Gamers Corner Diablo 2 - Teuflische Spionage
Seit dem 19. April geht Unsicherheit in der Battle.net-Gemeinde um. Der neue Patch für das nach wie vor ungemein populäre Action-Rollenspiel "Diablo 2" steht im Verdacht, den Betreibern des kostenlosen Online-Spielservices Battle.net Zugriff auf Rechnerdaten und Systeminformationen zu ermöglichen. Hersteller Blizzard und Vertrieb Vivendi Universal Interactive Publishing sind sich keiner Schuld bewusst: Es gehe ihnen lediglich darum, Klagen über "Cheat-Hacker, die gegen die geltenden Nutzungsbedingungen verstoßen haben und das regelrechte Diablo-2-Online-Gameplay zeitweise beeinträchtigen oder gar unmöglich machen", nachzugehen. So der offizielle Pressetext.
Laut Herstellerangaben geht es hier um ein Produkt, von dem sich fast drei Millionen Stück verkauft haben. Zu jeder beliebigen Zeit sollen rund 100.000 Benutzer "Diablo 2" online spielen. Um dies auch weiterhin tun zu können, benötigen sie unbedingt den "Patch 1.06". Und in dessen Nutzungsbedingungen, denen der Spieler in jedem Fall zustimmen muss, finden sich einige Passagen, die tonnenweise Wasser auf die Mühlen der Verschwörungstheoretiker schütten.
Was will Blizzard wissen?
In den Nutzungsbedingungen finden sich kleine, aber feine Haken und Ösen. So hat "Blizzard das Recht, Identifizierungsinformationen bezüglich der Hardware und des Betriebssystems, einschließlich der Identifikationsnummern der Festplatten, CPU, IP-Adressen und Betriebssystems zu Identifikations-Zwecken zu erhalten, ohne dass Sie darüber informiert werden."
Stimmt der Käufer des Spiels diesen Bedingungen nicht zu, bleibt ihm der Zugang zum Battle.net verwehrt. Diese Mehrspieler-Option ist jedoch ein massiver Kaufgrund für "Diablo 2", denn wenn das Einzelspieler-Szenario durchgespielt ist, bleibt sie die einzige Langzeitmotivation.
Mit den so gesammelten Daten könnte Blizzard ein umfangreiches Profil der Kunden erstellen, von Betriebssystemeinstellungen über verwendete Hardware wie Hauptprozessor und Grafikkarte bis hin zu den angesurften Lieblings-Internetseiten. Sogar der Standort des Computers ließe sich so angeben.
Außerdem steht dort weiter: "Es gehört zur Politik von Blizzard, bei strafrechtlichen Nachforschungen mit den entsprechenden Institutionen in vollem Umfang zu kooperieren, IP-Adressen und damit verbundene persönliche Informationen, sowie alle zur Verfügung stehenden Benutzer-Informationen bereitzustellen."
Das bedeutet nichts anderes, dass der Nutzer zustimmen soll, all diese Daten gegebenenfalls ohne sein Wissen an Polizei und Staatsanwaltschaft weitervermitteln zu lassen.
Die Frage ist, wozu Blizzard diese Informationen wirklich benötigt. Störenfriede lassen sich sehr einfach aus dem Battle.net ausschließen, denn jeder Spieler muss sich dort mit Namen und vor allem dem CD-Key . Dies ist eine Codefolge, die für jedes verkaufte Exemplar von "Diablo 2" einzigartig ist und somit einfach ermittelt und gesperrt werden kann.
Eine vergleichbare Strategie hatte Blizzard bereits vor zwei Jahren ausprobiert: Ein ähnlich gearteter Patch sollte "Starcraft"-Spieler "durchsichtig" machen - er scheiterte am Widerstand der Battle.net-Gemeinde.
Die Reaktion des Herstellers
Fast einen Monat Zeit ließ sich der deutsche Vertrieb Vivendi Universal, ehe er eine Erklärung abgab. In dieser heißt es nun: "Im akuten Verdachtsfall behält sich Blizzard das Recht vor, IP Adresse, ID CPU sowie ID Festplatte und Betriebssystem zu scannen, soweit dies das geltende Datenschutzrecht in den einzelnen Ländern erlaubt."
Na, da haben deutsche Spieler ja noch mal Glück gehabt, denn dort steht weiter: "Bis dato wurden weltweit keinerlei personenbezogene Daten gesammelt und gespeichert. In Deutschland wird dies generell nicht passieren, da die hiesigen rechtlichen Bestimmungen das nicht zulassen!"
Falls sich Blizzard tatsächlich daran hält, muss sich hier zu Lande niemand Sorgen machen. Ein hässlicher Nachgeschmack bleibt dennoch. Wenn die technischen Voraussetzungen für eine derartige Spionage erst mal geschaffen sind, übt die Versuchung sicherlich einen großen Reiz auf die Hersteller aus. Was könnte man mit all den schönen Daten nicht alles anfangen, wie etwa zu wissen, welche Prozessoren sich besser verkaufen oder welche Grafikkarte von "Diablo 2"-Nutzern bevorzugt wird?
Da kann man nur hoffen, dass ein derartiges Vorgehen ein Einzelfall bleibt.