Frei kopierbare Software Der Sündenfall im Hause Microsoft
Vor einigen Jahren noch schaltete Microsoft freche Anzeigen gegen Linux. Unter der Überschrift "Ein offenes Betriebssystem hat nicht nur Vorteile" wurden Pinguine mit Geweih, Hasenohren oder Schweinsohren gezeigt. Die Linuxgemeinde war empört.
Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert. Nicht dass Microsoft nun den Code von Windows XP herausgibt und die Programmierer der Welt dazu aufruft, Fehler darin zu finden und gleich noch auszubügeln. So weit ist man in Redmond noch nicht (und wird es wohl auch nie sein).
Doch mit Open Source generell scheint der Software-Riese immer weniger Probleme zu haben. Gestern beging man quasi den Sündenfall und veröffentlichte erstmals ein Programm unter einer solchen Lizenz. "Wir haben von Open Source gelernt, wie wichtig es ist, Programmcodes Entwicklern zur Verfügung zu stellen", sagte Jason Matusow, Manager von Microsofts Shared Source Abteilung.
Beim veröffentlichten Code handelt es sich um ein Werkzeug, mit dem Programmierer Windows-Installationspakete aus XML-Code erstellen können. Etwas Eigennutz scheint also doch im Spiel zu sein, denn immerhin ist das Redmonder Betriebssystem vonnöten, um das "Windows Installer XML"-Paket (WiX) einzusetzen. Zu finden ist das Tool auf der Plattform Sourceforge.net, die fast 80.000 Open-Source-Programmpakete bündelt.
Matusow betonte, dass Microsoft auch schon länger auf offengelegte Programmcodes setze. Es sei jedoch das erste Mal, dass ein Projekt unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht werden, sagte der Manager gegenüber den Newsdienst PCworld.com. Programmierer dürfen den Code modifizieren und in kommerziellen Produkten einsetzen.
Bei so viel Open-Source-Würdigung konnte es sich Matusow jedoch nicht verkneifen, gegen die GNU General Public Licence (GPL) zu wettern, unter der Linux-Code publiziert wird. "Wir glauben, dass GPL gewisse Probleme macht, wenn es um kommerzielles Softwaregeschäft geht."
Bei Microsoft hält man wenig von der Vorschrift, dass sämtliche aus einem GPL-Code entwickelte Software wieder unter GPL publiziert werden muss, also kostenlos und für jedermann verfügbar sein muss. Das WiX-Programmpaket trägt die Common Public Licence - eine ursprünglich von IBM stammendes Regelwerk, das die kommerzielle Verwertung nach Microsoft-Auffassung erleichtert.
Einen generellen Sinneswandel bedeute der jüngste Schritt jedoch nicht, erklärte Matusow. Microsoft werde auch künftig Software unter verschiedenen Lizenzbedingungen herausgeben - sei es als Shared Licence oder auch als Open Source.
Holger Dambeck