Fußball-WM Darüber lacht das Netz
WM-Prognose von Theus: Die Symmetrie sagt, Deutschland hätte Spanien schlagen müssen
Foto: Martin TheusErwachsene Männer mit pfeifenden Lungenflügeln, die sich gegenseitig mit aller Macht gegen die Unterschenkel treten, sich anschließend heulend und wehklagend auf dem Boden herumwälzen. Um es mit Sartre zu sagen: Fußball wird erst durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft kompliziert. Jedenfalls, da werden Fans wie Feinde zustimmen, ist dieser Sport per se eine ausgesprochen ernste Angelegenheit.
Und trotzdem: Das Internet lacht, irgendwo, über fast alles, also natürlich auch über Fußball. Über Fans, über Zuschauer, über Aberglauben und natürlich über Spieler und Trainer. Die mittlerweile berüchtigten Videos, die Bundestrainer Löw beim hingebungsvollen Nasebohren zeigen, waren erst der Anfang.
Über das Kraken-Orakel und seine düstere Prophezeiung fürs deutsche Team spricht inzwischen die halbe (Netz-)Welt, aber es gibt Abhilfe: Ein kluger und kreativer Statistiker namens Martin Theus hat auf unwiderlegbare Weise bewiesen , dass die Mannschaft des Nasenbohrers hätte heute Abend gewinnen müssen, es konnte gar nicht anders sein. Mit Worten ist das nicht so einfach zu erklären, am besten sieht man sich die Grafik mal in aller Ruhe an. Das Fazit jedenfalls ist eindeutig: Das Gesetz der Symmetrie sah augenscheinlich zwingend vor, dass Deutschland im Jahr 2010 Fußballweltmeister wird.
Theus selbst ist ziemlich überrascht vom unerwarteten Welterfolg seiner Spaß-Prognose: Allein vom Social-News-Dienst digg.com hat sein auf Visualisierungsmethoden spezialisiertes Blog bislang etwa 100.000 neue Besucher bekommen. Seine WM-Grafik ist auf Seiten aus aller Herren Länder aufgetaucht, "einige davon auch in arabischer Schrift", berichtete er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Besonders amüsiert ihn, wie viele Netznutzer an diversen Orten voller heiligem (Fan-)Ernst über die Meriten der Spaß-Abbildung diskutieren. "Manche finden zum Beispiel, die Stichprobe sei doch viel zu klein", sagt Theus.
Mick Jaggers Gesicht zwischen Zitronenbiss und Erstickungsanfall
Beliebtestes Spott- und Spaßobjekt dieser Fußball-WM sind aber natürlich nicht die bislang so sensationell aufspielenden Deutschen, sondern, wie könnte es anders sein: die Vuvuzelas.
Stellvertretend für die Flut der Trötenwitze sei ein besonders Nerd-humoriger herausgegriffen: Aus der ungemein erfolgreichen "Guitar Hero"-Spieleserie, die den Spieler dazu bringt, sich mit einer kleinen Plastikgitarre mit bunten Tasten statt Saiten vor dem Fernseher zum Affen zu machen, hat ein fieser Videobastler die Idee extrahiert und sie mit der akustischen Brutalität der Vuvuzela-Schwärme verknüpft: "Vuvuzela Hero" - mit Multiplikatoren wie "höllisch!" auf der linken Bildschirmseite und einem "Schmerz"-Meter an der rechten - ist zum Glück nur ein Witz. Aber ein ziemlich erfolgreicher - bis Mittwochabend wurde der Kurzclip schon weit über 600.000-mal angesehen.
Das bislang womöglich Lustigste an der WM ist allerdings ein Beitrag aus zumindest unerwarteter Richtung: Ein fleißiger Bildersammler hat die zehn, sagen wir mal, originellsten Grimassen zusammengestellt, mit denen Mick Jagger die katastrophalen Leistungen des englischen Teams begleitete . Von Zitronenbiss über Nussknacker bis hin zu einem scheinbaren Erstickungsanfall ist alles dabei. Bleibt die Frage, wer die junge Dame ist, der Bill Clinton in Bild Nummer neun so zärtlich übers Haar streicht.
Und natürlich vor dem Spiel die Frage, wer Recht behält: das Krakenorakel oder Martin Theus' unbestechlicher grafischer Beweis? Es war der Krake.
In einer Hinsicht übrigens haben wir in jedem Fall alle gewonnen: Mick Jagger war dem Vernehmen nach auch heute Abend wieder im Stadion anwesend.