Fraunhofer/GMD Gelähmte Fusion
Tom Sommerlatte, einer der Moderatoren der Fusion, hatte zuletzt noch darauf bestanden, dass das Konzept nur "ohne Wenn und Aber" akzeptiert werden könne. Doch jetzt droht eine tragende Säule des Vorschlags wegzubrechen: die IT-Akademie. Damit die Grundlagenforschung nicht ganz vor die Hunde geht, hatte das Moderatorenduo Arnold Picot und Tom Sommerlatte die Gründung einer IT-Akademie in Sankt Augustin vorgesehen. Sie soll aus den GMD-Instituten bestehen, die jetzt schon vor Ort sind.
Doch die Zeichen dafür stehen derzeit eher schlecht: Klaus Borchard, Rektor der Universität Bonn, weigert sich als universitärer Partner neben GMD und der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg, die IT-Akademie mitzutragen. Der Charakter der Einrichtungen sei zu unterschiedlich. Das Land plant bislang lediglich eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen der Universität Bonn und der neu gegründeten Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg ab 2004.
Überhaupt gehört das für die Akademie vorgesehene Stiftungskapital von 110 Millionen Mark nicht dem Bund, sondern der Stadt Bonn, die es aus dem Bonn-Berlin-Ausgleich erhält. Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann will es sich jedoch nicht mit der Universität Bonn verscherzen - und schweigt. Ob zudem ein jährliches Budget von sechs Millionen Mark überhaupt ausreicht, ist mehr als fraglich.
Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn zeigt sich jedenfalls optimistisch: Das geplante Zentrum soll "als Center of Excellence weltweit eine Spitzenposition einnehmen und internationale Standards mitprägen". Sie verweist jedoch auf die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, die in den Verhandlungen federführend sei.
"Stillstand" und "Fusionsbetrug" wittert jetzt der Bonner CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Hauser. Er sieht die Verwirklichung der geplanten Elite-Akademie für Informationstechnik "in höchster Gefahr". Jörg Tauss, forschungspolitischer Sprecher der SPD im Bundestag, will jedoch die Hängepartie auf jeden Fall verhindern: "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, viele Detailfragen zu klären". Allerdings gibt auch er zu, dass die Frage der IT-Akademie nun "zwischen den Exekutiven hin und her geht".
Die Zeit drängt jedoch: Mehrere Spitzenforscher erhielten bereits Angebote von anderen Institutionen. Der GMD-Bereich Bioinformatik droht ganz abzubröckeln: Thomas Lengauer erhielt einen Ruf an das Max-Planck-Institut, sein Mitarbeiter Ralf Zimmer erhielt sogar ohne Habilitation einen Ruf auf eine C4-Professur an der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität. Auch der Institutsleiter Thomas Christaller befindet sich derzeit in Verhandlungen.
Während sich in Bonn Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker um die Zukunft der IT-Akademie streiten, setzt der Berliner Betriebsrat der GMD am Fusionsvertrag schon juristische Hebel an: Beim Arbeitsgericht Berlin hat er eine einstweilige Verfügung beantragt. Damit will er der GMD untersagen, vor Abschluss eines Interessenausgleichs Betriebsänderungen im Zusammenhang mit der Fusion durchzuführen.
Der Hintergrund: Während das Bundesland Nordrhein-Westfalen für seinen GMD-Standort Sankt Augustin in einem Vertrag mit Bund und Fraunhofer Gesellschaft den Erhalt aller Arbeitsplätze aushandeln konnte, gibt es einen solchen Vertrag mit dem Land Berlin noch nicht.