FriendsReunited Nie wieder einsam
Steve Pankhurst scheut sich nicht, das "P"-Wort in den Mund zu nehmen, das die Überlebenden des Dotcom-Booms - und der folgenden Krise - bis heute meiden wie die Pest: "Profit".
Sein Unternehmen, sagt Pankhurst, sei sogar "sehr profitabel". In Großbritannien, wo Pankhurst bisher seine Profite macht, zweifelt daran kaum jemand. "FriendsReunited" ist dort eine Marke, die jedermann bekannt ist. FriendsReunited ist die eine große Internet-Erfolgsstory der letzten zwei Jahre.
Und so alt ist das Unternehmen noch nicht einmal. Die Idee entwickelte Pankhurst angeblich mit seiner Frau Julie, als in ihr der Wunsch wuchs, alte Schulkameradinnen wieder zu finden: Warum nicht über das Web?
Sechs Millionen Kunden in 18 Monaten
Ja, warum nicht? So geht das Märchen weiter: Das Ehepaar Pankhurst baute die Website auf und traf auf reges Interesse. Mundpropaganda sorgte dafür, dass schon nach einem halben Jahr 20.000 Besucher täglich die Bandbreiten arg eng werden ließen. Die Pankhursts professionalisierten ihren Dienst - inklusive fünf Pfund Jahresgebühr für alle, die die Kontaktmöglichkeiten der Seite aktiv nutzen - und flupp: Schon war man bei drei Millionen Seitenaufrufen pro Tag.
Klingt unglaublich, ist aber nicht von der Hand zu weisen: Heute meldet FriendsReunited 200 Millionen Seitenaufrufe im Monat und kann diese auf ihre 6,2 Millionen registrierten Nutzer herunterrechnen. Allein 45.000 Schulen und Universitäten haben sich mit der Website vernetzt: Wer da in Sachen Ex-Klassenkameraden nicht fündig wird, ist wohl vor 1892 geboren.
Das Geheimnis des Erfolges, verriet Steve Pankhurst der BBC, sei wohl Neugier: Triebfeder vieler Suchen sei doch der Versuch, herauszubekommen, was aus diesem oder jenem Mitschüler beziehungsweise Mitschülerin geworden ist. Zwar gäbe es massenhaft Konkurrenz, doch bekäme die keinen Fuß an Deck. Mehr noch als weiland eBay oder Yahoo scheint es Pankhurst gelungen zu sein, mit seinem Markennamen eine Marktnische zu prägen - der "Tempo"-Effekt.
Den will Pankhurst nun auch international nutzen, bevor jemand anderes auf die Idee kommt. Und weil der Mann anscheinend prinzipiell die Böcke nicht schießen will, die seine Dotcom-Boom-Vorgänger so schossen, bleibt er auch dabei fest auf dem Boden: Statt Aktien zu verhökern, Venture Capital zu sammeln, seine Belegschaft zu verfünffachen und Auslandsbüros zu eröffnen, wählt er einen Weg, der das Risiko beim jeweiligen Landesbüro be- und ihn mitverdienen lässt.
FriendReunited wird zum Franchise - "Tempo" meets "Edeka".
Schon haben sich in Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Spanien und Südafrika ungenannte Partner in die gute Marke eingekauft. Das Ehepaar Pankhurst - nach eigenen Aussagen noch keine Pfund-Millionäre - arbeiten derweil daran, das schnellstmöglichst zu werden und ihr einfaches Grundkonzept auf andere Lebensbereiche zu übertragen. "Kumpel" sammelt und verliert man schließlich nicht nur in der Schule.