google werden seit ihrer Veröffentlichung immer wieder auch in Bezug auf die Gefährdung kritischer Infrastrukturen diskutiert. So machten sich in den Anfangstagen von Google Earth Internet-Nutzer einen Spaß daraus, Standorte und Zufahrten von Atomkraftwerken, Regierungsgebäuden oder den militärischen Teilen von Flughäfen zu dokumentieren. Relativ problemlos lassen sich beispielsweise die Standorte von Militärflugzeugen auf den nicht-öffentlichen Teilen zivil genutzter Flughäfen bestimmen. Die Bilder sind jedoch von eingeschränktem strategischem Wert: Da die Aufnahmen bis zu zwei Jahre alt sind, dokumentieren sie nur, wo beispielsweise irgendwann einmal ein Stealth-Bomber gestanden hat.

Anders sieht das bei festen Gebäuden und Infrastrukturen aus. So gibt es Spekulationen darüber, dass die Demonstranten der britischen Umweltgruppe Plane Stupid, die Ende Februar auf das Dach des Parlamentsgebäudes gelangten, ihren PR-Coup mit Hilfe von bei Google Earth recherchierten Informationen vorbereiteten.

Besonders stark kritisiert wurde zuletzt der Google-Dienst Street View. Er zeigt auch Personen, die sich darüber nicht unbedingt im Klaren sind: Das, sagen Kritiker, verletze Datenschutz- und Persönlichkeitsrechte. Wie auch das bedenkenlose Einstellen von Gebäudefotos bei Google Earth bietet Street View zudem potentiell beste Sondierungs- und Vorbereitungsmöglichkeiten beispielsweise für Einbrüche.

pat/AFP/AP