Frankreich: Krankenhaus weist wegen Cyberattacke Notfallpatienten ab - DER SPIEGEL
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Onlineerpressung in Frankreich Krankenhaus weist wegen Cyberattacke Notfallpatienten ab

Ransomware hat in der Nähe von Paris den Betrieb in einem wichtigen Krankenhaus gestört. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, der oder die Angreifer verlangen zehn Millionen Dollar Lösegeld.
Centre Hospitalier Sud Francilien in Corbeil-Essonnes (Aufnahme von 2011): Öffentliche Krankenhäuser in Frankreich dürfen kein Lösegeld zahlen
Centre Hospitalier Sud Francilien in Corbeil-Essonnes (Aufnahme von 2011): Öffentliche Krankenhäuser in Frankreich dürfen kein Lösegeld zahlen

Centre Hospitalier Sud Francilien in Corbeil-Essonnes (Aufnahme von 2011): Öffentliche Krankenhäuser in Frankreich dürfen kein Lösegeld zahlen

Foto: JOEL SAGET / AFP

Ein Krankenhaus nahe der französischen Hauptstadt Paris ist Opfer einer Attacke mit einem Verschlüsselungstrojaner geworden und muss daher manche Notfallpatienten abweisen. Die Attacke verhindere vorläufig unter anderem den Zugang zur Software des Krankenhauses und zum Informationssystem für die Patientenaufnahme, teilte das Centre Hospitalier Sud Francilien (CHSP) am Montag mit . Nach Angaben der Klinik in der rund 30 Kilometer südöstlich von Paris gelegenen Stadt Corbeil-Essonnes verlangen die Angreifer zehn Millionen Dollar Lösegeld.

Zunächst blieb unklar, ob hinter dem Angriff auf das Krankenhaus in der Nacht auf Sonntag ein Einzeltäter oder eine Gruppe Krimineller steckte. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein.

Es darf kein Lösegeld gezahlt werden

Nach Angaben von Krankenhausdirektor Gilles Calmes waren die IT-Experten der Klinik angesichts der technischen Probleme zunächst von einer Panne ausgegangen. »Aber als eine Lösegeldforderung von zehn Millionen Dollar kam, haben sie begriffen.«

Laut dem Fernsehsender BFM drohen der oder die Erpresser auch mit einer Veröffentlichung von Daten, die im Zuge des Angriffs erbeutet wurden. Ein solches Vorgehen wäre nicht ungewöhnlich: Viele moderne Ransomware-Angriffe basieren darauf, dass die Daten der Opfer einerseits verschlüsselt, anderseits aber auch mitgeschnitten und anschließend bewusst als zusätzliches Druckmittel eingesetzt werden. IT-Sicherheitsfirmen verwenden in diesem Kontext den Begriff »Double Extortion«, also »doppelte Erpressung«.

Nach Angaben aus Polizeikreisen war die Lösegeldforderung in englischer Sprache formuliert. Öffentliche Krankenhäuser in Frankreich dürfen allerdings kein Lösegeld zahlen.

Die Klinik in Corbeil-Essonnes hat eine Kapazität von etwa 1000 Betten und gewährleistet die Gesundheitsversorgung von fast 600.000 Menschen.

Seit Sonntag habe die Klinik alles getan, um die Betreuung besonders dringlicher Fälle zu gewährleisten, sagte Krankenhausdirektor Calmes. Neuaufnahmen seien jedoch kompliziert, gegebenenfalls würden Notfallpatienten »direkt« an andere Einrichtungen in der Region weitergeleitet. Absagen von Operationen seien zu befürchten.

mbö/AFP