Frankreich Wahlkampf mit Google-Adwords
Nicolas Sarkozy hat ein klares Ziel: 2007 will der ehrgeizige Politiker zum Präsidenten Frankreichs gewählt werden. Und um das zu erreichen, nutzt er alle Möglichkeiten, die ihm das Internet bietet. Es fing an mit einer E-Mail-Kampagne, die im Oktober 2005 Tausende Franzosen erboste. Von Polit-Spam war die Rede.
Einige Wochen später zündeten Jugendliche in Frankreichs Vorstädten jede Nacht Hunderte Autos an. Sarkozy, als Innenminister für die Sicherheit im Lande zuständig, goss mit provokanten Aussagen zusätzliches Öl ins Feuer. Dem "Gesindel" müsse man mit dem Hochdruckreiniger zu Leibe rücken, erklärte der Minister und startete parallel eine Internetkampagne für seine Partei, die regierende UMP.
Wer Anfang November über die französische Google-Seite nach Begriffen wie "brennende Autos", "Banlieue", "Gewalt" oder "Randale" suchte, dem wurden rechts von den eigentlichen Treffern bezahlte Links zu Sarkozys Partei UMP präsentiert. "Unterstützen Sie Sarkozys Politik, um die Ordnung wieder herzustellen", hieß es da beispielsweise.
Die UMP nutzte die Werbeform der Google-Ads. Wenn Surfer bestimmte, von der Partei reservierte Suchbegriffe eingeben, dann erschien automatisch der Link zur UMP-Seite. Ein in der Politik durchaus umstrittene Praxis.
Offenbar haben Sarkozy und seine Parteikollegen damals Geschmack an Google-Adwords gefunden. Mittlerweile haben sie Dutzende Begriffe für sich reserviert, etwa
- 2007 - das Jahr der Präsidentschaftswahl
- Figaro - die große konservative französische Tageszeitung
- egalité - Gleichheit
- république und
- communistes
Besonders erbost reagierte der sozialistische Abgeordnete Jack Lang, als er mitbekam, dass auch sein Name von den Konservativen für Google-Anzeigen genutzt wird. Sarkozy greife zu "Gaunermethoden", schrieb der ehemalige Kulturminister Frankreichs auf seiner Website und verwies darauf, dass Google bei ähnlichen Fällen von Wirtschaftsunternehmen bereits erfolgreich verklagt worden war.
So hatte sich die Hotelkette Méridien erfolgreich dagegen gewehrt, dass der Begriff "Méridien" von Google als Adword verkauft wurde. Konkurrenten hatten den Suchbegriff für sich reserviert. Immerhin nutzt Sarkozys UMP den Namen Jack Lang mittlerweile nicht mehr für Werbeanzeigen.
Die Sozialistische Partei Frankreichs, die auf Sarkozys Fängerei im Internet anfangs keine Antwort parat hatte, will den umtriebigen Innenminister nun mit seinen eigenen Waffen schlagen. "Feindliche Klicks" heißt die Kampagne. Sympathisanten der Parti socialiste sollen fleißig auf die Google-Anzeigen der UMP klicken, denn jeder Klick kostet den Anzeigenschalter Geld.
Ob die Rechnung aufgeht, ist jedoch fraglich. Mit ein paar Tausend Seitenaufrufen ist es nicht getan. Es müssten schon regelrechte Klickorgien stattfinden, damit es für die UMP teuer wird.
Sarkozy ist den Sozialisten ohnehin weit voraus, wenn es darum geht, das Internet für eigene Zwecke zu nutzen. So gewährte der Minister im Dezember überraschend einem Blogger ein exklusives Interview, das daraufhin als Podcast in französischen Web die Runde machte. Sarkozy hatte sich zuvor in einem Blog zu Wort gemeldet, in dem er kritisiert worden war, woraufhin ihn der Blogger um ein Interview bat.
Damit bis 2007 auch nichts anbrennt, hat Sarkozy unter sarkozy.affinitez.com bereits eine Blog-Plattform installiert, die seine Unterstützer sammeln soll. Dass die kommende Präsidentschaftswahl auch online entschieden wird, gilt als ausgemacht: "2007 wird das Jahr des ersten Präsidentenwahlkampfs im Internet", schrieb erst kürzlich die linksliberale Tageszeitung "Liberation".