Für zum Aanluure Microsoft setzt auf Dialekt
Die "Weltpremiere", so Eric Boustouller von Microsoft Frankreich, feiere MS nun eben mit dem französisch-deutschen Kultur-Grenzidiom. Und darum wird "Öffnen" nun "uffmache" heißen, wer "einfügen" will, muss in der lokalisierten Office-Version "hinbabbe". 50.000 Begriffe müssen übertragen werden und damit womöglich mehr, als das lokalisierte Programm Anwender finden wird.
Doch darauf kommt es Microsoft nicht an. Die elsässische Software ist nur die erste Etappe eines umfangreichen Programms, mit dem der US-Softwareriese nach eigenen Angaben zum Schutz von Regionalsprachen in aller Welt beitragen will.
Insgesamt solle Office Microsoft in rund 100 Idiome übersetzt werden, beispielsweise ins Katalanische, Nepalesische oder ins Äthiopische, erläuterte Boustouller. Als nächsten Schritt werde Microsoft die geplante neue Window-Version Windows Vista in sein "Local Language Program" aufnehmen.
Hinter dem Vorhaben stünden keinerlei "lukrative oder kommerzielle" Motive, versicherte Boustouller. Es gehe dem Unternehmen vielmehr darum, seine Software so bürgernah wie möglich zu gestalten. Das Elsass sei für das Pilotprojekt ausgesucht worden, weil Elsässisch die mit Abstand am häufigsten praktizierte Regionalsprache in Frankreich sei.
Nach Angaben des elsässischen Amtes für Zweisprachigkeit sprechen heute noch rund 35 Prozent der Elssäser täglich Elsässerdeutsch, 60 Prozent sind immerhin in der Lage, sich in ihrer Regionalsprache zu verständigen. Diese ist allerdings vor allem unter älteren Leuten und auf dem Lande verbreitet, bei der jüngeren Generation und in den Städten verliert sie seit Jahren an Terrain. Dank der elsässischen Software solle zum einen der älteren Generation der Umgang mit Computern erleichtert werden, erläuterte Boustouller. Zum anderen werde der Dialekt auch den Jüngeren wieder nähergebracht, weil die elsässischen Begriffe automatisch neben den französischen auf dem Bildschirm auftauchten.
Für die Übersetzung ist der 84 Jahre alte Sprachprofessor Raymond Matzen vom Dialektologie-Institut an der Straßburger Marc-Bloch-Univesität verantwortlich. Er leitet eine Arbeitsgruppe, der auch Germanisten und Anglisten angehören. 2500 Grundbegriffe wie etwa Tastatur ("Täschtbrett") haben sich die Dialekt-Kenner bereits einfallen lassen. In einigen Fällen würden sowohl alemannische Worte aus dem südlichen Elsass angeboten als auch moselfränkische aus dem Norden der Grenzregion, erläuterte Matzen. Für "schließen" etwa werde es zwei Übersetzungen geben: "schließe" und "zumache". Die elsässische Software soll im kommenden Frühjahr fertig sein. Sie kann dann kostenlos heruntergeladen werden.
Das alles mag manchem seltsam bis überflüssig erscheinen, dürfte aber durchaus auf Nachfrage treffen: Im Rheinland wird bereits seit mehreren Jahren eine Dokumentvorlage herumgereicht, die das Benutzermenü von Word in makelloses Kölsch übersetzt.
Download: Kölsch-Vorlage für Microsoft Word (Zip-Datei, 28 KB)
"Bearbeiten" heißt dann charmant "Draan fummele", das Hilfe-Menü ist mit "Watt es los?" überschrieben, die "Extras" heißen "Zückerchen" und die "Zoom"-Einstellung der Seitenansicht ("Aanluure") natürlich "für Schäle". Wohl wahr, Microsoft, so was ist schutzwürdig - und das Tippen macht gleich mehr Spaß.
pat/AFP